Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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inhuman vom Verfasser. Anstatt der allgemeinen
Zeittafel wäre eine kunstgeschichtliche Zeittafel
wertvoller für die Zwecke dieses Buches gewesen.
Auch die Auswahl lateinischer Sprichwörter er-
scheint mir wegen oer Willkürlichkeit und Zufällig-
keit, die ihr anhastet, von sehr problematischein
Werte zu sein. — Diese Proben mögen genügen!
Es tut mir sehr leid, daß ich kein besseres Urteil
über das Buch fällen konnte; aber amicus mihi
Plato, magis amica veritas.

Tübingen. Prof. Dr. L. 33 nur.

Patil Endel, Fälscherkünste. Nach der
autorisierten Bearbeitung von Bruno
Bticher nett heransgegeben und ergänzt
von Artur Rößler. Leipzig (Grnnow)
1909. XI u. 215 S.

Das Buch, das hier in neuer Ausgabe und
Ausstattung erscheint, ist schon mehr als ein
Vierteljahrhundert alt. Es stammt aus der
Feder eines geistvollen französischen Schriftstellers.
Trotz seines Alters ist es aber keineswegs ver-
altet, im Gegenteil! so modern als nur möglich;
denn der Fälschungen aus den: Gebiete der Kunst
sind nicht weniger geworden: sie häufen sich viel-
mehr in der Neuzeit so sehr, und die angewandten
Kniffe und Verfahren werden so zahlreich, zum
Teil so kompliziert, daß es oft genug selbst ge-
gewiegten Kennern schwer oder gar unmöglich
wird, die Fälschungen zu erkennen. Es scheint
wirklich, als würde Sainte-Beuve recht behalten
mit dem Worte: „Das letzte Wort in Sachen der
Kunst sei die Fälschung." Daran sind nicht zu-
letzt die amerikanischen Milliardäre schuld mit
ihrer Sucht, möglichst rasch und auf einen Schlag
große Galerien und Museen mit aus Europa
sortgeschleppten Kunstgegenständen zu gründen.
Der Verfasser und der Neubearbeiter des Buches
verfolgen die Absicht, den Käufer alter Kunst-
werke vorsichtig 311 machen, ihm zu zeigen, welche
Kniffe und Tricks angewandt werden, um Lieb-
haber „alter Sachen" zum besten zu haben.
Es ist oft von überwältigender Komik, in dem
Buche zu lesen, wie selbst ganze Komitees von
Sachverständigen sich täuschen ließen, wie selbst
ganz bedeutende Museen wie der Louvre in Paris
sich Kunstwerke um einen ungeheuren Preis
anhängen ließen, um nachher — wie bei der
berüchtigten Krone das Saitaphernes — zum
Schaden noch den Spott zu haben. Die lehr-
reichen, mit zahlreichen Tatsachen belegten Aus-
führungen umfassen 28 Kapitel, angefangen von
Fälschungen prähistorischer Gegenstände, ägyptischer
Altertümer, antiker Tonwaren usw. bis herauf
zu Möbeln, Webereien usw., Waffen und Musik-
instrumenten.

Sachlich finden wir an dem Buche nichts aus-
zusetzen. Stilistisch ist das Witzige und Prickelnde
des französischen Originals nicht gestört; nur
fügen sich die Zusätze des deutschen Verfassers
stilistisch nicht in ganz glatter Weise ein, sondern
verraten die schwerfälligere Form, die uns eigen
ist. So ist Seite 25" die Bezeichnung „rönt-
genologisch" ein echter Wissenschaftsjargon, wie
ihn nur der Deutsche sich gefallen läßt. —
Seite 30, il (!)madre ist einephilologuch unerlaubte
Verbindung. Seite 43, daß durch die Edelsteine
an den Reliquienschreinen 40 Milliarden (!) dem

V 0 l k s >v 0 h l (sic !) entzogen worden sein sollen,
ist etwas schwer verständlich, da die Besitzer von
Evelsteinen diese für gewöhnlich nicht zugunsten
des Volks wohls flüssig macheil oder in wirt-
schaftlich werbendes Kapital umzusetzen pflegen.
Es läge ja nahe, etiva auch einmal nach dem
volkswirtschaftlichen Wert der Pretiosensamm-
lungen anderer Leute, z. B. von Levisohn und
Sara, zu fragen. Seite 45 muß es offenbar
heißen Ludwig XI. (statt 1X5

Das amüsante und instruktive Buch kann zur
Lektüre aufs allerbeste empfohlen werden.

T ü b i n g e n. Prof. Dr. L. Baur.

Christus, des Heilandes Lebeit, Leiden,
Sterben und Verherrlichung in der bildenden
Kunst aller Jahrhunderte von Dr. ph.il.
W. Rothes, Dozent ander Kgl. Akademie
zu Posen. 196 Abbildungen, 5 Farben-
drticke. Köln, I. P. Bachem. 6 M.

Im Jahre 1900 hatte Rothes ein ähnliches
Werk veröffentlicht: „Die Madonna in ihrer
Verherrlichung durch die bildende Kunst aller
Jahrhunderte". Wir zweifeln nicht, daß sein
neues Werk „Christus" wie das erste über die
Madonna in weiten Kreisen freundliche Aufnahme
finden wird. Das Buch ist ein schönes mann-
haftes Glaubensbekenntnis zu Christus als Gottes-
sohn, für den alle Jahrhunderte zeugen, und von
dem auch die Kunst in ihrer gewaltigen Sprache
redet als dem in Knechtgestalt Erschienenen, als
Mann der Schmerzen und glorreich Verherr-
lichten. Auch dies Buch ist eine Waffe gegen
Drews und Genossen. Es steht ganz auf
positiv christlichem Standpunkte. Auch der künst-
lerische Standpunkt des Verfassers hat unsere
volle Billigung: alles, Altes wie Neues kritisch
prüfend, das Beste behaltend. Das Beste von
dem, was christlicher Glaube und religiöse Be-
geisterung in der Kunst geschaffen, ist hier zu-
sammengetragen. Auch die Moderne ist ver-
treten ; selbst Korinth fehlt nicht neben Uhde,
Böcklin, Klinger u. a. Als besonderen Vorzug
des Buches möchten wir die Beiziehung der Slawen
bezeichnen, von denen unsere großen und kleinen
kunstgeschichtlichen Werke wenig oder gar nichts
bieten Und doch besitzen die Galerien und
Museen von Moskau und Petersburg viele und
herrliche Kunstwerke. Während die slawische
Kunst in der Musik und Literatur bei uns immer
bedeutsamer hervortritt, ist sie in der Malerei
fast unbekannt, namentlich die religiöse Kunst.
Posen, als Aufenthaltsort des Verfassers, mng
der genannte Vorzug des Buches gutgeschrieben
werden. Das Buch sei den Kunstfreunden und
besonders dem Klerus warm empfohlen! Es ist
ein großartiger Anschauungsunterricht iin Bilde
über Christi Leben und Werk, voll Erhebung
und Freude; es ist aber auch ein kleiner Abriß
der ganzen christlichen Kunstgeschichte mit treffender
Charakteristik der großen Meister unb ihrer
Schulen.

Heidenheim. Stadtpfarrer Dr. Eh r h a rt.

Hiezu ein Prospekt der Allgemeinen V e r-
l a g s g es el l s ch aft m b. H. in Berlin, betr.
Illustrierte Kunstgeschichte von Prof.
D r. Jos. Neuwirth.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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