Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

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deutend stört. Auch Fäh macht a. a. O.,
S. 20, darauf aufmerksam. Wo kein
Restaurator den Charakter seiner Bilder
verdorben hat, kommt auch sein Talent
m der Komposition zu entschiedener und
sehr ansprechender Geltung. Um von
historischen Bildern zu reden, sei nur auf-
merksam gemacht ans das große Fresko in
der Dominikanerkirche zu Rottweil: Erstür-
mung Rottweils durch MarschallGnebriant.

Doch ist immerhin zuzngeben, daß das
Kompositionstaleut Wannenmachers sich
freier und reicher in religiösen Stoffen
zeigt, als im historischen Vorwurf. Wir
haben des öfteru im bisherigen darauf
hingewiesen, wie Waunenmacher diesen
und jenen Stoff, z. B. „Mariä Ver-
kündigung", an mehreren Orten zu wieder-
holen veranlaßt war, und wie er denselben
Stoff immer wieder in eigenartiger Weise
aufzufassen und darzustellen bestrebt ist.
Diese Erfahrung kann man schon bei seinen
Handzeichnnngen im Stuttgarter Knpfer-
slichkabinett machen; besonders interessant
aber sind in dieser Hinsicht die Werke
Wannenmachers in der Franziskanerkirche
zu Gmünd (die Verherrlichung der Musik
und des hl. Franziskus) und in der
St. Leonhardskapelle ebenda.

Besonders zu bewundern an Wannen-
macher ist jeineliefeKenntni sder Sym-
bolik, wie wir das besonders in Ave Maria
bei Deggingen und in der Dominikanerkirche
zu Roll weil sehen. Wir haben wahrhaftig
manchmal Blühe, dieser Symbolik, die
jedoch früheren Zeiten geläufig war, »ach-
zngehen und sie zu deuten. Dabei sind
die Symbole, die Wannenmacher anwendet,
keineswegs gezwungen oder weit hergeholt,
wie manche Arbeiten anderer Maler des
18. Jahrhunderts in dieser Hinsicht, z. B.
diejenigen Anwänders in der Gmünder
Augustiner kirche.

Rach diesen Erwägungen müssen wir
Wannenmacher entschieden ein glückliches
Kompositionstalent und eine frische und
reiche Konzeptionsgabe vindizieren. Wir
glauben, dieselbe würde noch viel reicher
hervortreten, wenn sein großes Werk in
der Kathedrale zu St. Gallen nicht ver-
schwunden wäre, wo im großen Raum der
Phantasie und Gestaltungsgabe Wannen-
machers ein weites Feld geboten war.

(Fortsetzung folgt.)

Die Altäre der Stiftskirche in
Wiesensteig.

Von Pfarrer Wunder, Mühlhalisen.

(Schluß.)

3. D e r E r b h e r r s ch a s l l i ch e A l t a r.
Unterm 23. Januar 1658 verwilligt Maria
Johanna, verwittibte Pfalzgräfin zu Rhein,
Herzogin in Bayern, geborene Gräfin zu
Helfensteiii, 60 Gulden zu dem gräflich
Helfensteinischen Begräbnisaltar (Epita-
phium). Diese 60 Gulden wurden ab-
geliefert von Batschweiler (?) den 7. August
1674 (wenn es sich hier nicht, was
wohl wahrscheinlicher ist, um eine zweite
Gabe handelt). 2. März 1668 verwilligt
Jsabella Eleonora zu Maingen, Wittib,
60 Gulden für das Epitaphium.

Frobin Ferdinand, Graf zu Füistenberg,
verpflichtet sich, zur Fassung deS Altars
den zweiten Teil zu leisten am 24. No-
vember 1687. Im Jahre 1709 stellt
Franz von Fttrstenberg einen Beitrag zur
Fassung des Altars in Aussicht und ent-
schuldigt sich mit der „gegenwärtigen Geld-
klemme". Stiftsdekan Joh. Snlor äußert
sich über den Altar, „daß er gewiß sowohl
der Kunst als magnifice halber dem
churfürstlichen weit überlegen ist". Der
Altar stammt von einem Bildhauer in
Dillingen (Name unbekannt). Maler
A n t o n i u s W e b e r v o n K a u f b e u r e n
verlangt 500 Gulden! für Fassung des
Dreikönigsaltars. Der Aufriß dieses Altars
ist ebenfalls noch vorhanden. Kopie im
Besitze des Verfassers. Er zeigt doppelte
Ausführung. Die linke Seite zeigt noch
gerade kannelierte Säulen, die rechte ge-
wundene. Der Bildhauer bemerkt: „Diese
(die rechte) Seite ist beliebter als die
andere an den Säulen und Postamenten."
Man sieht hier die Veränderung des
Geschmacks. Im übrigen zeigt dieser
Altar die ganz gleiche Anlage wie der
vorige, nur neigt das Ornament schon
entschiedener zum Barock hin. An der
Retable unmittelbar über der Mensa waren
die Wappen der Stifter und Stifterinnen
angebracht. Das Mittelbild zeigt die An-
betung der hl. 3 Könige, rechts und links
davon St. Petrus und Paulus auf Kon-
solen. Auf den geschweiften Giebeln stehen
die Apostelfiguren Johannes und Jakobus.
In der Aedikula St. Georg, auf derselben
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