Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

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J»l Juli des Jahres 1596, kurz vor seinem
Tode, unternahm Jerin die fünfte uitb
letzte Legationsreise narf) Krakau. In der
handschriftlichen Instruktion des Kaisers
au die Legaten ist neben dem Fürstbischof
von Breslau nub Olmütz auch Joannes
Christophus (ein andermal Christophorus)
ab Hornstain in Grüningen, Oonsilia-
rius noster secretus, genannt, und in
den Berichteil der Gesandtschaft an den
Kaiser zeichnet und siegelt eigenhändig au
dritter Stelle Jerins nächster Landsmann,
Hans Christoph von Hornstein.

Als einzige den weltlichen Diplomaten
betreffende Sondernotiz fand ich in den
Acta Polonica des Wiener Staats-
archivs in dem Reskript des Kaisers vom
20. August 1596 die kritische Bemerkung:
„Nulla de re sive nobiscum sive cum
Consiliariis nostris Malacridam seor-
sim egisse, cuius tu Hornstein con-
scius non fueris.“ Dieser Vorwurf
bezieht sich offenbar auf eine kleine In-
diskretion des kaiserlichen Geheinirats, der
die öftere Mahnung des Herrschers, immer
zögernd und schweigend hinter dem Berg zu
halten, gegenüber beni päpstlichen Legaten
einmal nicht befolgt zu haben scheint. Doch
hat dieser urkundliche Verweis dem Schwa-
ben auch später nicht die Gunst des Kaisers
entzogen. Einen Beweis für die Fort-
dauer der kaiserlichen Gnade dürfen wir
sicherlich noch in einer anderen, urkund-
lich überlieferten Tatsache erblicken. Kein
anderer als Hans Christoph von Horn-
stein kann gemeint sein, wenn in der
Geschichte der Stadt B ü h l in Baden
unter der Windeckfchen Lehenshoheit schon
1602 „dem kaiserlichen Geheimrat von
Hornstein" die Anwartschaft auf das be-
treffende Reichslehen zu Bühl zuerkannt
wird. Diesen vom Kaiser nach dem Aus-
sterben der Adelsfamilie von Windeck in
derOrtenau(1592) Zerteilten Besitz behielt
Hans Christoph von Hornstein als Lehen
wohl bis zu seinen: Tod (1606) und ver-
erbte wohl auch die Anwartschaft darauf.
Denn wie es in der von Trenkle ange-
führten Bühler Geschichtsquelle heißt, „er-
warb von dessen Familie" hierauf der

>) Nach Kiudlers von Knobloch Oberbadischem
Geschlechterbuch II (1905) S. 181 hatte bereits
im Jahr 1597 unser Geheimrat den Windeckfchen
Anteil an Bühl in Besitz genommen.

Kurfürst von Trier und Bischof von
Speyer, Philipp Christoph von Sötern,
das Bühler Lehen für das Hochstift Speyer
um 11 000 Gulden; „es soll aber unter
Brüdern 80 000 Gulden wert gewesen
sein" a).

Hans Christoph von Hornstein starb
unvermählt am 16. Juli 1606 im Alter
von 65 Jahren plötzlich in Prag nub
wurde in der Klosterkirche Strohoff bei-
gesetzt. Es ist die Kirche der altehr-
würdigen Prämonstralenserabtei, jetzt meist
Strochow geschrieben. Kirche und Kloster,
südlich vom Hradschin, hoch über der
Moldau gelegen, schon 1140 vom Herzog
und ersten König Wladislaw gegründet,
stammen in ihrem jetzigen Bestand ans
denl 17. und 18. Jahrhundert; denn die
Hussilenkämpfe, der Dreißigjährige nub
Siebenjährige Krieg haben die größten
Verwüstungen angerichtet, von beneit die
Bibliothek mit ihren großen Bücher-,
Handschriften- und Kunstschätzen, wohl
meist rechtzeitig geflüchtet, verschont ge-
blieben ist. Diesen Stürmen scheint auch
das Andenken des in der Kirche neben
vielen bedeutenden Männern beigesetzten
schwäbischen Edelmanns zum Opfer ge-
fallen zu sein.

Kein Denkmal, keine Inschrift melöet
dort mehr von bem unter fürstlichem
Prunk beigesetzten Ritter. Vielleicht
dürfen mir uns mit der Hoffnung
schmeicheln, unser kleiner, aus Kunst uno
Geschichte geschöpfter biographischer Bei-
trag möchte in etwas mithelfen, des un-
bekannten Panegyrikers Wort der Er-
füllung nahezubringen: „Sein Name bleibt
in veneratione, so lang der Tugendt
Ehr vnnd adplausus geben wirdt". Und
es wird kaum zu befürchten sein,
des beredten Zeitgenossen zuversichtlichen
Ausspruch, der einer nach Ursprung und
! Inhalt berühmteren Leichenrede des hl.
Ambrosius Oratio funebris de Valen-
tiniano entlehnt ist, werden nach drei
Jahrhunderten neue Forschungen zu-
schanden machen: „Beata fuisset respu-
blica, si eum diutius servare potuisset“
(Glücklich wäre der Staat gewesen, hätte
er ihn länger behalten können).

i) I. B. Trenkle im Freiburger Dwzesan-
circhiv II (1877) S. 79.
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