Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

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Der Dunninger Bildhauer
Landolin Ohmacht.

Von Prof. Or. I. Rohr, Straßburg.

„Ihr, ihr dort draußen in der Welt,

Die Nasen eingespaunt!

Auch manchen Mann, auch manchen Held,

Im Frieden gut und stark im Feld,

Gebar das Schwabenland!"

So eröffnet Schiller seinen „Graf
Eberhard, der Greiner von Württemberg".
Die Verse könnten fast den Schein er-
wecken, als gehörte das Schwabenlaitd
nicht znr Welt. In jedem Fall aber
traut eine Zeil dem „Ländle" nicht viele
hervorragende Männer zn, der man erst
zurufen muß, sie möge „die Nasen" ein-
Ipannen, um — ein paar tüchtige Schwa-
ben zn beachten. Es ist seitdem anders
geworden. Schiller selbst leuchtet unter
den Sternen erster Größe am Dichter-
himmel; und die nach ihm kommen, neh-
men als „schwäbische Dichterschule" einen
ehrenvollen Platz ein in der Geschichte
der deutschen Poesie. Auch in Göthes
Adern rollte eine kräftige Dosis schwä-
bischen Blutes.

Schiller war mit seinem Studienge-
nossen Dannecker von der „hohen Karls-
schnle" eng befrellndet, ward durch den-
selben in einer seiner Größe entsprechen-
den Weise in Marmor verewigt und hat
seinerseits eben dadurch zur Steigerung
des Künstlerruhmes Dnnneckers wesent-
lich beigetragen. Der Name des einen
bleibt fortan mit dem öes andern eng
verbunden in der Geschichte der Kunst.
Allerdings steht der Bildhauer an Be-
deutung weit zurück hinter dem Dichter-
fürsten. Doch leuchtet auch er nicht in

einsamer Größe. Vielmehr hatte die
Stuttgarter Kunstschule immer einen
Namen von gutem Klang, und in einer
sorgfältig gearbeiteten Monographie hat
uns Winterling die Schicksale und die
Bedeutung der hervorragendsten Stutt-
garter Künstler geschildert.

Der Mann, dem die folgenden Zeilen
gelten, hat bei Winterlin keinen Platz
finden können, weil er niemals in Stutt-
gart und eigentlich auch nie längere Zeit
in der schwäbischen Heimat tätig war.
Dagegen verdient er, genannt zn werden,
wenn man von schwäbischen Künstlern
redet. Er kann sich neben ihnen getrost
sehen lassen und hat es an der Stätte
seiner späteren Wirksamkeit zn einer
größeren Popularität gebracht als —
allerdings abgesehen von Dannecker —
seine sämtlichen Znnftgenossen in der
Heimat.

Seinen Namen hörte ich schon in der
Kinderzeit mit großer Achtung nennen
bei einem jener gemütlichen Zwiegespräche,
wie sie das schwäbische Landvolk an den
Abenden des Hochsommers auf traulicher
Bank vor dem Hause zn führen pflegt.
Er begegnete mir wieder bei der Mit-
arbeit zur Ordnung des Materials
für Kepplers „Württembergs Kunstalter-
tümer". Ich las ihn später bei der Be-
sichtigung einer der Kunstsammlungen Ham-
burgs, stoße fast täglich ans ihn beim
gewohnten Spaziergang, denn in Straß-
burg ist eine Straße nach ihm benannt,
und mancher von den Lesern des „Archivs"

*) O. Winterlin, Württembergische Künstler,
Stuttgart 1895.
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