Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

Seite: 80
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Einwöllmiig des'Nordschiffs/ ob auch das
Südschiff damals gewölbt wurde, ist nicht
sicher. .Die Wölbung des Mittelschiffs ist
das Werk des Moritz Eufinger, cher diese
schwierige.Aufgabe 1471 beendigte; non
ihm. staminen auch die viel getadelten, in
doppelter Reihe . übereinander gestellten
Kapitelle im Hochschiff, die der Meister
jedoch als Stützen gegen, das. Ausbiegen
der Wände nach innen brauchte. Auch
die.Erhöhung der Triumphbogenwand ist
noch mit dem . Rainen Moritz Eufinger
verknüpft.

. .(Schluß folgt.)

Literatur.

D i e K u n ft A l b r c ch t D ür ers von H e i n -
rich Wölfflin. 2. vcrm. Aufl. mit 144
Abbildungen. München' (Brückinann) 1908.
— VIII u. 37.9 S. — Preis 12. Mk.
Die letzten großen Arbeiten über Dürer sind
schon vor geraumer Zeit erschienen: Thausings
1876 erstmals erschienenes Werk hatte 1.884 eine
Neuauflage erlebt. Ephrnssi publizierte sein
Buch Albrecht Dürer et 'ses dessins im Jahre
1887. Springer beabsichtigte eine große und
zusammenfassende Darstellung, wovon er aber
nur noch den ersten Teil im Jahre 1882 besorgen
konnte. Nun hat seither die-Forschung nicht ge-
ruht. Die Detailarveit hat an ven verschiedensten
Punkten ergebnisreich eingesetzt und Machte Dürers
Lebensgang und Arbeiten in vielem klarer und
deutlicher. Dazu kam dann die Publikation der
sämtlichen Handschristzeichnungen Dürers" durch
Lippinann, welche der Dürerforschun.g neue lJm-
pulse gab. So darf man es freudigst begrüßen, '
daß ein Kenner wie H. Wölfflin sich entschloß,
lins eine zusannnenfassende Darstellung der Lebens-
arbeit Dürers zu schreiben; allerdings, wie er in
liebensivürdiger Bescheidenheit bemerkt, will er
sein Buch nicht als „den Dürer" betrachtet ivissen,
sondern.nur als „auch einen Dürer". .

Trifft inan sonst seit den Tagen der Roman-
tiker allgemeiii das Streben, Dürer als den
deutschesten der deutschen Künstler darzustellen, so
geht Wölfflin andere Wege. Er sagt gerade um-
gekehrt: „Wenn irgend einer sehnsüchtig über
die Grenzen 'des Landes hinaussah, nach, einer
fremden großen Schönheit, so ist es Dürer ge-
weseii. Durch ihn. ist die große Unsicherheit in
die deutsche Kunst gekommen, der Bruch mit der
Tradition, die Orientierung nach italienischen
Mustern. Es war nicht Zufall, daß Dürer nach
Italien ging. Er ging, weil er dort fand, was
er brauchte. ' Er hat schließlich die Ausgleichung
gefunden zwischen Eigenem und Fremdem; aber
wie viel Kraft ist dabei verloren gegangen." (S.Vi)
Der Verfasser führt nun diese Gedanken durch
in der Behandlung folgender Themate: Lebens-
geschichte, Grundlagen und Anfänge, Apokalypse,
die große Passion, Marienleben, frühe Suche,

frühe Bilder- ..Italien und die großen Gemälde,
neuer graphischer Stil, kleinere Passionen, Meister-
stiche, Arbeiten für Kaiser Max, Niederländische
Reise und letzte Werke — dazu noch:' Allgenieines
zur Stilbestiinmung und das Problem der Schön-
heit. Die. Darstellung ist knapp, präzis und hebt
glücklich das Wesentliche heraus. In der Er-
klärung des Einzelnen wird man dein Verfasser
dagegen nicht in allweg zustimmen können. Was
aber besonders Anerkennung verdient und zugleich
den eigentlichen Charakter des Buches ausmacht,
das ist der Versuch, das bloß Materielle aus der
Darstellung möglichst herauszunehinen und einem
eigene» Anhang zuzuweisen. Dadurch wird die
Darstellung selbst gefälliger, zusammenhängender
und leichter. Das Werk verdient Empfehlung.
Tübingen. Ludwig Baur.

Hans Memling. Des Meisters Gemälde
in 197. Abb. Herausgegeben von Karl
Voll. Klassiker der Kunst in Gesamt-
ausgaben. . Bd'. 14. Stuttgart (Deutsche
Verlags-Anstalt) 1909. — ©ebb. 7 Mk.
Wer von de» ausgezeichneten, dem Kunst-
gelehrten geradezu unentbehrlichen „Klassikern der
Kunst" noch keinen Band besitzt, dem möchte ich
raten, sich. wenigstens den jüngst erschienenen
„Memling" beiznlegen. Er wird ihm gewiß eine
Quelle reicher Erkenntnis und nie versiegenden
Genusses werden. Wenn es. wahr ist, daß jede
Kunst uns ein Spiegelbild ihrer. Zeit bietet, so
tritt uns aus. diesen Werken des Meisters Hans
ein Zeitalter entgegen, das de>u unsrigen an
innerer, seelischer Kultur vielleicht ebenso weit
voraus war, .als wir an technischen Fortschritten
und Errungenschaften dem 15. Jahrhundert über
sind. Freilich, Memling war auch unter den
Meistern seiner Zeit der zarteste, poesievollste,
ja, dieses Element des Poetischen,. Liebenswür-
digen ist nach K.' Volts gehaltvoller .Einführung
geradezu das allerpersönlichste Moment in Mem-
lings künstlerischer Physiognomie. Darum sind
bei» Meister auch besonders die Gestalten heiliger
Frauen und Jungfrauen so unvergleichlich gut
gelungen, und dem .Ideale „Unserer lieben Frau",
ivie es dem Mittelalter vorschwebte, hat keiner
so reinen, holdseligen Ausdruck zu verleihen ge-
wußt, als Memling. So ist der vorliegende
Band den „Klassiker" nicht nur ein Buch zu hoch-
interessantem Studium für. jeden Freund zumal
der christlichen Kunst, sondern auch so recht
ein Buch, vor dessen Blättern man sinnen, und
träumen mag. Es sei aufs augelegemlichste
empfohlen.

,D il l i s h a u s e n bei Buchloö. D a in r i ch.

Annoncen.

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loürdesgrottenbau.

Bssa Bereits 51 Anlagen errichtet. Zeich-
nungen .und Kostenanschlag bereitwilligst.
Alois Hueber, Wallerstein, Bayern.

Stuttgart, Buchdru.ckcrei der SIIt.-Ges. „Xeiitfrt;e5.a>o11;;I)IuU".
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