Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

Seite: 62
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kind, beide über dem MitteWrein die
nakhende Bildnus Christi, d. h. ein Ecre-
Homo- oder Erbärinebild, beide links und
rechts davon die Mnttergoltes und den
Evangelisten Johannes, bei beiden ist
der Mittelschrein mit Flügeln umgeben.
Alle diese Umstände berechtigen uns ge-
wiß zum. Schluß, daß der Wiesensteiger
Choraltar aus der gleichen Schule stamm!
wie der Blanbeurer, d. h. aus der Ulmer
Schule, vielleicht gar aus der gleichen
Werkstätte, nämlich der der Sprlin. Wir
hätten es dann
mit einem hervor-
ragenden Kunst-
werk zu tun; denn
die Werke der bei-
den Sprlin zeich-
nensich aus„durch
innere Lebens-
wahrheit der Fi-
guren, durch
Reichtum und
Klarheit der Or-
namente rmd
durch die größte
Sauberkeit der
Ausführung" (s.

Otte, Handbuch
der kirchl. Kunst-
archäologie,

5. Aust. Bd. II
S. 658). Ver-
gleichsweise sei
hier angeführt
das Urteil Bischof
Kepplers über den
Blaubeurer
Altar: „ein Mei-
sterwerk derUlmer
Schule, großarti-
ger architektoni-
scher Aufbau, schönstes Zusammenwirken
von Malerei und Plastik, feinste Aus-
führung, geschmackvolle Polpchromierung
der Skulpturen, reizender Schwung in den
Ornamenten, namentlich des Baldachins"
(„Württembergs Kirchliche Kunstalter-
tümer" S. 33).

2. D e r A l t a r uff d e in s ch n e k h e n
i st S. Barbara A l t a r. (Dieser Altar
stand an Stelle des jetzigen Krenzaltär-
chens. Unter dem „schnekhen" ist die
steinerne Wendeltreppe oder Schnecken-

stiege zu verstehen, die links am Chor-
bogen in die alte Krypta unter denr Chor
hinnnterführte und von der jetzt noch
Spuren vorhanden sind.) In der Milte
die Bildnus 6. VirZinis, zue beiden
Seilten die Bilver 8. Barbara undt
8. Catharina. Im Fueß (Antepeu-
dium) ist gemacht gewest, wie Jesus,
Maria undt Joseph zue Tisch gesessen.
(Diese drei Figuren der Mnttergoltes,
der hl. Barbara und Katharina sind ver-
mutlich identisch mit den drei herrlichen
spätgotischenSta-
tuen in der Ka-
pelle zu Ober-
drackenstein,
welche die gleichen
Heiligen darstel-
le». Eine Ueber-
lieferung in
Drackenstein be-
sagt, die Figuren
stammen aus der
früheren Wall-
fahrtskirche Doz-
burg. Vielleicht
wurden sie nach
dem Brand der
Stiftskirche nach
Dozbnrg und nach
dem Abbruch die-
ser Kirche nach
Drackenstein ver-
bracht).

3. Im Lang-
hause, mann
man vom schnek-
hen herab geht, ist
Unser Liebe n
Frauen Altar
(dieser Altar stand
links vom Chor-
bogen, wo auch heute der Marienaltar
steht). In der Milte ein Vesperbild,
zur Rechten 3. Andreae apostoli,
undt zur linkhen 3. Nicolai Bilder, daß
Corpus ist flach gemacht gewesen mit
Christi undt der 12 Apostel Bildnus
(Relief), außerhalb der Englisch Gruß
(gemalt). Also wieder ein Flügelaltar!

Die nun folgenden vier Altäre: Nr. 4, 5,
6 und 7, waren an der linken (Nord-)
Wand des Schiffes angebracht.

4. 3. Michaeli Altar, sambt

W i e s e n st e ig, Stiftskirche. Chor-Inneres.
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