Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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ist jetzt tut „Leben Riariä" jede Seite ^
sowohl für sich als mit der gegenüber-
liegenden zusammen znm harmonischen
Text- und Jllustrationsbild gestaltet.
Ebenso präsentiert sich das Ganze als
ein Werk ans einem Guß.

Der Künstler zieht nämlich ans der
Idee des Gesamtknnstwerkes die letzte
Konseqitenz intö bietet nicht, wie etiva
Dürer in seinem Marienleben, in sich
abgeschlossene Einzelbilder. Während uns
die früheren Meister Station für Station
zu geruhsamer Raft und Beschatutng

S. 162) Das neue Werk bringt hiefür
wieder köstliche Belege. Mail betrachte
nur die Eltern Mariä (S. 5), die
Greisin Anna (S. 20 und 21), das
gutherzige Rekrntengesicht, das bei der
Begegnung auf dem Kreuzweg ergriffen
unterm Eisenhnt hervorschant (S. 34),
oder das singende Kinderpaar (S. 47).
So geschäftig indes die Handlung voran-
schreitet, der aszetische und mystische
Akzent ist nirgends vergessen. Ja,
wenigstens als Rahmenzier finden sich
ancl) wirkliche Andachtsbilder. Ans diese

einladen, eilt Schumachers Schilderung
mitskinematographischer Lebendigkeit vor-
an. Bezeichnend für den Fluß der
Darstellung ist die Vesperszene. Ohne
ans der schmerzhaften Beschauung herans-
zutreten, führt die muten elolonosu doch
den Schwamm in der Rechten. Für
Schumacher hat diese Vehandlnngsweise
den großen Vorteil, daß dabei seine be-
sondere Stärke zttr vollen Geltung
kommt. Schon beim Erscheinen des
Lebens Jesu sah sich ein Kritiker zu dem
Ausruf veranlaß!: „Wie Schumachers
Kunst so unmittelbar, so gegenwärtig
wirkt!" (Lit. Warte, Dezember 1902,

Weise ist (S. 2) für das landläufige
Vesperbild Ersatz geschaffen, und gleich
daneben trifft der Priester eine Dar-
stellung, die ihm den Geist ntancher
Partien des Ofsizinms, z. B. der
Lesungen aus beut Hohenliede, trefflich
verkörpert.

Nur zwei Abweichungen von dein an-
gedeuteten Gesamtcharakter sind mir aus-
gefallen. Die erste hat ihre Ursache int
Thema, der Beschneidung Christi. Diese
bildet das einzige Ereignis ans der
Kindheitsgeschichte Jesu, in dem keinerlei
markante Personen das vout neugeborenen
Heiland ausgehende Licht durch ihre Teil-
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