Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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abgewiesen. Nach einem sehr niedrigen
Anschlag wurden die Pretiosen und Para-
mente daselbst auf 2049 fl. 45 kr. geschätzt."

Handelt es sich bei den vom württem-
bergischen Staate eingezogeneil Paramen-
ten und Kirchenschätzen hauptsächlich oder
fast ausschließlich um deu Dozburger
Kirchenschatz, der wahrlich nicht gering
war, so fielen die dem Chorstift gehören-
den Parameute und Silbersachen dem
Staate Bayern zur Beute. Und diese
Ausbeute war wahrlich auch nicht klein.
Zwar stehen dem Verfasser dieses die
Urkunden über die Säkularisation des
Chorstifts durch Bayern vom Jahre 1804
nicht zur Verfügung. Dagegen enthält
das K. Staatsarchiv in Stuttgart eine
ziemliche Fülle von Aktenstücken, die Auf-
schluß geben über deu Stand des Para-
menten- und sonstigen Kirchenschatzes des
Stifts im 17. und 18. Jahrhundert. Es
sind dies verschiedene Jnventarien, die
von Zeit zu Zeit vom Kustos, d. h. dem-
jenigen Chorherrn, dem die Aufsicht über
die Sakristei und deren Geräte und
Paramente oblag, angefertigt wurden, so-
dann Verzeichnisse voll Silbersacheu und
Pretiosen, die in Kriegszeiten geflüchtet
wurden. So wurden Kircheusacheu u. a.
geflüchtet im Jahre 1638 nach Ulm in
das Wengenkloster, am 15. Oktober 1688
wurden „verschiedene Kircheusacheu, Mon-
strauz, Ciborium, auch ziemlich viel
Akten des Stifts und der Klosterfrauen"
geflüchtet. Am 3. März 1703 wurden
Kircheusacheu nach Ulm in den Salmanus-
weiler Hof, am 25. Februar 1674 nach
Augsburg geflüchtet. Weiteren Aufschluß
geben uns die vielen noch vorhandenen
Rechnungen, Koftenvorauschläge von
Klöstern, Goldschmieden und Kaufleuten
für gelieferte oder zu liefernde Parameute
und Kircheugeräte, so daß wir ein ziemlich
genaues Bild über deu reichen Kircheu-
schatz des Chorstifts bekommen.

I.

Es folgen nun zunächst verschiedene
Jnventarien iiu Wortlaut oder im
Auszug, in chronologischer Reihenfolge.

1. Designatio. „Was für Silberne Kirchen-
zierad 8. Cyriaci Stifft zuo Wiesensteig den
i!8. August Anno Dni 1638 in zwey Zeuchlin
gen Ulm in dem Wengenkloster aufzuheben
geschickt."

In dem Zeuchlin, so man allezeit zum Regal
gebraucht, sind die volgende Stuckh:

Erstlich ein Cristallin Kreutz mit Silber
gefaßt.

Jtenr dreizehn verguldte Kelch sampt sovielen
Patenen.

Item ein Ciborium, darinnen ein Silberin
Kreutzlin, ein Silberin Lösselin, ein guldiner
Agnus Oei-Ring, zwey Zeichen mit Edelstein
versetzt und etlich klein Bruchsilber.

Jtenr fünf Silberne Todtenköpfs.

Item 8. Cyriaci Bilds Silberne Kettin mit
einer Medcy (Medaille?).

Item zwey große verguldte Silberne Opfer-
käntlin, darinnen Bruchsilber von ganzen Patenen,
so verguldt.

Item ein verguldt und ein Silberin Käpselin
ad sacrum oleum infirmorum.

Item ein Monsträntzlin von Crystall in
Silber gefaßt und verguldt.

Item eine gantz Silberne Monstrantz.

Item ein Silbernes Rauchfaß.

Item ein großes Silbernes Ciborium, da-
rinnen verguldte Knöpf und Haylthümer
(Reliquien).

Item ganz Silberne Opferkäntlin.

NB. Dieses Zeuchlin ist im Teutschen Hauß
zuo Ulm durch M. Ivan. Krausen deponiert
worden.

In dem Zeuchlin, so proprie zu der Silberin
Arch (Reliquienschrein) gehörig, sind die volgende
Stuckh:

Erstlich die Silbers Arch, welche zu 8. Bar-
barae Haylthumb gehört. Darinnen 8. Cyriaci
Silberin Bild, in welchem ein Perliinuotteres
Pater noster mit einem Silberin verguldten
Kreutzlin.

Mehr ein verguldter Knopf zu einem Rauch-
mantel, mehr ein Monsträntzlin verguldt mit
einem Cristall, mehr ein verguldter Mond
(Lunula) zn der Monstrantz, welche in dem
anderen Zeuchlin.

Mehr ein vierecket geschmeltzt Mariäbild in
Silber gefaßt.

Item ein versilbertes Opferkäntlin.

Item ein Silberner Hl. Geist.

Item ein Silberin Monsträntzlin mit Hayl-
thumb.

Item der Fuoß zu 8. Cyriaci Bild.

Jtein ein Silberin Rauchfaß.

Item ein Fuoß zu einem Kelch, darbey zwo
Patenen ohne Rand, und der Schein zur 8.
Cyriaci Bild.

Jtenr eiir Silberin Monsträntzlin, leer ohne
ein Glas.

Item ein schöner Krantz aufs die Monstrantz.

Item ein Monsträntzlin, vierecket mit zer-
brochenem Füßlin.

Dieses Zeuchlin ist noch allhie (wurde also
erst später oder auch gar nicht nach Ulm ver-
bracht).

Hienach war der Kirchenschatz zur Zeit
des Dreißigjährigen Krieges ein außer-
ordentlich reicher: neben 1 silbernen Mon-
stranz und 13 silbernen Kelchen ein großer
silberner Reliqnienschrein, 1 silberne Statue
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