Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

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auf große Sintert und breite flächige Auftrag-
weise gelegt worden, wie namentlich die groß-
zügige Gewandbehandluug erkennen läßt. Die
Farben sind eigenartig gewühlt: eilt tiefblauer
Grund, die übrigen Farben matt getönt mit
einem bläulich dunstigen Ton. — Der religiöse
Gehalt freilich ist nicht kräftig genug heraus-
gearbeitet. In dieser Hinsicht erreichen diese Sta-
iioneit u. E. die Fugelschen nicht.

(Fortsetzung folgt.)

"Kleine Mitteilungen.

D i e Glocken von Berg (bei Friedrichs-
hafen).

Von Pfarrer ©eifrig in Berg.

Int Lause des Monats Juli 1908 erhielt die
hiesige Pfarrgemeinde ein neues, aus vier Glockeit
bestehendes Geläute mit den Töiten e, g, a, h.
Die drei seitherigen Glocken, von denen zwei
ziemlich alt waren, wurden non der Firma Grü-
ninger in Villingen, den Verfertigern des neueit
prächtigen Geläutes, mit an Zahltmgs Statt an-
genommen.

Diese zwei älteren Glockeit besaßen sehr nette
Bilder und Inschriften Dieselben bürften gewiß
wohl auch manche Leser des „Kunstarchivs" inter-
essieren.

Die größere Glocke zeigte auf der einen Seite
das Bild des gekreuzigten Heilandes, Maria und
Johannes unter dem Kreuze stehend, auf der
andern Seite das Bild der Muttergottes, die
Krone auf dem Haupte, auf dem einen Arm das
göttliche Kind, itt der andern Hand ein Zepter
haltend; beide Bilder von sehr guter Ausführung.

Auf der dritten Seite der Glocke staitd fol-
gende Aufschrift:

»Inscriptio —• mea — prima — haec —
erat1;. St. Cyrillus — episcopus — in —Ale-
xandria — positus — hic — fugat — sagittas —
tonitrui — ab — interitu — generis — humani.

— at — anno — Domini —1647 — igne — sue-
cico — defluxi— et — pery — sed— ann—1651

— ad — honor — Dei — B. Mariae — v — et —
st. Nicolai — pro — ecclesia — Bergensi —
rursum — en (ex!) — pulvere — resusitata —
in — hanc — molem — resurrexi — et — ma-
jori — clangore — contra — hostes — Dei —
et — hominum — episcopali — manu — uncta

— cano.«

Aus dieser Aufschrift läßt sich unschwer er-
kennen, daß diese Glocke als sogenamtte „Wetter-
glocke" geweiht war. Nun wäre es aber inter-
effaitt, zu erfahren, ob uitd wann und wo der
hl. Cyrill voit Alexandrien, der auch sonst öfter
auf Glockeninschriften vorkommt, in besonderer
Weise als Patron gegen Gewitter angerufen und
verehrt wurde. Vielleicht ließe sich hieraus eilt
Schluß ziehen auf die ungefähre Zeit und den
Ort, wann und wo diese Glocke vor ihrer Zer-
störung durch das »igne suecico« gegossen wor-
den war.

ft Dieser Ausdruck zeigt zugleich, daß die
Glocke aus eiiter früheren umgegofsen worden
war. l

Unten um den Kranz herum trug die Glocke
die tveitere Umschrift:

8t. Dens — st. Fortis — st. fmmortalis —
misere — nobis.

Vincit — Christus — regnat — Christus —
imperat — nubibus — ut — disso.lvantur
■— absque — ullius — hominis — et — ad
eos — pertinentibus — laesione.

Auch diese Umschrift bestätigt beit Charakter
dieser Glocke als sogenannter Wetterglocke, und
in der Tat erzählten alte Leute der Gemeinde
Berg, wie sie voit ihren Eltern und Großeltern
noch gehört haben, daß irt alten Zeiten mit dieser
Glocke währeitd der Gewitter geläutet worden
sei. — Nicht gut verständlich sind in der Um-
schrift die Worte: »et ad eos pertine nt i-
bus«. Sind dieselben auf »nubibus« oder auf
»ullius hominis« zu beziehen?

Ein Fehler des Gießers muß tvohl itt jedem
Falle aitgenommeit werden! —

Die ziveite Glocke trug neben vier prächtigen
Bildern der allerheiligsten Dreifaltigkeit, der
Mttttergottes im Strahlenkränze, der Heiligett
Nikolaus und Sebastiait und des hl. Nochus,
dem ein ait seiner Seite kniender Engel sein
krankes Beiit berührt, folgeitde Aufschriften:

»Ann — Dom. — 1720 — me — lieri — cu-
ravit — Primario — Reverend — Pronobilis —
ac — gratiosus —D — D — Carolus — Antonius

— Pfyffer — De— E. T. C. (?) — et — Attis-
hofen — e — Deo — Cathetralis — Constan-
ciensis — sumrnus — custos — capituli — ca-
nonicus — senior — et —jubilaeus. Inter —
benefactores — numeratur — Franciscus —
Anselmus — Cagg — vicarius — Mont -
Diringensi — capituli — secrutar.«

Auf der dieser Umschtiit — in welcher die
Buchstaben „D e E — T — C.< wieder nicht
recht verständlich find — entgegengesetzten Seite
steht der Vermerk: Peter Ernst in Eindau

goß mich."

Unten am Kranz endlich befanden sich die
Worte:

»Omnia — ad — majorem — Dei - Dei —
pardisquae — Virginis — Mariae — sine

— labe — conceptae — s. s. — Nicolai — Se-
bastiani — et — Rochi — omnibusquae
sanctorum — gloriam.«

In dieser Umschrift ist bas Wort: pardis-

quae« auffallend! Dasselbe ist wohl eine fehler-
hafte Abkürzung von »parilisque«?') Die Um-
schrift selbst darf gewiß als ein schöner Beweis
für den schon damals (1720) im oberschwäbischen
Volke verbreiteten und gepflegten Glauben an
die unbefleckte Empfängnis Mariens betrachtet
werdeit. Das Bild des hl. Rochus auf der Glocke
und sein Name in der Inschrift zeugen ferner
dafür, daß der Heilige, der soitst in Berg selbst
keine besondere Verehrung genoß (wie dies beim
hl. Nikolaus, dem Kirchenpatron, uitd bet St. Se-
bastian, dem Patron der Sebastiansbruderschaft
der Fall war), in jener Zeit in der Diözese Kon-
stanz als Patron gegen ansteckende Krankheiten

ft Es dürfte sich kaum um die Lesart pari-
lisque handeln, fonberit um »Deiparaeque«.

(R e d.)
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