Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

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1 cm
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säst 1 m 90 cm betragende Breite des
Chorbogens imb ragt nur ans der linken
Seite mit dem äußersten Schmuck, einer
mit einem Engelkopf gekrönter! Volute,
über den Manerrand ein wenig heraus.
Die ganze Höhe des in die Rückwand des
Bogens etwa 80 cm über dem Fußboden ein-
gelassenen Monuments beträgt 1 m 85 cm.
Unser Monument zeigt also, entsprechend
wohl dem verfügbaren Raum, verhältnis-
niäßig kleinere Maße, wie überhaupt die
deutsche Grabmalknnst der Renaissance
das altarartige Wandepitaph bevorzugt.
Die gleiche Schranke ließ den Meister
oder Stifter mit einer Aedicnla be-
gnügen, während sonst häufig die Mittel-
nische zwei Seitennischen flankieren. Der
ganz architektonisch gegliederte Nahmen
umschließt eine Nis che, die ca. 1 m 20 cm
hoch und 55 cm breit ist, deren Miltel-
rauul die 1 m 12 cm hohe, lebensvolle
Gestalt des loten Ritters schmückt. Der
Aufbau ist wie bei den meisten Epi-
taphien dreiteilig: Untergeschoß mit In-
schrift oder figürlichen! Schmuck, Haupl-
geschoß mit der in deutschen Nenaissance-
werken nieist stehenden, nicht liegenden
Porträtfignr, und dekorativer Aufsatz, ge-
wöhnlich oben verjüngt. Den Sockel
unter der Nische füllt eine 17 cm hohe,
49 cm breite I n s ch r i s 1 p l a t t e, ans
allen vier Seiten mit Ornamentstreisen und
Hohlkehlen eingefaßt. Tie Inschrift nieldet
kurz Namen, Stellung, Todesjahr und
Begräbnisort des edlen Ritters, dessen
Andenken der dankbare Neffe Bai. Fer.
(— Balthasar Ferdinand) von Hornstein
in dein wohl von ihm gestifteten Epitaph
der Nachwelt überliefern wollte:

Der Reichs Hochgebohrne Herr
Herr Hans Christoph von Horn-
stein, zu Grieningen, Rom : Kay :
May : (römischer kaiserlicher Maje-
stät) Rudolf! II : gewester wirklicher
geheimer Rath und Obrist Hofmar-
schall ist anno 1606 zu Prag in Gott
entschlaffen und allda im Gotteshaus
Strohoff begraben worden.

Bai. Fer. von Hornstein.

Die Nische des steinernen Grabdenkmals
ist von zwei Pfeilern flankiert, die einen
durchbrochenen Giebel tragen. Die den
Sockel flankierenden Pilasterteile stehen

weit hervor in einer Breite von l 5 cm,
nach oben sich verjüngend. Die unge-
gliederte Vorderfläche der Sockelpilaster
zeigt ans der linken und rechten Seite
je ein Einsatz loch, vermutlich von
einem abgeschlagenen Ornament, Kartusche
oder ähnlichem herrührend. Vielleicht
waren nach Analogie ähnlicher Monu-
niente, z. B. im Dorn von Brernen, dem
Hariptträger Atlanten oder karpatiden-
artige Pilaster vorgelegt, die leicht weg-
genomrnen werden konnten. Durch Wulst
und Hohlkehle an der Basis und Kapi-
telle an der Spitze, sowie durch ein lä-
diertes Band in einem Drittel der Höbe
und je fünf Einsatzlöcher, Spuren plasti-
scher Ornamente, sind die 95 cm hohen
Pilaster der Nische gegliedert. Die Pilaster-
kapitelle sind kräftig profiliert, ebenso
die ans ihnen ruhenden Gesimse, in reicher
Abwechslung, bald auswärts geschweift,
bald einwärts gekrümnit; Abakus, Tri-
glpphen, Eierstab, dann wieder ausladende
viereckige Platte, die einzelnen Glieder
bald sich verjüngend nach oben, bald sich
verbreiternd, bald eingezogen, bald ein-
ander überragend.

Endlich steigt auf einer mit einem
Geflechtstreifen eingefaßten Platte eine
kleine Konsole nach oben zürn Tragen
des Giebelgebälks. Dieser zweite, ab-
wechslungsreiche Aufsatz, der das Pi-
lasterkapitell krönt, mißt gegen 20 cm.
Das Dachgesimo gliedert sich aus einen!
dreifach eingezogenen, stufenförmig aus-
ladenden Gebälk; fast parallel laufen
die beiden Horizontalen des Kranzgesiins
und des gcwellten Nischenbogens, der sich
über dein Haupt der Figur halbkreis-
förmig wölbt, einwärts vertieft, getragen
von einer je 11 cm breiten Horizontal-
wand. Die Höhe der Vertikalseitenwand
der Nische beträgt etwa 1 m 5 cm bis
zu der Stelle, wo sich echt baiockgeniäß
die Linie bricht.

Die Bogenwand der Nische, 17 cm
im Lichten hoch, ist ani Rande mit Eier-
stab wie die senkrechten Seilenwände
der Nische, und darüber mit einer Ait
Zahnschnittornament eingefaßt, das au
den Ecken unten mit je einer Volute ab-
schließt. Den oberen Abschluß des Nischen-
bogens zwischen den beiben gebrochenen
Giebeleuden bildet eine zweifach abgestufte,
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