Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

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Heimsuchung Geburt Christi, Anbetung
der heiligen Dreikönige, der ungläubige
Thomas, Christus in der Glorie. Am
oberen Rande ist das Gefäß mit drei
Ringen zum Aushängen versehen. Nach
Barbier de Montault ist es eine deutsche
Arbeit.

Die karolingische Periode, ans
welcher wir die ersten Vorschriften über
die sonntägliche Aspersion besitzen, bietet
uns statt der untergegangeneu Monumente
wenigstens einige literarische Nachrichten
und Abbildungen. Das Kloster St. Trond
(bei Maestrichl) besaß 870 zwei Kesselchen
aus Kupfer, aus Erz war es um 800 in
Wandrille. Abt Angilbert, Freund Karls
des Großen, verschaffte dem Kloster
St. Riqnier ein Gefäß aus Silbers.
Von Abbildungen nennen wir die be-
rühmten für Bischof Drogo von Metz
angefertigten Elsenbeindeckel; auf den-
selben sieht man zweimal ein Weihwasser-
gesäß abgebildet, welches ein Ministrant
an einem Henkel in der Hand trägt bei
der Weihe des Taufwassers und vor der
sonntäglichen Aspersion; beidemal ist es
ein einfaches, zylinderförmiges Eimerchen^).

Die ältesten uns erhaltenen Denkmäler
stammen ans ro m anischer Zeit. So-
weit dieselben ein allgemeines Urteil ge-
stalten, hatte das Weihwassergesäß da-
nials im allgemeinen die Foritt eines
niedrigen Eimerchens von konischer oder
bauchigerb) Gestalt. Die Höhe bewegt
sich zwischen 20 und 25 cm, die Breite
zwischen 10 und 15 cm. Reben sehr
einfachen Arbeiten kommen manche kost-
bare Kesselchen vor, sowohl was Material

') v. Schlosser, Schriftquellen zur Ge-
schichte der karolingischen Kunst, 1892, n. 261,
782, 866. — Es ist allerdings nicht sicher, daß
hier ein Weihwasserkesselchen erwähnt wird. Wir
haben Las Wort situla (Einiorchen) hier so ans-
gefaßt, weil es auch in alten Ritualien diese Be-
deutung hat; jo heißt es in den Statuten Lnn-
franks bei der Beschreibung der Sonntagsprozes-
sion primum (procedit) Conversus ferens
situlam cum aquas benedicta. Martene,
De ritibus Monachorum, 1. 1 n. 4 Ed. Ant-
werp. 1738, p. 497.

-) Abb. bei Rohault de Fleury, La
Messe pl. 429.

s) Vgl. die Abbildung eines solchen Gefäßes
in der Hand eines Ministranten bei Franz,
Das Rituale von St. Florian, 12. Jahrhundert,
Freiburg 1904. Taf. 5.

als was Ausstattung anlangt. So ver-
schaffte Abt Ganzelin (ch 1030) seinem
Kloster Fleury (an ver Loire) ein sehr
wertvolles, silbervergoldeles Weihwassei-
gesäß im Werte von 20 Pfd. Gold'),
Bischof Wilhelm von Auxerre (ch 1118)
seiner Kirche gleichfalls ein Weihwasser-
gefäß aus Silbers.

Auch aus Elfenbein lieble man
dieses liturgische Möbel herzustellen. Hellte
gehören Elfenbeingefäße zu den größten
Seltenheiten. Es sind bis jetzt nur vier
Exemplare bekannt geworden; sie befinden
sich in Mailand (Dom), Aachen, Sl. Peters-
burg und Kranenburg (Rheinprovinz). Im
Verein mit einer Anzahl Bronzegefäßen
dielen sie uns eine gute Vorstellung von
der Verzierung, welche inan damals
dem Kesselchen zu geben pflegte. Die
Gefäße zu Mailand, Aachen und
St. Petersburg sind um das Jahr 1000
enlstauden. Sie sind mit einer oder zwei
Reihen rundbogiger Arkaden verziert, unter
denen heilige oder profane Personen Platz
gefilnden haben. Das Gefäß zu Mai-
land (19 cm hoch, oben 13 cm, unten
9,3 cm breit) mit einer Arkadenreihe
zeigt die Muttergottes mit dem Kinde
und die schreibenden Evangelisten. Ober-
halb der Arkaden läuft die Inschrift hin:
Vates Ambrosii Gotfredus dat tibi,
sancte,

Vas veniente sacram spargendam
Caesare lympham.
Aus diesen Worten geht hervor, daß Erz-
bischof Gotfried (975—988) dieses schöne
Gefäß für den Besuch seines kaiserlichen
Gönners Otto II. in Mailand anfertigen
ließb).

Ein wenig jünger ist das Gefäß zil
Aachen (17,7 cm hoch und 9,2 cm breit).
Es wurde wahrscheinlich anläßlich der
Krönung Ottos III. angefertigt. Es ist
achtseitig und mit zwei Reihen Figuren
geschmückt, die von drei mit Edelsteinen
gezierten Bändern eingefaßt sind. Ein
a»l oberil Rand besiitdlicher, von Tieren
und Jagdszenen belebter Fries wird von

') v. Schlosser, Quellenbuch, 1895, 183.

-) Labarte, Histoire des arts industriels
III (Paris 1875) 429.

3) Vgl. Mitteilung der k. k. Zentral-Koin.
XII (Wien) 147. Mo linier, Histoire gene-
rale des arts appliquös I, 148.
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