Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

Seite: 37
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Momente dargestellt, da er rief: Eli, Eli
lamma sabachtani, also mit emporgerich-
tetem Haupt und halb geöffnetem Munde.
Die Haltung des Körpers läßt diesen
sehr schlank und seitwärts eingezogen er-
scheinen. Ganz besonders bewunderungs-
würdig ist die Anatomie des Kopfes. Die
einzelnen Teile, wie die Zähne und die
Haarlocken aus der Rückseite sind mit
minutiöser Genauigkeit wie auf der Vor-
derseite gearbeitet.ß Dies jetzt so berühmte
Elfenbeinkruzifix stand früher unbeachtet
auf bem Altar einer Kapelle. Erst Pfarrer
Pautke (f 1885) verwendete es als Hoch-
altarkreuz. Im Anfang der 60er Jahre
kam nun der Kustos, des herzoglich braun-
schweigischen Museums in Oels-Sibyl-
lenort (Schlesien) nach Heinrichau, welcher
den Auftrag hatte, Altertümer' und Kunst-
gegenstände für sein Museum zu erwerben.
Dieser erkannte sofort den hohen Kunstweit
des Kruzifixes und bot dem Pfarrer 2000
Taler dafür, da er es für ein Meisterwerk
von Benvenulo Cellini hielt. Die Ent-
deckung des kostbaren Kruzifixes machte in
ganz Schlesien Aufsehen. Es wurden nun
davon Abgüsse (Abformnngen) durch einen
Ziseleur Slröbel in Frankenstein i. Schl,
gemacht. Solche Abgüsse besitzen das
Generalvikariatamt in Breslau, ferner die
Kapelle zu Bad Salzbrunn in Schlesien
und Amtsgerichtsrat Rädler in Breslau
(ans dem Nachlaß seines Onkels, des
Pfarrers Pautke) und die Großherzogin
Sophie von Sachsen-Weimar.

Die Annahme, daß das Kruzifix ein
Cellinisches Werk sei, ist jedoch jetzt aus-
gegeben worden. Auf einer Fußplatte
stehen zwei Chiffren, die aber nicht leser-
lich sind, jedenfalls nicht als C. B. ge-
deutet werden können. Deutlich lesbar
ist aber dahinter Roma. Wahrscheinlich
hat der Abt Andreas I. (1554- 77), der
sich längere Zeit in Rom anfgehalten hatte,
es von dort mitgebracht. Später deutele
man es als eine Kopie des berühmten
Cellinischen Marmorkrnzifixes, das sich
jetzt im Kloster Escorial in Spanien be-
findet. Doch stellte es sich neuerdings
heraus, daß es mit diesem keine Aehn-
lichkeit besitzt. Dagegen gleicht es einem
Kruzifix, welches ans einer neueren photo-
graphischen Ausnahme PiusX. zu sehen ist,
ans das sprechendste. (Schluß folgt.)

Cbriftlidje Kauft in Bild and Bach,
Schale and chaas.

Von Stadtpfarrvenv. Fischer, Bopfingen.

Ein Leser meines Aufsatzes über „Christ-
liche Kunst in Bild und Buch, Schule und
Haus" ließ mich um Bekanntgabe weiterer
Geschenkbildchen besserer Qualität ersuchen.
Damit kann heule gedient werden. Von
einer Seile her, von der man es nicht
hätte erwarten sollen, koniint frohe Bot-
schaft : 1. Joseph Ai ü l l e r in M ü n ch e n
bietet uns die sechs schönsten Chri-
st usbildnisse in geschmackvoller, far-
biger Ausführung mit begleitenden Worten
von Prälat Joseph Hecher. lieber die
Auswahl — es sind ausschließlich Italiener
vertreten — wollen wir aus dem guten
Grund nicht rechten, weil eine Ergänzung
derselben kein Ding der Unmöglichkeit ist
und bei sich ergebender Rentabilität sicher-
lich mit Freuden in die Wege geleitet
wird. Das Stück kostet 6 Pfennig. Das
ornamentale Beiwerk bliebe besser weg.

2. Einen höchst originellen Versuch
stellt das „Kirchenjahr in zwölf
Bildern" dar, das im selben Verlag
erscheiitt. Der Effekt ist hier nicht mehr
durch ästhetische Empfindelei in Gestal-
tung und Farbengebung erschlichen, son-
dern ehrlich erarbeitet. An die Stelle
französischer, quietistischer Süßlichkeit ist
gesundes, frisch pulsierendes, dramatisches
Leben getreten. Welche Summe schöpfe-
rischer und gestaltender Kraft liegt allein
in dein Bildchen „Weihnachten". Und
das alles — samt dem Text von Pater
Ambros Zürcher — ist um einen Pfennig
erhältlich!

3. Ebenfalls den erfreulichen Erschei-
nungen sind die „Bildchen nach alten
Meistern" beizuzählen (2^2 Pfennig).
Doch wäre hier die Beschränkung auf
solche Darstellungen wünschenswert ge-
wesen, die noch in solchem Format voll-
wertig wirken. Manche Nummern sind
auch so blaß ausgefallen, daß einen beim
Anblick unwillkürlich ein Frösteln über-
kommt.

Mängel wie Vorzüge letzterer Serie
teilen die „Kongregationsbiloer" (Verlag
„Unter der Fahne Mariens" Wien, IX,
Canisinsgasse 12), nur daß hier vor allein
die deutschen Ale ist er bevorzugt erscheinen.
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