Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

Seite: 37
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Gesten erhoben; offenbar die Unterredung
der Heiligen mit der heidnischen Kaiserin
Augnsta darstellend, die mit ihren! Gefolge
den christlichen Glauben anuimmt. Aus
der entgegengesetzten Seite wird Katharina
von zwei Schergen vor den heidnischen
Kaiser geführt, dem sie die Torheit des
Götzendienstes und die Grausamkeit der
Christenverfolgung vor Augen führt. Die
beiden Laugseiten sind je in zwei Felder
geteilt. Auf der einen Seite ist die Hei-
lige an eine Säule gefesselt, mit über
dem Haupte zusammengebundenen Händen
dargestellt und wird von zwei Peini-
gern gepeitscht; ans dem nebenstehen-
deu Bilde sehen
wir sie auf den
Knien liegend,
die Hände 311111
Gebet erhoben;
im Rücken dersel-
ben das zerbro-
chene Rad und

die vom Blitze
getroffenen
Peiniger bereits
auf den Bo-
den geschlendert.

Auf der vierten
Seite endlich ist
in einem Feld
die Enthaup-
tung der hl. Ka-
tharina gezeieh-
net; sie selbst

liegt auf den

Knien mit tief-
gebeugtem Ober-
leibe; hinter ihr
der Scharfrichter mit hocherhobenem
Schwerte, daneben der Kaiser, in der
linken Hand das Zepter haltend, die rechte
Hand nach oben gerichtet, mit einem aus-
gestreckten Finger. Das zweite Feld zeigt
einen Sarg — einer Truhe gleich —,

in welchen der Leichnam der Heiligen von
zwei Engeln gelegt wird. Aus bent Sarg
fließt aus drei Oefsnungen eine Flüssig-
keit, wohl ein Hinweis auf die Legende,
welche erzählt, daß statt Blut Milch aus
ihrem Leichnam floß.

Das Dächlein aus dem Reliqnienschrein
ist gleichfalls mit Bildern versehen, und
zwar auf der einen Seite Maria mit

dem Jesuskinde in der Mandorla, welche
je links und rechts von je einem knien-
den Engel gehalten wird; gegenüber so-
dann Christus, ebenso von zwei Engeln
umgeben. Sämtliche Bilder sind ungemein
flott und lebendig gezeichnet, die Gestalten
sehr schlank und edel gehalten, an fran-
zösische Vorbilder erinnernd.

Auf dem letztgenannten Bilde ist
offenbar aus späterer Zeit ein soge-
nannter F ü r s p a n g (Mantelschließe)
mit verschiedenen Edelsteinen angebracht
worden nebst einer Inschrift, die bis
jetzt noch nicht enträtselt iuur.be. Diese
Inschrift lautet: „Wolts : Du :.-mS :
ig : so : were
: ich : Vro.“1)
Das Dächlein
oder der Deckel
des Reliqnien-
schreines ist nach
unten eingeran-
det mit Filigran
ü jour und einge-
setzten Eoelstei-
nen, während die
Kanten mit Or-
namentenkäm-
men in Form
vonMuschelbläl-
tern besetzt sind.
Oben ans dem
Dachknopf befin-
det sich ein gol-
dener Ring mit
der Inschrift:
„Ave Maria
gratia plena“
sowie die Rainen
der hl. drei Könige: Kaspar, Melchior,
Balthasar.

Schlagen wir den Deckel zurück, so
sehen wir den in Achat gefaßten Finger
der hl. Katharina mnmieuschwarz —
in einem silbernen sepulorum liegend
und letzteres wieder eingesenkt in ein ver-
goldetes. Aus demselben ruht ein Deckel
aus Glas mit Emailrand und der In-
schrift : Digit, (us) beat. Catharinae
Virgis.(virginis) et Martyris. An den
vier Ecken befindet sich je ein Wappen

b Vielleicht ist zu lesen: >Votts (Ui min
sig usw. (Red.)
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