Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

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Linien und einem einzigen Stempel (Kreuz,
Stern, Herz, Quadrat, Blattern, Blüten,
Rosetten ic.) schon eine sehr reiche Wirkung
erzielen, wie die obengenannten Schulen
in einer Reihe von Fällen an praktischen
Beispielen bewiesen haben. Kommt dann
noch die Schrift hinzu und bei derselben
Abwechslung mit Gold- und Blinddruck,
oder gar die Ausstattung rnit metallenen
Ecken und Schließen, mit Perlen und
Halbedelsteinen, oder selbst mit getriebenem
Silber, so ist die Wirkung eine sehr

die Gepflogenheiten früherer Zeiten. Es
geht über die Interessensphäre der Leser
des „Archivs" hinaus, die verschiedenen
Herstellungsarten und ihre Resultate ge-
rianer zrr schildern. Wie eifrig aber ans
diesern Gebiete gearbeitet wird, mag der
Umstand beweisen, daß auf dem badischen
Bnchbinderverbnndstag zu Freiburg im
vorigen Jahre über 200 Bogen Kleister-
papiere in den verschiedensten Aussüh-
rnngen uitb im ganzen ca. 700 Bogen
Handpapier ansgestellt waren.

M i 1 | a I e.

intensive.

Die Stempel for-
dern freilich wieder das
Zusammenwirken ver-
schiedener Faktoren.

Doch suchen die Schu-
len auch hier ihre Zög-
linge selbständig zu
machen und selber zum
Stempelschneiden an-
zuleiten, so z. B. die
neue Züricher Kunst-
gewerbeschule Z, und so
wird es bann schließ-
lich auch möglich, schon
dein Einband in Kolo-
rit und Ornament et-
was von der Stim-
mung des Buches ein-
znhanchen, das densel-
beil füllt, und in ein-
zeliien Fälleil ist dies
tatsächlich bereits er-
reicht wordeil.

Mit der glücklichen
Gestaltung der Außen-
seite des Buchdeckels
hat jedoch der Buch-
binder ilvch nicht alles
getan. Es inacht einen
peinlicheil Eindruck, weiln das Aeußere
gefällig ist, aber gleich die erste Seite,
das Vorsatzpapier, gewöhnliches oder
gar geschmacklos polychromiertes Papier
ist. Konsequenterweise uiußte deshalb
eine Reorganisation der Buchbinderei
allch dein Vorsatzpapier ihre Aufmerk-
samkeit schenkeil. Es ist beim auch ge-
schehen, und wiederuin int Anschluß an

') Vgl. hiezu die Zeilschrist „Die Kunst";
angewandte Kunst XYI S. 505 ff. München,
Bruckmann J907, und die folgenden Bände.

i Daß endlich der Schnitt des Buches
> doch iioch etwas anderes zuläßt als Mar-
! inoriernng, Rotfärbung oder Vergoldung,
! das habeil bei verschiedenen Ausstellungen
i die Stücke ans früheren Jahrhunderten
! gelehrt, und auch hierin ist die Neuzeit
! eine gelehrige Schülerin geworden ltitb
| kann sich neben ihrer Lehreriii getrost seheil
lassen.

Von jeher war die Kirche die eifrige
Förderin ltnb zahlungskräftigste Käuferin
' fürs Kunsthandwerk, llnd es hat eine Zeit
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