Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

Seite: 105
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das ist bei keiner Art von Reproduktion
möglich —, wohl aber ihn: nahekonunt.
Wir dürfen auf das verweisen, was wir
über diesen Kreuzweg im allgemeinen schon
früher bemerkten unb können sofort in
die Einzelbesprechung eintreten.

Erste Station:

Jesus wird zum Tode ueruvteitt.

Die Szene zerfällt deutlich in zwei
Gruppen: ans der einen Seite in einer
prächtigen Marmorrotnnde auf prunkvoller
Marmorkathedra Pilatus, in der ver-
brämten Toga das echte Bild eines kalt-
herzigen, schlau berechnenden, charakter-

braunen Mantel Jesu zurück lutb voll-
endet damit den Eindruck des Eccehomo-
bildes, das der Meister mit der Szene
der Verurteilung kombiniert hat.

Unten aber gestikuliert in den ivildesten
Ausbrüchen der Leidenschaft eine erregte
Menge, die nur noch teilweise über den
unteren Rand des Bildes emporsteigt.

Die ganze Anfmachnng des Bildes,
Szenerie, Raumverteilung, Bildgehalt,
Farbenstimmnng ist groß und wirksam.
Es leitet würdig uitb hochdramatisch emp-
funden das grandiose Passionsdrama ein,
das Gegenstand der folgenden dreizehn
Stationen ist.

Jesus fällt zum erstenmal unter

dem Kreuze.

(Von G. Fuget.)

armen Diplomaten. Ein Sklave hält
ihnr eine Schüssel hin, in welcher Pilatus
sich die Hände wascht. . Unten aber, nur
noch halb sichtbar, schmettert ein römischer
Soldat in die Trompete, um beut Richter-
spruch Gehör zu verschaffen. Die andere
Grilppe ist gebildet durch Jesus, der eben
voll der Geißelung hergebracht worden
war, noch angetan mit dem Purpurmantel,
gekrönt mit Dornen, das Rohrzepter in
der Hand haltend, in zarter Alidelitnng
die Spllren der Geißelulig tragend ltnb
mit einem Schamtuch bedeckt: das Bild
eines dentüligen und doch starken, nnschnl-
digen Opfers der Leidenschaft und Sünde.
— Eiri römischer Soldat schlägt ben rot-

Der Text, ben Dr. Bernhart zu diesem
Bild verfaßte, gibt warmfühlend die Vild-
idee grit ivieder.

Dritte Station:

Jesus füllt z ll nr ersten m a l n n 1 e r
der Last des Kreuzes.

Die naheliegende (Steigerung beim drei-
maligen Fall Jesu unter dem Kreuze hat
auch Meister Frigel in Anwendilng ge-
bracht. Mit Recht hebt Dr. Bernhart
bei dieser (Station als die besonderen
Eigenarten des Fugelschen Kreuzwegs
hervor: „Historische Wahrscheinlichkeit,

eindringliche Erzählnngsweise, lebendige
Charakteristik der Einzelgestalten, draina-
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