Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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Der bl. (Ibontas von Aquin in
der Kunst.

Von vr. I. A. End res, Negeusburg.

(Schluß.)

3. Historisch-legendarische D er-
ste l ln u gen.

Man darf wohl annehinen, daß das
Leben des hl. Thomas öfter als einmal
Gegenstand zyklischer Darstellungen gewesen
ist. Meister ersten Ranges scheinen aller-
dings mit derartigen Darstellungen nicht
betraut gewesen zn sein, da diese sonst
durch die Kunstgeschichte zur allgemeineren
Kenntnis gelangt wären. So vermag
ich in der Tat nur einen zusammen-
hängenden Bilderkreis aus dem Leben des hl.
Thomas namhaft zn machen. Er schmückt
die Südwand des rechten Seitenschiffes
der herrlichen Dominikanerkirche zn RegenS-
burg. Erst vor ein paar Jahren ist er
von der verhüllenden Tünche wieder be-
freit worden. Seinen Ursprung verdankt
er einem biederen deutschen Meister vom
Ende des 15. Jahrhunderts. Leider
halten die Wandmalereien durch die teil-
weise Erneuerung des Manerbewurss,
besonders aber durch die rücklichtslose
Uebertünchung merklich zu leiden. Doch
ist die Absicht des Künstlers allenthalben
fast mühelos zu erkennen. In zwei unter-
einander stehenden Vilderreihen und aus
acht Bildfeldern schildert er zunächst in
einer Doppeldarstellung die Vorherver-
kündigung des Heiligen durch einen Ere-
miten an die Mutter des Aqninaten und
die bekannte Szene des Kindes im Bade, \
dann die Einkleidung des jungen Grasen-
sohnes durch Thomas Agni de Lentino,

die Gürtung durch zwei Engel und den
Aufenthalt an der Schule Alberts des
Großen zu Köln. In der zweiten Reihe
bringt der Künstler zuerst die Vision des
Aqninaten vor dem Gekreuzigten, der zu
ihm spricht: Bene scripsisti de me.
Quam merceclem recipies? Dann
zeigt er Thomas an der Tafel des hl.
Ludwig von Frankreich. Es folgt der
Tod des Heiligen und endlich seine
Erscheinung an der Seite des hl. Augu-
stinus vor dem Lektor Albertus Mandn-
kasinus. Der unbekannte Meister dieses
Werkes erhebt sich noch nicht allzuviel
über die Stufe des Handwerkers. Immer-
hin verrät er Geschick in Komposition
und Disposition der Bilder. Den Situa-
tionen und Handlungen zeigt er sich im
allgemeinen gewachsen. Ja, es gelingt
ihm selbst der psychische Ausdruck seiner
Figuren bis zu einem gewissen Grade ch.

Tie gleichen Sujets, welche der Regens-
burger Künstler seinem Zyklus einverleibte,
treffen wir sonst in gesonderter Dar-
stellung. Am häufigsten wohl die Gür-
tnng des jugendlichen Ordensmannes durch
zwei Engel. Der Grund hiesür ist die
durch den Dominikanerorden allenthostben
geförderte Gürtelbrüderschast des heiligen
Thomas von Aquin, welche den Namen
der „englischen Heerschar" (Militia an-
gelica) führt. Der Regensburger Künstler
verstand dieses Bild dramatisch zu ge-
stalten. Mit hocherhobener brennender
Fackel schlägt Thomas die Diine, die ihn

>) Eine genauere Beschreibung des Zyklus
bietet mein oben zitierter Aufsatz in: Die chrislt.
Kunst V. (1909) 265 ff.
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