Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

Seite: 33
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£}crausaeacben und redigiert von Universitäts-Professor I)r. L. Lonr in Tübingen.
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Koinmispons-Verlag und Druck der Uktien-cZesellftbast „Deutsches Volksblatt" in Stuttgart.

Or. 4-

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£>atts Christoph von Hornstein
und sein Denkmal in Grüningen.
Beitrag zu „Württembergs Epitaphien".

Bon I)r. A. Naegele, Niedlingen

Kunst und Geschichte in edlem Verein,
wie sie das alte Nottenburger Organ
und das ältere Freiburger Diözesanarchiv
wetteifernd einst gepflegt haben, repräsen-
tieren die alten Grabdenkmäler unserer
Kirchen, steinerne Zeugen des Glaubens
und des Kunstsinns vergangener Ge-
schlechter. Nicht unbeträchtlich ist die
Zahl der im ganzen Land zerstreuten
Epitaphien, deren künstlerische und
historische Bedeutung noch nicht genügend
erkannt und gewertet zu sein scheint,
wenn selbst größere Jnventarwerke auch
ail beachtenswerteren Denkmälern der
Grabskulptur achtungslos vorbeigegangen
Uiid. „Die in so großer Zahl in allen
Ländern erhaltenen Epitaphien aus den
früheren Jahrhunderten bilden gleichsam
bie steinernen Blätter und Tafeln eines
hroßen monumentalen Buches, in welchem
sowohl der Historiker als der Kunstforscher
als der Kulturhistoriker zu lesen hat und
welches über die verschiedensten Fragen,
als herab aus Tracht und Kleidung, zu
orientieren vermag", bemerkt mit vollein
Necht dje von unserem jetzigen knnst-
Unnigen Bischof vor mehr als zwei Jahr-
zehnten verfaßte „Uebersicht über die
!!n ^ande Württemberg erhaltenen kirch-
lc^u Kunstaltertümer"*).

,vStt endlicher Würdigung dieser unbestreit-

„Württemberqs kirchliche Kunst-
aitertumer". ,888, S. 1.VIII.

baren, unbestrittenen Tatsache hat wohl im
amtlichen Auftrag Prof. Kn a i sch in Stutt-
gart den verdienstvollen Plan gefaßt, die
Epitaphien Württembergs zu sammeln
und zu beschreiben, und um Förderung
seines kunstgeschichtlich hochbedeutsamen
Werkes durch Beihilfe in Bild und Wort
gebeten, Vorarbeiten, ohne die manches
bislang verborgen gebliebene Grabmonu-
ment in finsteren Winkeln abgelegener
Gotteshäuser, Kirchen und Kapellen auch
künftig dem Staub der Vergessenheit
überantwortet bleiben müßte. Ausgemnn-
tert durch jene persönliche Anregung und
durch frühere Beschäftigung mit dem
Leben und Wirken des berühmten, aus
Niedlingen stammenden Fürstbischofs von
Breslau, Andreas von Jerin, bereits auf
dessen Landsmann und Gesandtschasts-
begleiter urkundlich hingewiesen, glaube
ich mit der kurzen Beschreibung des Epi-
taphs Hans Christophs von Horn-
stein in dem Grüninger Pfarrkirchlein
beiden großen Männern gegenüber eine
Ehrenschuld abtragen zu dürfen.

Freilich, in dem nach Jahren einmal zu
erstellenden Mnsenni Württembergischer
Epitaphien wird das dem Andenken eines
Edlen von Hornstein geweihte Denkmal
nicht den ersten Platz einnehmen. Ruhm-
reichere Geschlechter im Schwabenlande
haben stolzere Grabmonnmente in Stein
und Erz hinterlassen. Sie alle überragt
au Schönheit und Größe die Totengalerie
in der S1 iftskirche zu Stuttgart
aus dem Ende des 16. Jahrhunderts und
die gleichzeitigen Sarkophage im Chor
der Tübinger Stiftskirche, welche
die Grafen und Herzöge Württembergs
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