Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

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(innen, liefere religiöse Wirkungen int Be-
schauer auszulösen.

Und vollends die brutalen, exzessiv
rohen Bilder des Falls unter dem Kreuze,
der Kreuzigung und Kreuzabnahme (Pietck),
welche Lo wi s Coriuth atlsgestellt hatte,
hergestellt mit der technischen Virtuosität
eines erstklassigen Künstlers und mit der
brutalen Phantasie eines Schlächters!
Das ist nicht nur keine christliche Kunst
mehr. Das ist empörende Roheit, be-
gangen am Zartesten, woran eines Christen
Herz in Liebe hängt.

Auf anderen Pfaden wandelt Fugei:

Diese Vorzüge haben es als berechtigt
erscheinen lassen, daß der Kunstverlag von
Max Hirmer in München sich ent-
schloß, diese Krenzwegstationen in überaus
sorgfältig, unler direkter Leitung des
Künstlers hergestellten farbenprächtigen
Aqnarellgravüren einem größeren Kreis
zugänglich zu machen.

Uns liegen bis jetzt vor die Abbildnngen
der 2, 4, 8, 10, 12, 13 und 14
Station. Unter biefeit ist zweifellos die
zweite eine der sarbensattesten und in der
Wirkung prachtvoll! Jesus ist — wie von
heiliger Begeisterung ergriffen — in die

Fuget: Jesus begegnet

Er hat in seinem Kreuzweg nicht verkannt,
daß bei Darstellung religiöser Stoffe,
speziell des göttlichen Heilandes, nicht ein
„Bloßnatürliches", ein „Bloßmenschliches"
anzustreben sei, sondern daß der natürliche
Vorgang verklärt werden und in der Lei-
tung eines übernatürlichen Prinzips er-
scheinen müsse, daß das Verhältnis des
Künstlers zunt darzustellenden Gegenstand
den warmen Pnlsschlag persönlichen, auf-
richtigen, nngehencheltert religiösen Lebens
fühlen lassen muß, daß Gestalt liitb Form
nicht int Kleinlich-Alltäglichen sich verliere,
daß Aktiort und Gebärde groß mtb aus-
drucksvoll sei.

b e it weinenden Frauen.

[ Knie gesunken und breitet seine heiligen
Amte wie rrt sehnsüchtigem Verlangen
dem Kreuz entgegen: die Verkörperung
des amor crucis! Fugels Christus-
t p p u s ntag vielleicht individuell ver-
schieden beurteilt werden. Wir selbst
möchten ihm nicht ganz unbedingt das Wort
reden: was ihn dann und wann etwas
weniger gelungen erscheinen läßt, das ist
eilt starrer, geisterhaft ekstatischer Blick,
der ans einzelnen Szenert — auch beim
| Abendmahl — zu gewähren ist. Jit
soleheu Fällen — sie bilden übrigens
die Ausuahnte — ist es nicht gelungen,
das Idealbild des Gottmeuscheu zit ge-
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