Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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diese Gruppe von Triurnphhtldern nach
den jüngsten trefflichen Darlegungen von
F. 36. Kraus st und P. W. von Kcppler'st
weiteres gu sagen. Die untere Bildhälfte,
deren einzelne Persönlichkeiten namentlich
bei Gozzoli mit unverkennbarer Absicht
aufs genaueste charakterisiert sind, bedarf
allerdings noch einer eingehenderen Unter-
suchung, die ohne gründliche Kenntnis
der Spätscholastik unmöglich erscheint.
Arrch haben die allegorischen Figuren der
Wissenschaften und ihrer Patrone auf dem
Bilde der Spa»
irischen Kapelle
bisher noch keine
garrz sichere
Deutung erfah-
ren. Thomas
throrrt auf den
irr Frage kom-
menden Bildern
allerithalben als
der große
ster der ~
dem seine
senschaftlichen
Widersacher un-
terliegen und der
durch seine Leh-
ren nrrd Schrif-
ten die Kirche
erleuchtet. Der
letztere Gedanke
findet seinen
Ausdruck durch
dieStrahlen,die
von dem vor
ihm ansgeschla-
genen Buche
ausgehen. Bei
B. Gozzoli tritt
zrr derrr Buche darin rioch ein strahlendes >
Kleiriod aus der Brust des Heiligen, eilt |
Attribut, das späterhin fast ständige Bei- !
gäbe des Heiliger! wird. Es hat seinen !
Grund in einer Vision des Dominikaner-
lektors Albertus Maridnkasinns vorl Brescia
(gest. mit 1314), der den hl. Thomas
an der Seite des hl. Angustinns schaute,
geschmückt mit einem großen kostbaren

st Eesch. d. christl. Kunst, Freiburg 1908,
II, 2, S. 142 ss.

• st Aus Kunst und Leben, Neue Folge, Frei-
burg 1906, S. 3.

Stein auf der Brust, „der die Kirche
erleuchtete" *). Mit Vorliebe wurde dieses
Attribut von Fiesole benutzt und dadurch
popularisiert. In seiner Schule fand
dann das Motiv des Steines, der die
Kirche erleuchtet, noch die konkretere Aus-
gestaltung, daß dein Heiligen tatsächlich
das Modell einer Kirche in die Hand

gegeben wurde, ans welche sich nun die
Strahlen erstreckenst. In dieser Form

schauen wir den Aqninaten auf einern

köstlichen Terrakottarelief zu Viterbo aus
der Haild An-
dreas dellaRob-
bia.DasKleinod
auf der Brust
bat die Gestalt
eines Sternes,
dessen einer
Strahl gleich
dem 'Stunden-
zeiger einer Uhr
sich verlängert
und in der Rich-
tung nach der
Kirche hinweist.

Wie ich an-
derwärts sest-
stellen konntest,
nimmt auch die
große allego-
rische Darstel-
lung der Ver-
herrlichung des
Dominikaneror-
dens an derOst-
rvand der Spa-
nischen Kapelle
ans den hl. Tho-
mas bezug. Das
Bild zeigt auf
seiner rechten unteren Hälfte die ältesten
Dominikanerheiligen in ihrer charak-
teristischen Bedeutung: den hl. Domini-

st Vgl. meine Abhandlung „Ein Zyklus von
Wandgemälden au§ dein Leben des hl. Thomas von
Aquin in der Doininikanerkirche zu Regensburg"
j in: Die Christl. Kunst V (1909), S. 269 s.
st Abbildung aus einein Chorbuch zu S. Marko
in Florenz bei Beissel a. a. O. S. 10t. Eine
ähnliche Darstellung ans einem Reliquiar, bei
Beissel a. a. D. S. 18 erwähnt.

st „Die Verherrlichung des Dominikanerordens
in der Spanischen Kapelle zu Florenz", Schnütgens
1 Zeitschr. f. christl. Kiinst 1909, 323 ff.
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