Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

Seite: 77
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djer die dunkelblau emaillierte itrenjee?
Inschrift in wirksame Konkurrenz, tritt.

Vdn ganz ausgezeichneter Wirkung so-
wohl für sich, als im Zusainmeuklaug mit
dem Ganzen, ist der Krenzes-Nimbus, der
ans dnrchsichligem Not mit Goldpunkten
besteht und die Aufmerksamkeit auf das
Zentrum des Kreuzes lenkt.

Der Kruzifixus selbst ist im Alt-
silbertou gehalten — der Nimbus des
Kruzifixus ist vergolvet und mit türkis-
blauer Emaille gefüllt und hebt sich wirk-
sam ab von dem ganz vergoldeten Kreuz. —

Konnten wir diese formal-künstlerischen
Qualitäten nur rühmend hervorheben, so
verdient der innere Gehalt des Stückes
nicht weniger unser »neingeschräukles Lob.
Der Adel und die Wurde des Gekreuzig-
ien, die Dezenz in Haltung und Stellung,
die versöhnende Milde und abgeklärte
Erhabenheit könnten nicht besser in diesem
Material wiedergegeben werden, als es
hier der Fall ist.

Die maßvollen Verhällnisse, die har-
monische Abstimmung der Telle unter-
einander und zum Ganzen, die trotz aller
Abwechslung erreichte wohltuende Ruhe
verdienen alles Lob. — Das Werk, für
welches der Preis von 1000 Ar. nicht zu
hoch ist, wurde zur Düsseldorf, r Aus-
stellung zugelassen. Es wird dort, wie
wir hoffen, ebenso das Entzücken der Be-
sucher Hervorrufen, wie es uns herzliche
Freude gemachl hat.

Die Altäre der Stiftskirche in
Wiesensteig.

Von Pfarrer Wunder, Mühlhausen.

(Schluß.)

II. Die Altäre aus der 2. Hälfte
des 17. Jahrhunderts.

Z!) Der Brand des Jahres 1648 hatte
die ganze Inneneinrichtung zerstört und
nur die kahlen Mauern stehen lassen.
Trotz der bedrängten Finanzlage machte
das Stift sich alsbald an den Wieder-
aufbau resp. Instandsetzung der halb-
zerstörten Stiftskirche. Schon im Jahre
1652 wird der neue Dachstnhl aufgesetzt
und am 11. Mai des Jahres 1658 konnten
ans Anlaß der Spendung des Sakraments
der Firmung von „Georgiers Sigis-

mundus Episcopus, Heliopolitanus,
Suffraganens Constantiensis“ sechs
Altäre in der Stiftskirche. kousekriert
werden') und eine Urkunde vom Jahre
1659 meldet: „Nun ist aber nunmehr
bereits durch Hilf guter patronen solche
Pfarrkirchen mit Altären dergestalten ädi-
ficiert, daß man den gewöhnlichen Gottes-
dienst wiederum zelebrieren und verrichten
kann, maßen Herr Suffraganens die ge-
machten Aktarftein wirklich kousekriert".
Der Ausdruck „Allarsteiu" besagt uns,
daß es sich wohl nur um die Altar-
men seu mit Notaufsätzen, nicht um
eigentliche Altarhochbauteu gehandelt hat,
denn hiezu fehlten die Mittel, diese wurden
erst allmählich im Verlauf der zweiten
Hälfte des 17.. Jahrhunderts erstellt. In
seiner finanziellen Not wandle sich das
Stift an „wohltätige Patr one", besonders
an die damals noch lebenden letzten Ab-
kömmlinge des' allen Helseusteiuischeu
Grasengeschlechts, drei Schwestern resp.
deren Ehemänner. Die älteste, Maria
Johanna, war vermählt mit Ferdinand
Alaria, Kurfürst von Bayern; die zweite
Jsabella Eleonora,vermählt mit dein Grafen
von Oellingen, die jüngste mit dem Grafen
von Fürstenberg. Und zwar waren die
Bitten deS Stifts nicht umsonst, wie sich
nachher zeigen wird.

Die sechs Altäre, die neu erstellt wurden,
waren 1. der Hochaltar, auch Montfortsche
Altar genannt, 2. der Bruderschafts- oder
Pfarraltar, auch der kurfürstliche genannt,
3. der erbherrschaftliche Altar, auch der
landgräfliche genannt, 4. der Josephs-
altar, 5. der Michaelsaltar, 6. der Bar-
bara-Altar. Das Stift begnügte sich mit
sechs Altären, einmal, weil diese Zahl für
den Bedarf vollständig ausreichte, dann
auch wegen der hohen Kosten und der
Geldknappheit, und wohl auch um Platz
zu gewinnen, da zwölf Altäre in einer
einschiffigen Kirche immerhin viel Platz
wegnehmen.

') Voni selbe,! Weihvischof wurden in jenen
Tagen kousekriert: in der Klosterkirche der Regel-
schwestern zu Wiesensteig drei Altäre und eine
Glocke, für die Stiftskirche zwei Glocken, für
Dozburg zwei Altäre, in der Gottesackerlirche
ein Altar, in Westerheini zwei, Hohenstadt
einer, Trakhenstein zwei, Gospach zwei, Mühl-
hausen ein Altar.
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