Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

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und für eine Landkirche sehr geräumige
Innere (30 in Länge) gewährt dein Ein-
it eienden einen überraschenden Anblick:
die Wände des Langhauses und des
Chores sind lückenlos bedeckt mit Malereien,
insgesamt Darstellungen aits dein Alten
und Neuen Testament. Zn dem farben-
frohen Eindruck dieser Darstellungen
stimmt auch die atts Brettern gebildete
flache Decke des Langhauses, die gleich-
falls mit den mannigfaltigsten, aber hier
nur ornamentalen Motiven (Monogramm
Jesu, Blattornamente, Noselten, heral-

, lischen Personen mit modischen Gewändern
| angetan zu malen und die Landschaft mit
bem zu versehen, was das Land Charak-
j teristisches bot. Dargestellt sind folgende
Szenen: Stammbaum Christi (ans dem
Haupt des ans einem Thronsessel ruhenden
oder schlafenden Jesse wächst der Stamm-
bannt Christi), Geburt Christi, Attbetttng
durch die Weisen, Nuten NisericorcUue,
Aufnahme Mariens int Hintntel, Krenzi-
gung Christi, Darstellung Jesu im Tempel
und der zwölfjährige Jestts im Tempel.

Das merkwürdigste Bild unter den ge-

Blick in das Laughans und das Chor der ev. Pfarrkirche zu Mollwitz, Kreis Bcieg (Schlesien).

(Phot. Fr. Mieter!.)

dische Tiere nsw.) in kräftig wirkenden, sehr
guten Farben ausgentalt ist.

Tie künstlerisch bedeutenderen Malereien
sind diejenigen im Chor, die ihrem Stil nach
an die Malweise der Niederländer erinnern.
Sie entstammen dem 14. Jahrhundert.
Die moderne Staffage, wie Windmühlen,
Kleidertracht, verschiedene Geräte bieten
einen interessanten Beleg dafür, daß man
damals nicht weniger modern malte als
heute. Einesteils war man mit den bib-
lischen Tatsachen sehr vertrant, so daß man
sie getreu darzustelleu vermochte, ander-
seits scheute man sich auch nicht, die bib-

nannten, einzigartig nicht nur in Schlesien,
sondern weit über dessen Grenzen hinaus,
ist das KreuziguugSbild. Es ist eine
Allegorie und stellt Christus tritt Kreuze
hängend vor, während er von sieben
, weiblichen Figuren (Brustbilder) umgeben
ist, die bis auf die mittelste, die dickes,
welche einen Turban trägt, bekrönt sind.
Beschäftigt sind sie alle mit der Kreuzigung.
Nicht römische Kriegsknechte also, son-
dern Frauen, die in bunter Tracht aus
Wolken hervorwachsen, Frauen in an-
mutiger Gewandung und zierlicher Hal-
tung üben die Marterstrafen. Sprnchbän-
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