Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

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verewigen. Meisterwerke der Hoch-
renaissance sind z. V das Grabdenkmal
von Ulri ch und A n a st a s i a von Rech-
b erg -Rothenlöwen 1 596, das mit
seiner prächtigen Ornamentik, den treff-
lichen Portrntstatnen des Grafen ltnb
seiner Gemahlin und beut Relief Christus
am Kreuz zwischen Johannes und Maria
den Haupt schmuck der armen Pfarr-
kirche in Straßdorf, OA. Gmünd,
bildet; oder in der Nähe von Griiningen,
am anderer! Donannfer, in Nenfra a. D.
die Epitaphien der Ritter von Gnndel-
singen und Helfenstein mit den Reliefs
der Krönung Mariens und des Ritters vor
dem Kreuz (letzteres ans dem Jahre 1573).

Einige Jahrzehnte später, kürzere oder
längere Zeit nach dem Tode des wohl
bedeutendsten Trägers Hornsteinschen
Namens, wurde in der Pfarrkirche zu Grii-
ningen von Balthasar Ferdinand Frei-
herr von Hornstein (geb. 1614, Neichs-
freiherr seit 1636), bem Enkel des Stif-
ters der Bünninger Linie, Balthasar von
Hornstein, und Erbauer des einzig reiz-
voll gelegenen Schutzengelkapellchens bei
Griiningen (1668st dem Hans Christoph
von Hornstein ein Denkrnal errichtet.
Es ist ein Kenotaph. Vor mehr als
zwei Jahrhunderten starb in Prag 1606
der Obersthofmarschall und Geheimrat des
Kaisers Rudolf II., Hans Christoph.
Nach dem wenigen, bis jetzt von dein
geschichtsknndigen Schloßherrn von Grü-
ningen und dem Münchner Historiker
Stievest gesammelten Urkundenmaterial
scheint dieser Erbe des Hornsteinschen
Namens eine „Blume der Ritterschaft",
eine Zierde des altehrwürdigen schwä-
bischen Adelsgeschlechts derer von
Hornstein gewesen zu sein.

Schon im Jahre 938 erscheint ans
einem Turnier zu Magdeburg einsRitter
Ludwig von Hornstein zur Wappenprobe
anserwählt, was jedoch Boyneburg in seinem
Hornstein-Artikel in El sch und Grnbers
Enzyklopädie^) als sehr problematisch be-
zeichnet. Historisch begründet, tritt der

1) Allg. Deutsche Biographie XIII, S. 159.
Der Güte des Herrn Baron Eduard. Sigmund
von Hornstein verdanke ich die Kenntnis der ge-
druckten Leichenrede über Hans Christoph von Horn-
stein.

2) IT, Serie XI, S. 52.

Name Hornstein erst zwischen 1194 und
1228 in Ottobenrer Stiftnngsnrknnden
aus mit Albert v. H. Als Stifter oder Mit-
stifter der Frauenklöster zu Oggelsbenren
(1378) und Heilig-Krenztal werden die im
oberen Donantal begüterten Ministerialen
bereits im 14. Jahrh. genannt. Um diese
Zeit scheinen sich die Hornstein in zahl-
reiche Linien gespalten zu haben, wie die
Namenliste des Schwäbischen Bundes vom
Jahr 1392 beweist. Später traten be-
sonders die drei Linien von Weiterdingen,
Bünningen und Griiningen hervor. Auch
das Kloster R e i ch e n a u hatte Besitz in
Griiningen von den Alaholsingern; bereits
805 schenkte der Schwager Kaiser Karls
des Großen, Graf Gerold auf dem Bussen
dem Kloster und unserer lieben Frau ans
dem Buffen Güter wie zu Altheiin und
Unlingen, auch zu Cruaningum. Die
dem hl. Blasius geweihte Pfarrkirche
zu Griiningen wurde 1358 von Peter
von Hornstein und seiner Gemahlin Adel-
heid von Snlmentingen gestiftet. Den
ursprünglich gotischen Bau verrät keine
Spur mehr weder innen noch außen.
Auch ans dein Konzil von Konstanz
1414 erscheint als Begleiter des Herzogs
von Bayern ein Johann von Hornstein.
In der Zeit des dreißigjährigen
Krieges hatten Kirche und Schloß, deren
Geschicke stets eng miteinander verbunden
waren, viel zu leiden; Pfarrer und
Schloßherr mußten nach Riedlingen flüch-
ten und blieben bis zum Ende des Jahr-
hunderts dort bis zum Wiederaufbau,
bezw. zur Restauration der Kirche, deren
Vollendung ins Jahr 1686 verlegt wirdH.

In diese Restanrationsperiode fällt
wohl die Stiftung des Grabdenkmals für
l Hans Christoph von Hornstein in der
Kirche zu Grüningen. Um beide, Kirche
und deren Patronatsherrschaft, hatte sich
der 1606 verstorbene Minister des Kaisers
durch ansehnliche S t i s 1 n n g e n verdient
gemacht. Er vermachte „zu den Heiligen
zu Grüningen Eintausend Gulden Kapital,

0 Bergt, die von Pfarrer Heyberger angelegte,
handschriftliche Ortschronik in der Pfarr-Registratur
in Griiningen. S. 8 ff. Der Pfarrer Sartorius
wurde St. Michaelskaplan. Die Herrschaft wohnte
int Gasthaus zum Paradies, dessen einstige höhere
Bestimmung Hornsteiuische Wappenschilder au-
zeigteu.
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