Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

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Das Weihwassergefäß für das
»Asperges«.

Vou B e.d a K lei n sch in i dt, O. F. M.,
Harreveld (Holland).

(Schluß.)

Von geringerem Knnstwerte, wenn auch
ehrwürdige Zeugen einer großen Ver-
gangenheit, sind die romanischen Weih-
wassergefäße aus Bronze. Ermähnt
möge hier werden ein Gesäß in der
Sammlung H o h e n z o l l er n - S i g ma-
rin gen, von der Reichenau (um 1000),
mit den zwölf Aposteln in zwei Reihens,
zu Mainz (Dom) mit Bildern Christi
und Mariä, des Erzbischofs Hartmann
und des hl. Heribert von Köln (1221),
zu Speier, mit den Evangelisten und
den vier (personifizierten) Paradiesflüsseu
in der oberen, mit Jagdszenen in der
unteren Zone, angeferligt von Abt Ber-
told von St. Alban in Maitiz"); ferner
noch ein Bronzegefäß im Proviilzialmusenm
zu Hannover, in der Stiftskirche zu
Berchtesgadens und zu Wallen-
horst bei Osnabrücks.

Auch in der gotischen Knnstperiode
liebte man es nicht minder, unser ge-
ringfügiges Kirchenmöbel aus kostbarem
Material anzufertigen, was sich ja frei-
lich nur reichere Kirchen gestatten konnten.
So ist im Inventar der Peterskirche zu
Rom von 1295 ein Gefäß und Aspergil

') Abb. H e f u e r - A l t e n e ck, Trachte»
(2. Ausl.) Tasi 51. Weitere Literatur bei K r a us,
Kunstdenkmäler von Baden, Kreis Konstanz, S.352.

2) Rohault de Fleury pl. 431.

3) Otte, Kunstarchäologie, 5. Ausl., I. 261.

4) Lüer, Geschichte der Metallkunft I (Stutt-
gart 1904) 305.

aus Silber verzeichnet'), im Schatzver-
zeichnis des Königs Karl V. von Frank-
reich von 1380 ein Weihwassergefäß ans
Gold2). Auch das Inventar der Kathe-
drale von Angers von 1297 ermähnt ein
Gefäß mit zwei Aspergilen aus Silber;
interessant ist es zu beobachten, wie hier
der Gegenstand durch drei Jahrhunderte
stets in den Jnventaren miederkehrt, zum
letztenmal im Jahre 1599"). Ju Regens -
bürg (Niedermünster) bediente man sich
wohl schon ehedem wie noch jetzt einer
silbervergoldeten Schale mit interessanten
Ornamenten, die ans dem 14. Jahrhun-
dert ftammt4).

Im allgemeinen ist das Weihwasser-
kesselchen in dieser Periode aber einfach,
häufig sogar recht nüchtern gehalten ;
meistens wird es ans Gelb- oder Rotguß
hergestellt und hat dann die Form eines
Eimerchens, das sich nach oben und unten
ein wenig erweitert. Die Mitte, häufig auch
der ganze äußere Mantel, wird von Rin-
gen umzogen, wodurch es eine reichere
Silhouette erhält. Zuweilen ruht es auf
niedrigen Füßen. Ein frühgotisches Kes-
selchen mit drei Füßen befindet sich z. B.
in Albersloh und Rinkerode (Westfalen)
und in Paderborn 5). Der Henkel wird

') Labarte I. c. Ill, 429.

*) M a 11 e t, Archäologie religieuse, 3. <1d.
Paris 1900, IT, 270.

s) L. de Farcy L’ancien tresor de la
cathedrale d’Angers, Arras 1882, p. 146.
(Extrait.)

*) v. Walderdorff, Regensburg m seiner
Vergangenheit und Gegenwart, 4. Ausl., 1890,
212.

6) Abb. Ludorff, Bau- und Kunstdenkmäler
Westfalens, Kreis Paderborn. Taf. 101, 117.
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