Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

Seite: 40
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es macht stets einen wohltuenden Ein-
druck, wenn die betreffenden Alten eine
ehrenvolle Behandlung erfahren, sei es,
daß sie irgendwo eingemaued werden
(Vollmaringen: Turm; Tübingen: Mauer
des botanischen Gartens; Schömberg,
OA. Nottweil: Privathäuser), sei es,
daß sie in einem Stadt- oder Dorf-
musenm, oder in einer Lehranstalt (Tü-^
bingen, neues Gymnasium) eine Heim-
stätte finden.

Ausfallen kann es, daß bei Bauten der
Jetztzeit schöne Schlußsteine seltener an-
gebracht werden (Ausnahme der Mariä-
Empfängnis-Dom in Linz und einige an-
dere; in der neu gebauten Grabkapelle
der Stadtpfarrkirche in Horb wurden
vor einigen Jahren schöne Gewölberosen
ans Holz eingesetzt); die Rücksicht ans
die finanzielle Unzulänglichkeit allein
dürfte diese Tatsache kaum vollständig
erklären. Doch mag dem so oder so
sein, daran ist nicht zu zweifeln, daß
aucl; die Schlußsteine die Aufwärtsbe-
wegung fördern helfen, und zwar die
Answärtsbewegnng 511 der Stadt, wo
noch, andere Steine funkeln und andere
Kronen und andere Kränze winken.

ZTTittoilung.

Sie K u n st d c in Volke. Um dieses Pro-
gramm noch besser verwirklichen zu können, liefert
die Allgemeine Vereinigung für christliche Kunst
ihre Knnstmonographien nun auch in weniger
als 20 Exemplaren zum Vorzugspreise von 60 Pf.
pro Heft (ausschließlich Porto) in der Absicht,
dadurch auch kleineren Vereinen und Ortsgruppen
die Möglichkeit zu geben, sich der Vereinigung
anzuschließen. Einzelne Hefte sind nach wie vor
durch den Buchhandel zum Preise von 80 Pf.
zu beziehen. Erste Monographie: „Albrech:
Dürer" mit 48 Seiten Text von Or. Joh.
-Damrich und 60 vorzüglichen Abbildungen.
Man bestelle bald bei der Geschäftsstelle München,
Karlstraße 19. (Nachdruck erwünscht.)

Literatur.

D i e i r ch e n b a u t e n der deutschen
Jesuiten. Ein Beitrag zur Kultur-
und Kunstgeschichte des 17. und 18. Jahr-
hunderts von Joseph Braun, 8. ff.
Erster Teil: Die Kirchen der ungeteilten
rheinischeil und der uiederrheiuischen Ordens-
' ' sDovinz. Mit 13 Tafeln und 22 Abbil-
dungen im Text. Freibnrg 1908. Herder.
OAk. 4.80.

Stuttgart, Buchdruckrrei der 31:

Unter Benützung eines reichen Quellenmaterials
werden in dieser neuen Folge zur Geschichte der
deutschen Jesuitenkirchen u. a. behandelt: die
Kirchen in Köln, Münster, Aachen, Hildesheim,
Kvesfeld, Paderborn, Bonn, Aschaffenburg, Würz-
burg, Molsheim. Auch hier ist wie in den „bel-
gischen Jesuitenkirchen" des Verfassers unwider-
leglich bewiese!:, daß es keine,: „Jesuitenstil" gibt,
sondern daß die Jesuitei: in: jeiveiligen Stil der
steit gebaut haben. Ueberraschei:d ist, wie lang
sich die Gotik auch in diesen Gegenden gehalten
hat. Wein: man z. B. das J>:nere der statt-
lichen Dreifaltigkeitskirche zu Molshei»: (Tafel 3)
mit den: herrlichen Netzgewölbe betrachtet, so
ineint man, eine Kirche ans den: 15. Jahrhundert
und nicht von: Jahre 1617 (!) vor sich zn Habei:.
Viel Neues und Interessantes, was man ii: kunst-
geschichtlichen Werken vergeblich sucht, iveiß der
Verfasser über den sog. Knorpelstil zu sagen. Die
Ausstattung ist eine sehr gute und reichliche.

D: ü h l h a u s e n. Pfr. Wunde r.

Beiträge zur Baugeschichte des
Stiftes Klosterneuburg. Bearbeitet
und herausgegebeu von Or. Wolfgaug
Pauker, reg. Chorherrn des Stiftes
Klosterneuburg. I. D o n a t o F e l i c e v o n
A l l i o und seine Tätigkeit in:
Stifte Klosterneuburg. Wien n>:d
Leipzig 1907. Wilhelm Braumüller.
Unter den Klöstern u>:d Stiften, ai: denei:
Oesterreich so reich ist, ist eines der stattlichsten
das herrlich über der Donau gelegei:e Chorherrn-
stift Klosterneuburg. In der erste,: Lieferui:g des
großartig angelegten Werkes beweist der gelehrte
Stiftsherr an der Hand der in der Stistsbiblio-
thek noch unversehrt vorhandenen Bauakten, Pläne
und Zeichnungen, daß Donato Feliee von Allio
nicht bloß als Palier, sondern als eigeiülicher,
ansführender.Architekt tätig war, der sowohl den
Plan zu dent großartigen Neubau als auch die
Zeichnungei: bis ins kleinste Detail selbständig
entworfen hat. Weiter geht hieraus hervor, daß
Allio einer der begabteste:: Barockbanmeister des
18. Jahrhui:derts war.

Das Werk hat indessen nicht bloß lokalgeschicht-
lichen Charakter, sonderi: es werde«: bar in auch
Fragen und Problen:e von allgemeinem Inter-
esse berührt und gelöst. Bei:,: Anblick der ge-
waltigen Klosterbauten des 17. und 18. Jahr-
hunderts, die mehr Palästei: regierender Fürstei:
als Behausungen voi: einfachen Mönchen gleichen,
hat sich geiviß schoi: iimncher mit den: Verfasser
dieses gefragt: „Wie reimt sich diese oft unerhörte
Pracht zusammen mit der Einfachheit und Armut,
welche Ordensstister, ivie ein hl. Benediktus, von
ihren Brüdern verlaiugten? War es bloße Pracht-
liebe, welche diese Paläste entstehen ließ?"
Dr. Pauker gibt eine originelle, frappante und
- überzeugende Lösung dieser viel ventilierten
Frage. Die Ausstattung ist eine glänzende. Ent-
hält ja allein die erste Lieferu>:g nicht weniger
als 18 große Tafeli: nebft verschiedenen Ab-
bildungen in: Texte.

M ühlh ausen. P fr. Wund e r.

t. Ges. „Deutsches VolkslMitt".
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