Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 28.1910

Seite: 118
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Hochaltar.

Der Aufriß des Innern
zeigt vor allem das Eigen-
tümliche, daß die Seiten-
schiffe doppelgeschossig sind
und daß die Emporen der-
selben gleichfalls um den
Chor hernmgeführt wur-
den, jedoch in der Weise,
daß sie für die Gläubigen
nur in der Länge des
Schiffs bis zum Chor hin
zugänglich sind. Der ge-
räumige Emporenplatz, der
sich um den Chor hernm-
zieht, ist nnbenützt bezw.
dürfte vorerst nur für außer-
ordentliche Gottesdienste in
Betracht gezogen werden,
obwohl eine Besetzung bis
zum Altäre hin für den
Celebrans eine starke Stö-
rung bedeuten würde. Sehr
geschickt ist vonl Architek-
ten vorgesehen, daß die Em-
poren vier direkte Ansgänge
ins Freie haben und so in
kürzester Zeit sich entlee-
ren können. Die Decke
durch einfache Krenzgurten-
gewölbe im Mittelschiff
und in den Seitenschiffen
gebildet, die Decke unter
beit Emporen ist eine ein-
fache getäferte Holzdecke.

Die Belichtung ist eine drei-
fache und sehr ergiebige:
unter beit Emporen sind
einfache Rnndfenster ange-
bracht, für die Emporen und im oberen
Lichtgaden sind breite Langfenster (int
Rundbogengeschlossenjangewendet. Mittel-
schiff und Chor sind von gleicher Höhe.
Die Seilenschiffemporen sind mit einer
Sänlenbalnstrade gegerl das Mittelschiff
hin abgeschlossen. Die Sänlchen, die in
der Struktur an romanische Säulen ge-
mahnen, sind in den ornamentalen Mnsteril
nndBlattformeu, mit denen dieKapitüleüber-
sponnen sind, außerordentlich mannigfaltig
und voll reizvoller Varietät. Sie wurden
von Th. Schnell iit Ravensburg entworfen.

Der gesamte Raumeindruck ist feierlich
niid würdig, nicht unähnlich dem mancher
französischer Bauwerke.

Der Außenban ist charakterisiert durch
die stark hervortreteuden Strebepfeiler und
Schwibbogen. Der Turm baut sich in
fünf Stockwerken auf nach dem Prinzip
der fortschreitenden Erleichterung und Aus-
lösung der schweren Steinmassen. Von
diesem Standpunkt aus wäre es wohl
besser gewesen, das Fenster der zweiten
Etage nicht so groß zu machen. — Die
Fassade der Kirche ist nach meinem
Dafürhalten etwas stark zerstückelt durch
die weit vorspringenden Streben. So
wirkt sie unruhig und hart und läßt u. E.
den Eindruck der schönen Rosette nicht
voll zur Wirkung kommen. Geschlossener
ist die Wirkung der Chorpartie: sie ist
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