Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

Seite: 20
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Bux, der 1754 und 1755 Guaidiau im
Neukircheuer -Ordenshnus war und die
drei Altäre seiner Klosterkirche 1755
durch , einen Künstler im nahen Kötzting
anfertigen ließ, sieht Knrtz wohl mit Recht
den Uebermittler der Neukircheuer Ma-
donna an die Buxsche Frenndschaftskapelle
tnid vermutet in dem Kötztinger Meister
den Urheber des Modells für den Schrez-
heimer Fayencealtar H. Fehlt auch ein ur-
kundlicher Nachweis über diese Herkunft der
Schrezheimer Schwertmadonna — a parte
potioriüon „Nokomadonna" zu reden, geht
natürlich auch chronologisch nicht an —, so
mögen die letzlen Zweifel eine knnstgefchicht-
liche Vergleichung beider Werke und wohl
nicht vergebliche Nachforschungen in den
Familienregistern zu SchrezheinU) besei-
tigen und die wohlbegründete Knrtzsche
Hypothese aus jener ordensgeschichtlichen
Notiz zur Evidenz erheben.

UUtteilung.

DasheiligeAbendmahlnachLionardo
da Vinci in farbigein Steindruck herausgegeben
vom Christlichen Kunstblatt durch 1)r. David
Koch. Große Ausgabe 41: 79 cm zu M. 3.—,
kleine Ausgabe 26:36 cm zu M. —.50.

In der religiösen Volkskunst hat sich als be-
herrschender Liebling in allen Ländern Lionardos
unsterbliches Abendmahl erwiesen. Aber neben
den farblosen Reproduktionen suchte man immer
schon nach einer Darstellung der Farbenpracht
des Fresko-Originals. Die Wiederherstellung des
Fresko-Originals im Coenacolo der S. Maria belle
Grazie zu Mailand war nun diesem Plane günstig.
Ein Gebhardt-Schüler hat zur Zeit der Restau-
ration im Coeiiacolo selbst diese neue Studie
in Farben ausgearbeitet, umgeben vom alten
Original, von einzelnen großen Kopieii, die her-
beigeschafft waren, unb von dem ganzen übrigen
wissenschaftlichen Material, das I)r. Otto Hoerth
ni seiner großen Monographie über das Abend-
mahl des Lionardo heranzieht.

Zur Reproduktion wurde die neueste Technik

') Ebenda S. 126.

2) Die Kapelle des kleinen Dorfs, „Buxsche
Frenndschaftskapelle", bietet in ihren zahlreichen
Grabsteinen und Inschriften eine monumentale
Familiengeschichte der dort bestatteten „Fabrique
Inhaber". Die Familie des Gründers der Kapelle
unv Porzellansabrik, Bur, ist jetzt ausgestorben.

Die oben 1909 S. 115 A. 2 angekündigte
Arbeit Pazaureks ist unterdessen erschienen, separat
aus den Mitteilungen des Württ. Kunstgewerbe-
vereins 1909 S. 158 sf.: „Schrezheimer Fayence"
Stuttgart 1909, 33 S., über das „Fayencetaber-
nakel" S. 20—22, leider ohne den erhofften ur-
kundlichen Ausschluß.

Stuttgart, Buchdruckerei der A

der Lithographie gewählt, die den satten, flächigen
Ton des Fresko gut wiedergibt.

Die Auschasfung des Bildes empfiehlt sich be-
sonders zu Geschenkzwecken.

Literatur.

Alessnndro Botticelli, eine Künstler-
novelle von M. Herbert. Zweite Auf-
lage. Mit 15 Bildern. Kölil. (Bachem.)
1909. 3 M., geb. 5 M.

In dem Werke, das hier in zweiter Auflage
'vorliegt, hat die bekannte Aovellistin ein feines
Zeit- und Charaktergemälde entworfen und mit
sicherem Griffel die einzelnen auftretenden Per-
sönlichkeiten scharf gezeichnet. Lebenswahr und
farbeusatt treten eine Reihe von Gestalten uns
entgegen, die dem Florenz des 15. Jahrhunderts
den Stempel ihres Geistes ausgeprägt haben:
Cosimo dei Medici, sein Sohn Piero, seine Enkel
Lorenzo il Magnisico und der früh gewaltsamem
Tod erliegende Giuliano, ferner der im Alter sich
selbst vereinsamende, dennoch hochgeehrte Dona-
tello, der geniale und leichtfertige Fra Filippo,
zuletzt der ernste und strenge Savonarola, sie
alle müssen eine Rolle im Leben Botticellis spie-
len. Im Mittelpunkt der ganzen Novelle jedoch
steht die zarte Gestalt der Simonetta Vespucci,
zu der die beiden Freunde Giuliano dei Medici
und Sandro sich gleichmäßig in einer stillen und
sanften, entsagenden und fernstehenden Liebe hin-
gezogen fühlen. Das Bild der Mutter des Künst-
lers, der frühe Tod der Simonetta, der tödliche
Ueberfall Giulianos und das Auftreten Savona-
rolas bezeichnen die Gründe für die Entwicklung
des Künstlers von heiterer lebensfreudiger Auf-
fassung zu dem Ernst und zu der Schwermut,
die uns aus seinen wundervollen Bildern ent-
gegentritt. Die Vorbenierkung der Verfasserin
bezeichnet das Werk als einen Versuch, das Leben
Botticellis aus feinen Werken zu erklären, und
dieser Versuch scheint mir in sehr ansprechender
Weise gelungen zu sein. Die Ausstattung des
Buches ist ganz vorzüglich. Die 15 Bilder sind
ganzseilige Blätter auf feinstem Papier. Wir
finden dabei das Bildnis einer Frau (Simonetta?),
die Madonna des Magnifikat, Madonna mit den
singenden Engeln, die Fortezza, Mars und Venus,
Primavera, die Proträts des Giovanni und
Giuliano bei Meoici, Anbetung der drei Könige
und Himmelfahrt Mariens in sehr guter Aus-
führung. Die Einfügung dieser Bilder in die
Erzählung müssen wir als einen sehr glücklichen
nachahmenswerten Gedanken bezeichnen. Noch
schöner wäre die Beifügung eines farbigen Bildes
gewesen, wie wir 8 Bilder in modernem Farben-
druck in einer kleinen Abhandlung in den HaHer-
pieces in colour (by L. Hare, London) über
Botticelli by Henry Bryan Binns 1908 finden,
auf welches englische Werk wir zum Schluffe
noch aufmerksam machen wollen.

Gmünd. Wese^r.

H i e z u als K u n st b e i l a g e:

Eine farbige Tafel zur Paramentik-
frage._

— Ges. „Deutsches Volksblntt".
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