Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

Seite: 84
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wiederhole», was Bischof Paul Wilhelm
o. Keppler, dauialiger Redakteur des
„Archivs", im Jahre 1895 über diese
Stoffe schreibt: „Was diese Stoffe über
jede» Vergleich mit beit gewöhnlich ver-
wendete», vor allem mit beit Lyoner
Fabrikaten hoch erhebt, ist die außer-
ordentliche Gediegenheit und Solidität,
welche denselben die Lebensdauer der
»tittelalterlichen Gewebe gewährleistet und
welche die höhere Preislage mehr als
ausgleicht. Auf Grund dessen können
wir den elenden Seidenfabrikaten der
Gegenwatt, deren Lebensdauer nicht ein-
mal Jahrzehnte, ja kein Jahrzehnt um-
spannt, den Krieg erklären und den Ab-
schied geben. Wir bitten inständig, daß
doch fernerhin für Festgewänder, Pluviale
und ganze Kapellen keine anderen Stoffe
mehr verwendet werden mögen als diese.
Selbst für Altargewänder diese an sich
etwas teureren Stoffe zu verwenden, ist
durchaus nicht gegen das Prinzip der
Sparsamkeit, denn dieselben halten min-
destens zehnmal so lang als die gewöhn-
lichen" '). In denselben Bahnen wirkt
die Firma Hubert GotzeS, ebenfalls
in Krefeld, Lnisenstraße 15; über die
Fabrikate dieser Firma urteilt Professor
Du. Scholz an der Königlichen Webe-
schule in Krefeld, daß sie in der Lage
seien, Jahrhunderte zu überdauern und
ferneren Geschlechtern Beweise zu geben
von der gediegenen Herstellungsweise sol-
cher Stücke in der Jetztzeit. Die Sloffe
dieser beiden letztgenannlen Firmen sind
das Solideste, was überhaupt auf diesem
Gebiete möglich ist: das beste, zuver-
lässigste Material ist dazu verwendet, dazu
kommt eine solide Webart mit kräftiger
Bindung; so ist erklärlich, daß diesen Ge-
weben eine äußerste Dauerhaftigkeit eigen
ist. Zu Paramenten verarbeitet, legen sie
sich ln weiche gute Falten und ergeben
durch die Schönheit der Muster und die
zarte Farbgebung eine feierliche, maje-
stätische Wirkung.

Solche Stoffe verwende man in erster
Linie für Sonn- und Festtagspnramente.
Und wenn die Mittel spärlich bemessen

nissö veröffentlicht: „Neue Paramentenstoffe und
Stäbe". Die Stoffe dieser Firma sind besprochen
in dieser Zeitschrift 13 (1895), S. 60.

-) 1. c.

sind, kann man auf jegliche Stickerei ver-
zichten. Die Stoffe, zumal die Samt-
brokatelle, wirken schon durch ihren matten
Glanz und ihre Musterung überaus reich
und zart und lassen bereitwillig und rest-
los alle aufgesetzten Ornamentstücke ver-
missen. (Fortsetzung folgt.)

Ueber blutende Atadouneubilder.
(Nachträge zuGageurs,,Maria vom Blute".)
Von Or. A. Clavell, Wetten.

Im „Archiv für christliche Kunst" 1905,
S. 28—30, hat Herr Dompräbendar
Gageur in Roltenburg über das merk-
würdige italienische Gnadenbild Maria
vom Blute in Re (Diözese Novara in
Piemonl) Z und dessen Nachbildungen in
Klattan in Böhmen, Dillingen in Bayern 2),
Offenburg in Baden, Ochsen Hansen,
Bergatrente und vor allem Rohr-
Halden, dem untergegangenen Pnnliner-
klofter bei Roltenburg, eine dankenswerte
kurze Studie veröffentlicht; diese sollte zu
weilerenNachforschungenüber dieses „ikono-
graphisch und legendarisch interessante
Marienbild" anregen.

Zu den bisher bekannten drei schwä-
bischen Bildetn, auf denen Blutstropfen
von der Stirne der Muttergottes aus
das in ihrem Schoße sitzende Kind herab-
rinnen und die bekannte Inschrift zu
lesen ist:

„In gremio matris
sedet sapienlia patris“,
hat sich seitvem aus Schwaben ein weiteres
gefunden, ein altes, bemaltes, aber viel

kleineresKupferplättchenhWallfahrtsbild?),
gestochen von dem Augsburger Kupferstecher
Störklin aus dem 18. Jahrhundert, im
Besitz von Herrn Amtsrichter Dr. Beck
in R a v e n s b u r g3). Mir fitiD zwei
weitere Darstellungen auf Oelgemäldeir
kürzlich bekannt geworden, das eine be-
findet sich im Pfarrhanse in Umm en-
do rf, das andere im Besitz von Herrn
Maler Olt in E h i n g e n a. D. Besonderes
Interesse verdient wohl die Ummenvorfer

Vgl. dciS Wallfahrtsbüchlein II santuario
di Re in Val. Vigezzo, Parma 1898 (Wunder
vom Satire 1494).

2) Vgl. Das Gnadenbitd... in Dillingen.
Auer, Donauwörth 1898.

&) S. „Diözesauarchiv von Schwaben", 23
(1908), S. 96.
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