Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

Seite: 102
DOI Heft: 10.11588/diglit.15942.73
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15942.74
DOI Seite: 10.11588/diglit.15942#0117
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1909/0117
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
102

selbe», so finden mir den besten Auf-
schluß hierüber in einer Abhandlung,
welche sich durch mehrere Nummern des
.„Eichstälter Pastoralblatts" aus dem Jahre
1861 hindurchzieht *). Diese Abhandlung
hier genau zu verfolge», ist »icht statthaft,
wir müsse» uns damit begnügen, daß wir
einige Ergebnisse derselben herausstelle».

Die drei Heiligen (1496 noch keine
Dreizahl) sind nicht kanonisiert, sondern
zählen zu den sogenannten Volksheiligen.
Ihr Nauie: „Elende Heilige" erweist sie
als Freindlinge (Elende Kinder Evas)
und besagt daneben, daß sie bei Lebzeiten
und nach ihrem Tode für die Elenden
viel getan haben (Elendenstiftungen; nach
Klaus — Württ. Vierteljahrshefte 1902
S. 281 — wurde 1524 auch für Lautern
eine solche Stiftung gemacht). Näherhiu
haben wir in den drei elenden Heiligen
Schottenmönche zu verehren, welche dem
12. Jahrhundert angehören und vielleicht
vom 'Spessart ans über Eichstätt nach
Oetting gekommen sind. Auf britische
Mönche weisen auch die Sagen hin, welche
sich über das Leben und Wirken der
Heiligen erhalten haben. Die Grüfte zu
Oetttng bestätigen das Vorhandensein
einer berühmten Wallfahrt im Mittel-
alter, welche namentlich in den Pestjahren
(Osterbrunneu ein Pestbrunnen) zu be-
sonderer Blüte sich entwickelte. Wunder-
bare Heilungen wurden im Jahre 1628
elf bezeugt.

Hier brechen wir ab, um der Frage
näher zu treten, wie die Verehrung der
drei Elenden nach Rechtenstein und Hür-
bel gekommen sei. Pergament- oder
Papierurkunoen enthiillen uns das Rät-
sel nicht, dagegen dürste das Freybergsche
(Freibergsche) Wappen, welches von dem
Altar in Rechtenstein heruntergrüßt, in
einem geivissen Sinne zum sprechenden
Wappen werden. Dasselbe verkündet,
daß die Freyberg Verehrer der drei
Heiligen und Förderer der Andacht zu
ihnen gewesen sein müssen. Denn, wenn
sie das nicht gewesen wären, hätten sie
sicher ihr Wappen nicht an dem Altar
anbringen lassen.

Beachtenswert ist auch die Notiz im

Pfarrer Wahl in Burgoberbach übermittelte
mir das „Pastoraiblatl".

„Eichstätter Pastoralblalt", daß im Jahre
1743 der Malteserritter von Freyberg
ein silbernes Votiv von Malta aus nach
Oetting geschickt habe.

Nun, dieselben Freyberg, lvelche seit
1788/1791 dreiviertel des Rittergutes
Rechtenstein inne hatten, besaßen seit Jahr-
hunderten (?) das Rittergut Hürbel, und
so bekommen wir ein Recht auzunehmen,
daß die Andacht zit den drei elenden
Heiligen wohl von Hürbel aus nach
Rechtenstein werde verpflanzt worden sein
— etwa um die Mitte des 18. Jahr-
hunderts. Jedenfalls hatten die drei
Elenden in Hürbel schon im Jahre 1751
eine hervorragende Stätte der Verehrung.
Es dürfte das hervorgehen aus dem Um-
stande, daß ans dem Titelbild des im
Jahre 1751 in Ottobeuren gedruckten
Wallfahrtsbüchleins „Glückseliges Elend"
Archus, Herennens und Qnardanus als
Patront in Hürbel bezeichnet werden.
Allein, geht die Verehrung der drei
Heiligen in Hürbel nicht noch viel weiter
zurück? Wenn, wie daS Pfarramt Hür-
bel berichtet, die drei alten Figuren der
Elenden dem 15. Jahrhundert angehören,
dann ist die Frage zu bejahen, und die
Vermutung, daß die Verehrung erst seit
etwa 1627 aufgekommen sei, abzuweisen.
Wer hat aber im 15. Jahrhundert die
elenden Heiligen in Hürbel bekannt ge-
macht? Und wie verhält es sich mit
dem Kirchenpatron? Im „Katholik",
Jahrgang 1881, wird von der Verehrung
des Mainzer Priesters und Märtyrers
St. Alban gesprochen und hervorgehoben,
wie derselbe merkwürdigerweise auch an
mit Mainz kaum in besonderer Berührung
gestandenen Orten als Kirchenpatron ver-
ehrt wird, namentlich im Bistum Augs-
burg; auch das Bistum Eichstätt wird
erwähnt mit seinem St. Alban zu Döll-
wang (Reliquien vou Mainz aus). Nun
gibt es aber noch einen andern St. Alban,
dieser iit der erste Märtyrer Englands,
und anffallenderweise wird berichtet, daß
vor vielen Jahrhunderten beim Oster-
brunuen in Oetting eine Albanuskapelle
bestanden habe. Welcher Alban war ur-
sprünglich Patron in Hürbel? Seit wann
ist sein Patronat urkundlich nachweisbar?
Steht es im Zusammenhang mit den drei
elenden Heiligen?
loading ...