Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

Seite: 40
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40

SU einem schützenden Dache znsaininen-
schlagen.

Nnr müßte die Unterschrift lauten:
Zancw Ulubertö ora pro nobis, nicht
Zt. I"lubertus ora pro nobis.

Siteralur.

DieLegende der drei Lebenden und
der drei Toten und der Totentanz
nebst einem Exkurs über die I a ko-
buslegende. Im Zusammenhang mit
neueren Gemätdefunden ans dem badischen
Oberland untersucht u. Or.Ka r l K ü n stle,
Professor. Mit einer farbigen und sechs
schwarzen Tafeln sowie 17 Textabbil-
dungen. Freiburg (Herder) 1908. (VI
und 1l6 S.) Preis 7 M.

Professor Künstle bietet uns in dieser Studie
wertvolle Ergebnisse einer minutiösen Forschung
dar. An allgemeinen Erkenntnissen zeigt uns die
Schrift aufs neue, wie enge die Verbindung der
inittelalterlichen Kunst mit der Legende, der
Volksandacht, den religiösen Schauspielen ist.
Jni einzelnen liefert sie folgende neue Ergebnisse:
1. Die neueren Gemäldefunde Badens, die auf
die kirchliche Malerei am Bodensee im XV. Jahr-
hundert ein so bedeutsaines Licht werfen und —
wie ich wenigstens annehmen möchte auch für
die weitere Erforschung der neuen Gemäldefunde
in der Tonaugegend verwertet werden müssen,
sind hier erstmals zusammenhängend und mit
großer Akribie behandelt. 2. Interessant und
lehrreich ist die Darstellung der verschiedenen
inittelalterlichen Versionen der Jakobuslegende, die
für die Compostellapilger der Bodensee- uuo Donau-
gegend und für die dortige Kunst von Einfluß
geworden ist. 3. Das nach meinem Dafürhalten
bedeutsamste Ergebnis der Schrift liegt aber in
den beiden letzten Abschnitten, welche von der
Legende der drei Toten und der drei Lebenden
sowie von der damit im Zusammenhang stehenden
Entstehung der Totentänze handelt.

Die in den verschiedensten Versionen vor-
handene und auf verschiedene Stände angewandte
Legende der drei Toten und drei Lebenden hat
außerordentlich mannigfaltige Darstellungen ge-
funden auf Fresken, Paramenten, Miniaturen.
Sie erhielt sich in den bildlichen Darstellungen
neben den späteren Totentänzen. Künstle vertritt'
die Meinung, der Totentanz sei aus der Legende
der drei Lebenden und der drei Toten heraus
entstanden, ein Gedanke, den auch schon Fortoul
und Achille Jubinal aus Anlaß der Bearbeitung
des Totentanzes von La Chaise-Dieu ausge-
sprochen hatten — auch Dufour und Kupka.

Beachtenswert ist, daß die Totentänze überall
vom Volk ausgehetl und nicht selten eine anti-
klerikale Spitze enthielten. Künstle weist beson-
ders die tief eingewurzelte Vorstellung ab, als
wären die mittelalterlichen Totentänze nu§ Schau-
spielen entstanden; auch aus den traurigen Zeit-
verhältnissen suchte man ihn schon zu erklären,
indem man der großen und furchtbaren Pest-
epidemien des XIV. Jahrhunderts gedachte. Auch
daniit erklärt sich Künstle nicht einverstattden.

Er geht vielmehr von der Tatsache aus, daß
die Totentänze nicht auf das Sterben überhaupt
Hinweisen, sondern die Menschen ans jeder Ent-
wicklungsstufe vor deni plötzlichen und unvor-
bereiteten Tod, als dem größten Unglück für den
Christen, warnen. .Ferner ist es nicht der per-
sonifizierte Tod, der die einzelnen Vertreter
der Stände abruft, sondern bestimmte Tote.
Künstle zeigt dann noch, wie man sich die Ent-
wicklung des Totentanzes aus der Legende der
drei Lebenden und der drei Toten zrr denken
habe: „Aus dieser Legende stammt die Reihe
der menschlichen Würdenträger und der Vertreter
der verschiedenen Stände, die je von einem be-
sonderen Toten zuni Sterben abgeführt werden;
aus ihr stammt auch der wesentliche Inhalt der
Reden zwischen Lebenden und Toten, die mir
unter den meisten Totentänzen finden."

„Die Entwicklung der Legende von den drei
Lebenden und den drei Tote» zum wirklichen
Totentanz erfolgte unter dein Einfluß der indo-
germanischen Vorstellung voiu Reigen der Toten
nur da, ivo die Legende besonders verbreitet
und beliebt war."

Tübingen. Ludwig Baur.

Johann Martin Niederer, ein rhei-
nisches Künstlerbild von Dr. PaulKanf-
manu. Verlag von I. H. Ed. Heitz,
Straßburg. Preis 5 M. 50 Pf.

Einen talentvolle», in früher Jugend dem
Leben und der Kunst entrissene» Meister aus
dem Dunkel der Vergessenheit hervorgezogeu und,
wie zu wünschen wäre, zu neuem, dauerndem
Leben erweckt zu haben, ist das Verdienst dieser
schön ausgestatteten, mit Wärme geschriebenen
Biographie. Niederer (1830—53), des berühmten
P. Cornelius größter Schüler, welcher sich der
Sympathien Friedrich Wilhelms IV., des Feld-
mnrschalls Wrangel u. a. erfreute und auch dich-
terisch tätig war, hat trotz seiner durch einen
tragischen Tod früh abgebrochenen Künstlertätig-
keit nahe an 50 Werken nebst Skizzen, Aktstudien
und Entwürfen hinterlassen, welche ihn „auf dem
Gebiete des intime» Bildnisses schon als Meister
und Führer in die Zukunft" erweisen, der in
der koloristischen und technischen Behandlung
seiner Zeit voraneilt, berufen, „Dürers, Corne-
lius' und Rethels Kunst weiter zu führen". In
Kaufmann hat er einen trefflichen Herold ge-
sunden, dem es gelingen möge, des jungen Künst-
lers Andenken bei Mit- und Nachwelt zu sichern.

Heiden heim._Dr. Ehrhardt.

Dieser Nummer liegt ein Prospekt und Sub-
skriptionseinladung für die „O e st e r r e i ch i s ch e
Kunsttopographie", herausgegeben von der
K. K. Zentralkommission für Kunst und historische
Denkmale, bei.

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