Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

Seite: 116
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So sehr uns die Nepristiniernng des
Alten in der Garnisonskirche erfreut und
ein Beweis ist, daß wir hinter den Alten
nicht zurückstehen, ebensosehr sind wir
erfreut über den Fortschritt unserer Zeit
und begrüßen die Malweise der Jungen.
Und so wenig jene alte übertrieben ist,
ebensowenig kann man der neuen den
Vorwurf machen, sie sei zu inoberit. Es
ist kein Jugendstil in dem verdächtigen
Sinn, in welchem die Bezeichnung manch-
mal gebraucht wird. Auch die Raveus-
bnrger Maler haben bei den Alten gelernt,
aber sie sind völlig selbständig geworden.

Was die Farbe
gesagt werden, daß
Ravensburg ruhiger
wirkt, alsUlui. Durch
diese ruhige Wirkung
ist auch ein gilt Teil
Harmonie tu den so
ungleichen Raum hi-
neingekommen.

DieweitereJunen-
ansstattung in Ra-
vensburg ist geivis-
senhaste Arbeit der
Ravensbnrger Bild-
hauer Schnell und
Schlachter, fast sämt-
lich in Natnreichen-
holz gehalten. So
gelungen die Gesaml-
restanration der allen
Kirche genannt wird,
luuß doch gerade mit
Beziehung ans diese
Jnnenansstaltung
gesagt werden, daß
hier ein Fehler gemacht wurde, indem
die Altäre und Kanzel vor der Be-
malung in die Kirche kamen zu einer
Zeit, wo man in gewissen Kreisen vor
der Polychromieruug noch einen gewissen
horor hatte. So gediegen die Arbeiten
insgesamt sind in feiner Profilierung
wie im figürlichen Schmuck: ich glaube,
mau würde doch heutigentags etwas anderes
hineinstellen. Der Fronaltar und die
Kanzel sind Meisterwerke in ihrer Art und
werde:! es bleiben, aber eine Steinkanzel
und Stein und Metall am Sakraments-
altare wären doch noch ungleich monumen-
taler, und lveun der Choraltar ein

mächtiger Flügelbau wäre, käme er besser
zur Geltung.

Diese Gedanken sollen aber den Ravens-
bnrgern die Freude au ihrenl herrlichen
Gotteshaus, für das sie staunenswerte
Opfer gebracht haben, nicht verderben.
Es wird ein Anziehungspunkt für viele,
eine Kunstwallfahrtsstätte bleiben und
besser als die Garnisonskirche in Ulm
Zengilis geben den komuienden Geschlechtern
von dern Kunstleben unserer Zeit und
von einiger Eigenart desselben Wer
aber noch weiteren Fortschritt in Ravens-
burg in dekorativer Kunst sehen will, das
Neueste vom Modernen, der wandere in
die Kapelle des
n e n e r b a n t e n
Ri ä d ch e n h e i Ul s
ruid er wird dort
einen Raum finden,
der prächtig zu-
samulengestimmt ist.
Mancher wird das
Haus beneiden nur
diese Kapelle, aber
die, welche in diesem
Hause wohnen, wer-
den den Künstlern
dankbar sein für diese
hehre Stätte der
Andacht und deren
Schmuck. Es ist eine
modern soziale An-
stalt und Einrichtung,
und modern original
empfilnden ist dieser
geistige Mittelpunkt.
Möge er so nach-
empfunden werden.

Die neue katholische Stadtpfarr-
kirche in Cannstatt.

Besprochen von Prof. Or. L. Baur, Tübingen.

Zu den bedeutenderen katholischen
Kircheubanten der Diözese Rottenbnrg,
die in den letzten Jahren erstellt wurden,
gehört zweifellos die katholische Kirche
von Cannstatt. Cades hat sie erbaut
und sie trägt unverkennbar seine charak-
teristische Note. Die Vorzüge der prak-
tischen, den katholischen Kirchenbedürfnissen
anbequemten, geschickten Einteilung, der
soliden Technik, der Einhaltung des Küsten-
voranschlags haben sie alle. Die Cann-

anbetrifft, so darf

Innenansicht.
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