Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

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setzt der symbolischen Deutung der litur-
gischen Farben keine schroffe Schranke.
Jede in diesem Sinne poetisch-symbolische
Erklärung wird mehr oder weniger immer
auf Christus, den Anfang, die SDiitte
uitb das Ende Hinzielen, imb alles kann
nur gewinnen, je enger es mit ihm ver-
einbar ist.

Christus ist als Licht, als reines, weißes,
strahlendes Licht in diese Welt gekonnnen.
Er läßt sich umkleiden von dem Violett,
der Farbe der Wehmut, der überwölkten
Freude, der Unsicherheit und Unvollkommen-
heit menschlicher Schwäche, des sehnsuchts-
vollen Harrens auf das Heil, und tra-
ditionell ist das violette Gewand, das
nach der Legende rnit ihm wuchs, bis es
sein Totenkleid wurde ans Golgatha. Und
er zog durch die Lande, hielt seine Berg-
predigt, sah zu seinen Füßen die andächtig
Lauschenden im Grün der Landschaft,
wirkte das Wunder der Brot- itub Fisch -
Vermehrung unter Gottes freiem Himmel,
umgeben von grünen Hügeln, gelehnt an
den Schaft einer Palme, die ihre Wedel
liebevoll ine wohltuenden schattigen Grün
über ihn breitete.

So könnten die Tage, irr welcher! die
Kirche das Grün trägt, jene Tage sein,
da der Heiland lehrend, segnend die Fluren
durchwandelte.

Und dann hüllt ihn ein der Mantel
seines strömenden Blutes bei der Geißelung,
und der Hohn und die Scharnlosigkert
seiner Henker übergießen ihn rnit dein
Purpur, rvie er die Reinheit bedeckt, werrrr
roh in ihre heiliger! Gefühle eingegriffen
rvird. Die Nacht, das Schwarz des
Schmerzes, trostlosester Gottverlassenheit,
senkt sich mit undurchdringlichein Schleier
ans das Opfer am Kreuze herab.

Aber: Alleluja! schallt es arn Oster-
rnorgen, und das Licht, strahlendes Weiß
ersteht rnit derrr Heilarid, Gold urrd Licht,
Jribel, Seligkeit, das Höchste im Menschen-
leben, die Wiedergeburt von der Sünde
zur Gnade, vereint seine Strahlen im Licht,
seine Liebe im Golde der Ostersrende.

Ist so Christus das Licht, das volle,
weiße, strahlende Licht als Gott, so ist er
als Mensch das Prisma, in dem sich dieses
Licht in die Strahlen der von der Kirche
erwählten liturgischen Farben bricht und

teilt. Da sie aber ausgehen vorn Licht
als Licht, wenn auch farbiges, so wird
immer die idealste Deutung dieser Farben,
rvie sie über die Reinheit der Unschuldigen,
die Qualen der Liebe der Märtyrer, die
Trauer und Sehnsucht der das Heil
Erwartenden, die Hoffnung der Saat
! auf die Frucht und die Todesnot
hinüberführen zu ihrem Ursprung, zu
Christus, die ehrwürdigste und über-
zeugendste sein.

Die Realistik der Anschauung, daß das
Rot in der Paramenlik das Blut der
Märtyrer darstellen solle, findet ihren
Widerspruch schon zürn Teil in dein Ge-
brauch des Rot auch arn Pfingstfeste, dern
Fest der Liebe des Heiligen Geistes.

(Fortsetzung folgt.)

Reliquiarium

irr der Pfarrkirche (einstige Dentschordens-
kirche) irr Altshausen.

Von Pfarrer Schäfer, Altshausen.

Eirr Kleinod im eigentlichen Sinne
des Wortes besitzt die Pfarrkirche
— einstige Deutschordenskirche — irr
Altshausen, das wohl verdierrt, ein-
rnal eingeherlder urrd genauer beschrieberr
zri werden. Es ist dies eirr Reliquiarium
mit eiuem Finger der hl. Katharina von
Alexarrdria. Dasselbe hat die seit der
romanischen Zeit typische Reliquiarforrn,
ein Sarg rnit darübergesiülptern, hier auch
nit den Giebelseiten abgeschrägtern Dache
und ist aus Kupferblech mit starker Ver-
goldung — riach einem alten Inven-
tar iurn aus vergoldetern Silber — ver-
fertigt. Das Gauze ruht auf vier zierlicher!
Füßen urrd ist 12 ein lang, 10 cm breit
und mit Dachgesirns 14 cm hoch. Wie
man aus dein reicheil Zier- und Bilder-
schmnck in gravierter Arbeit und aus der
ganzeu Form des Schreines zu schließen
berechtigt ist, flammt das Reliquiarium
aus dem Ende des 13. oder Anfang des
14. Jahrhunderts.

Die vier Außenseiten sind rnit Bildern
ans dern Leben der hl. Katharina, be-
sonders ihrenr Martyrium versehen.

Auf der einen Schrnalseite befinden
sich zwei sitzende Frauengestalten je rnit
einer Krone, die rechte Hand zu lebhaften
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