Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

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mit dem Jesuskind, von besonderer An-
mut. An den Seitenwänden des Chores
befinden sich noch zwei lebensgroße Fresken,
die beiden Bischöfe St. Amandus und
St. Ulrich darstellend, die aber wohl
nicht Wannenmacher zugeschrieben werden
können.

Im ganzen ist dieses Werk Wannen-
machers in Straß eine ganz respektable
Leistung für einen 25jährigen Man»,
wenn auch nicht zu verkennen ist, daß
ihm die Deckenfreskomalerei noch große
Schwierigkeiten bereitet hat.

II.

Durch die Güte des Herrn Professors
Dr. Schröder in Dillingen wurde mir
inilgeteilt, daß die Chronologia Elchin-
gensis II (1700 — 1784), Handschrift
der Stadtbibliothek von Augsburg Nr. 383
saec XVIII eine Notiz von Wannen-
macher enthält. Dieselbe lautet: „1749
hat der Maler mit Namen Wannenmacher
angesangen, unsere Kirche zu malen. Er
hat sie schon einmal genialen, weil es
ihm aber nicht geraten, so fangt er von
neuem au. Auf der anderen Seite malte
einer mit Namen Zick, der die Kirche zu
Biberach genialen. Herr Wannenmnchec
soll tausend fl. per acconl für unsere
Kirche bekomnien haben." Der Ver-
fasser der Chronik ist unbekannt, ivar
aber 1765 schon als Student in Elchiugen
und schöpfte aus den Diarien zweier zeit-
genössischer Mönche des Klosters. Ans
diesem Chronikeintrag geht hervor, daß
Wannenmacher schon vor 1749 in der
Klosterkirche Elchingen malte und 1749
gemeinsam mit dem älteren Zick ebendort
tätig war. Was diese beiden aber hier
gemalt haben, ist durch eine Feuers-
brunst im Jahre 1773 zerstört morden.
Bei der Wiederherstellung der Klosterkirche
wurde deren Ausmalung Januarius Zick
übertragen. Wannenmacher hat nur die
Sakristei geinalt, wie ich in dieser Zeit-
schrift 1907, Nr. 12., S. 124 beschrieben
habe.

III.

Auch eine Anzahl auf Leinwand ge-
malter Bilder unseres Meisters kamen
mir seither zur Kenntnis. Vier Gemälde
befinden sich im Kardinalszimmer des
früheren Schlosses, jetzigen Klosters und
Mutterhauses zu Untermarchtal:

1. S. Franziskus von Assisi
übergibt den: Papste Innozenz III.
seine Ordensregel. Der Papst emp-
fängt auf seinem Throne aus den Händen
des knienden Heiligen das Buch mit der
Regel, mährend ein zur Seite stehender
Kardinal ein anderes Buch hält.. Im
Hintergrund ist zum Schmuck eine reiche
Architektur verwendet. Die Szene ist gut
belebt durch Volk und Soldaten, unter
denen sich auch ein kleiner Knabe mit
seinem Degen bewegt, lieber der Szene
ist der Himmel geöffnet, aus dem das
Auge Gottes herniederblickt. Das Bild
ist ohne Unterschrift.

2. Ludwig IX. von Frankreich
empfängt den Habit des Dritten
Ordens. Im Hintergrund wiederum
reiche Nokoko-ArchiteWur. Ludwig, dem
ein Diener die Krone nachträgt, während
ein Soldat das Lilienwappen hält, kniet
vor einem Franziskaner, nachdem er soeben
einen reich geschmückten Thron verlassen
hat. Aus den: offenen Himmel schwebt
der hl. Geist herab, von welchem Strahlen
ausgehen auf den knienden König. Auch
diese Szene ist reich belebt durch Geist-
liche, Chorknaben und Volk. Das Bild
ist unterzeichnet: Josephus Wannen-
macher Tomertingensis invenit et
pinxit 1750. Beide Bilder sind ofseu-
dar Gegenstücke, mehr breit als lang und
sehr farbein eich.

3. Die hl. Elisabeth im Dritt-
ordeusgewand, mit der Landgräfin-Krone
geziert, beschenkt einen dasitzenden Bettler
mit Geld.

4. Die hl. Klara von Assisi mit
Aeblissinstab in der Hand betet von einem
Flügel des Klosters aus, zu einem vor
dein Kloster stehenden Kruzifix gewendet,
um Hilfe gegen die Sarazenen, welche
die Klostermauern stürmen. Auf den
Wolken thront eine Monstranz, von der
das Kloster ivie schützend bestrahlt wird.

Diese beiden letzten Bilder sind kleiner
und in den Farben etwas nachgedunkelt.
Wahrscheinlich stammen diese Bilder aus
einem Franziskanerkloster, vielleicht aus
Gmünd. Es sind lauter Franziskaner-
heilige, die hier dargestellt werden.

IV.

Jahrgang 1907, S. 117 dieser Zeit-
schrift habe ich von einem Leinwand-
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