Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

Seite: 38
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aus Email, und zwar zwei mit weißem
Kreuze auf Goldgrund — wohl das Wap-
pen des Stifters — mtb die andern
beiden — Kreuz mit dem Reichsadler
als Herzschild — stellen das Wappen
des deutschen Ritterordens dar.

Von wein das Neliquiarium herrührt,
ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen, allein
die schon seit dem Jahre 1264 in Alts-
hausen bestehende Kommende des genann-
ten Ordens läßt es als ziemlich sicher
erscheinen, daß dasselbe wohl eine Stif-
tung eines Ordensritters ist, der wahrschein-
lich die Reliquie ans dem Orient erhalteil
und dazu beit Schrein verfertigen ließ.

Das Jnveiitarium ans dem Jahre 1823
beschreibt dasselbe in folgender Weise:
„Ein Reliquienkästchen mit einem Finger
voil der hl. Katharina mit Steinen besetzt
ist von dem Landkominandenr von Forst-
ineister — dem letzten der hiesigeil Kom-
iilende — der Deutschordenskirche legirt
worden. Dieses Kästchen von vergoldeteiil
Silber stellt ein römisch-gothisches Grab-
mal vor und stammt ans dein 12. oder
13. Jahrhundert. Es hat sehr viele
Aehnlichkeit mit dem Vegräbnisinonument
der hl. Elisabeth in der Kirche gleichen
Naineils zu Marburg."

Daß dieser wertvolle Behälter mit seiner
Reliquie, der eilt wahres Schmnckküstlein
ist, der Altshanser Pfarrkirche bis jetzt
erhalten blieb, ist wohl einem glücklichen
Zufall zll verdanken. Im Monat Mai
1854 ist daselbst eilt bedeutender Kirchen-
diebstahl begangen worden. Bei demselben
wurden wertvolle Gegenstände — zu
10 000 fl eingeschätzt — weggenommen
und eingeschmolzen. Kelche von Silber
und Gold, silberne Meßkünnchen, silberne
Ampel mit Goldverziernng, Chorkreuz aus
Silber, Rauchfaß und Leuchter ans edlem
Metall fielen damals den Diebshänden
zum Opfer; nur das beschriebene Re-
liqniarinm und eine kostbare Strahlen-
monstrnnz ans Gold und Silber mit
15 Emailbildern — die Geheimnisse des
Rosenkranzes darstellend — sind zurück-
geblieben, angeblich weil diese beiden
Gegenstände in jener verhängnisvollen
Nacht im Pfarrhaus sich befanden.

Noch ein andermal drohte dem Kleinod
eine Gefahr. Ein Geldbaron bot für
dasselbe eine namhafte Summe und wollte

noch ein Faksinrile Herstellen lassen zur
Aufbewahrung der Reliquie. Glücklicher-
weise wurde das Angebot abgewiesen.
Möge nun demselben keine weitere Gefahr
mehr drohen und dieser kostbare Schrein
mit seiner Reliquie, dem Gotteshaus für
immer erhalten bleiben!

Einiges über Gewölbeschlußsteine.

Bon Dekan Reiter, Vollmaringen.

(Schluß.)

Wenn meine Notierungen richtig sind,
so wird von den Schlußsteinen im Lang-
haus der St. Leonhardskirche in Stutt-
gart zuerst der mit dem Bilde des
hl. Michael genannt. Hält man die Idee
fest, daß das Querschiff bezw. der Triumph-
bogen den Uebergang bildet vom Leben
zum Gericht, baitit will uns die Figur
des hl. Erzengels mit der Wage an der
gedachteil Stelle, unmittelbar vor dem
Eingang in den Chor, überaus passend
Vorkommen. Passen würden hier auch
die Bilder von Maria und Johannes dem
Täufer, insofern auch sie mit dem Gericht
in Verbindung gebracht werden; allein
das uns zur Verfügung stehende Material
will uns hier im Stiche lassen: wir kennen
keine Kirche, wo in den Schlußsteinen,
unmittelbar vor dein Chor, Maria und Jo-
hannes zur Darstellung gebracht wären.

In dem Werke: „Die Klosterkirche zu
Ebrach von Dr. Jäger" sind verschiedene
Schlußsteine abgebildet, darunter auch
zwei je mit einer Hand, welche die ersten
drei Finger erhebt. In einer Fußnote
wird dann bemerkt: „Der Chronist Jo-
seph Agricola schreibt in seiner Chronik,
daß man die Schwurhand in vielen
österreichischen Klöstern finde (die abge-
bildete stammt von Lambach), und da
besonders an Orten perpetuae funda-
tionis, weshalb man zu dem Schluß be-
rechtigt sei, es müsse in Ebrach da, wo
die Schwurhand sei, die erste Ebracher
Kirche gestanden haben; auch hat man
daraus schließen wollen, daß hier ein
Schatz vergraben sei, und es haben uns
einige böhmische Bergknappen mit der
Wünschelrute gefoppt." Agricola selbst
stimmt letzterer Ansicht nicht zu, obgleich
er nicht bestreiten kann, daß durch der-
artige verborgene Schätze Klöster schon
oft wieder restauriert wurden. Wir wollen
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