Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

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8 —

AU erweisen und ihn daun ins Grab zu
legen; die letzten Strahlen der nieder-
gehenden Sonne verklären die Szene und
breiten sich wie goldne Schleier darüber.
Nur stille Gebete nnb stumme Trauer
wie ein versöhnlicher Abklang all der leiden-
schaftlichen Erregung, die voransgegangen
war! — eine wahrhaft tief empfundene
künstlerische Elegie!

Dies sind die Stationen, die uns von
dem Werke vorliegen. Die Neprodnklionen
fiitb mit peinlichster Sorgfalt ansgesühit
(unter unmittelbarer Leitung ltitb Kontrolle
des Künstlers). Für die kommende Fasten-
zeit kann die Anschaffung des Werkes in
Klöstern, Instituten, Spitälern,
kleineren Kapellen n. dgl. sehr nach-
drücklich mit bestem Gewissen empfohlen
werden. Der Preis ist angesichts der Größe
und Gediegenheit des Werkes nicht zu hoch.
Es ist beut Verlag, der es sich gewiß keine
kleinen Opfer kosten ließ, um dieses groß-
artige Werk in christliche Häuser zu bringen,
zu wünschen, daß seine Intention arich dein
nötigen Verständnis begegnen und eine
genügende Anzahl von Abnehmern finden
möge.

lieber blutende Madonnenbilder-.

(Nachträge zuGageurs„Maria vom Blute".)

Von Dr. A. Clavell, Wetten.

V. Das Schrezheime r F a p e n c e-
a l 1 ä r ch e n n u b s e i n M n d o n n e n-
b i l d.

(Fortsetzung.)

Die erste, ganz summarische ge-
schichtliche Aufzeichnung über jene kurze
Episode schwäbischer Keramik verdankt
Schrezheim K. S ch a rt f f e l e, der in
seinem Beitrag „Zur Geschichte der
Töpferei in Franken, mit besonderer
Nücksicht auf die in der Haller Samm-
lnng anfbewahiteir Gegenstände" einen
„Anhang über Schrezheim" bringt ff. Wie
wenig selbst Schauffele einem der groß-
artigsten Erzeugnisse einheimischer Fayence-
knnst Beachtung geschenkt hat, geht ans
seiner Bemerkung irr der angeführten
Abhandlung hervor: „In einer Kapelle
bei Schrezheim soll sich noch ein Altar
von Fayence aus der Fabrik befinden" ff.

0 Württ. Vierteljahrshefte 1881, S. 156—157.
ff Württ. Vierteljahrshefte 1881, S. 156;

Auch die neueste Oberamtsbeschreibnng
von Ellwangen wollte oder ivnßte nur
mit wenigen Strichen das seltene Kunst-
werk zu zeichnen: „Der linke Seitenaltar
trägt ein Fayencealtärchen, Schrezheimer
Arbeit, mit vielen Engeln im höchsten
Rokoko" ff.

Ans der Mensa des linken, von einem
Oelbild: St. Joseph und der Jesnsknabe
mit Engeln, überragten Seitenaltars er-
hebt sich unser Schrezheimer Altaranfsatz.
Die ganze Breite des vorne geschweiften
Untergesimses mißt in der Vorderkante
ca. 155 cm. Den etwas lädierten End-
abschluß der bemalten Basis bildet zu
beiden Seiten Nankenwerk, dessen zierliche
Spitze je ein Engel mit Ornamenten in
der Hand krönt. Diese beiden ca. 30 cm
hohen lebensvollen Figürchen, ganz un-
bekleidet, Irrigen nach einigen erhaltenen
Fragmenten Vasen oder eher Leuchter in
der Hand. Je eine Vlnmenvase steht da-
neben ganz frei; artch zwei grüne Obelis-
kert beleben die Front an zwei Kanten.
Von diesen beiden reich ornamentier-
ten, pyramidal anfgebartten Eckgrnppen
lausen von links und rechts gegen den
Tabernakel zu erst horizontal, dann vertikal
gebaute Lenchterarme, deren rechter zur
Hälfte abgeschlagen ist. Die Mitte der
Basis umschließt den Tabernakel, dessen
Türe nach außen gewölbt, die Abend-
mahlsszene unter einem Baldachin dar-
stellt, mit reichem Ornament, darunter
drei Engelsköpfchen in den drei Eckspitzen
des Muschelkamms, eingefaßt. Das Tür-
chen mißt 22 cm in der Breite, 29 cm
in der Höhe. Die glatten Flächen der
gegliederten Vorderseite des Sockels wie
das rneist ebenso weißlich glasierte Nanken-
werk schmückt zierliche Blumenmalerei, teils
stilisiert, teils naturgetreu in abwechslungs-
reicher Polychromierung von Kobaltblau
bis Purpurrot. Die Spitze des Taber-
nakelanfsatzes ist etwa 52 cm über der
Altarmensa. Das Innere des in rohein
Zustand gelassenen, verschließbaren Tnher-
nakels, dessen Tiefe ungefähr 35 cm be-
trägt, barg bei meiner Besichtigung aller-
lei Votivgegenstände ans Wachs, Opfer-
fatsch ist auch Schauffeles Mitteilung von einer
Berufung des Vaters des Galeriedirektors Wiuter-
gerst nach Schrezheim ums Jahr 1770.

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