Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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Wir konnten aber nur ans das schöne
Terrakoltarelies des Andrea della Nobbia
in. Viterbo Hinweisen. Von einem andern
Relief, das, wie es scheint, die gleiche Be-
gebenheit schildert wie das Bredellenbilö
Oreagnas, berichtet 5k. Wernerch folgendes:
„In einein Kabinette des Vatikan wird
ein halberhabenes Werk in Gold gezeigt,
welches ihn (Thomas) während der Dar-
bringung des Opfers arn Altäre schwebend
zeigt."

Jnr Vatikan hat eine der bederrtendsten
Schöpfungen zir Ehren des hl. Thomas
ans den letzten Dezennien ihre Aufstellung
gefunden. Es ist die jedem Besucher der
durch Leo XUI. gegrüudeteu Nachschlage-
bibliothek bekannte Marmorstatue des
Herligen von Eefare Aureli. Der Princeps
Scholasticorum ans hohem Postamente
ans den ^Lehrstuhl erhoben, trägt, die
Linke auf ein Buch legend, die Rechte in
antoritativenr Gestus ausbreitend, in maje-
stätischer Ruhe feine Lehre vor. Das
Denkmal ist an einer bezeichnenden Stelle
zrrr monnrnentalen Bekundung für die
unter dein großen Leo emporblühenden
Studien des mittelalterlichen Geisteslebens
geworden.

Diu Beitrag zur Baugeschichte der
Blikolaikirche in s)suy.

Non Lanitatsrat Or. Ehrte, Jsny.

Aus Anlaß der im Verlaufe des Som-
mers 1910 unter Herrn Stadtpfarrer
Keller von der evangelischeil Kirchenge-
rneiilde unternommenen, für Instand-
haltung dieses ehrwürdigen Baildenkmals
sehr iiötigen Restaurationsarbeilen dürfte
inanchem Besucher eine kurze ortsgeschicht-
liche Notiz willkommen fein.

Die iil Rede stehende Kirche sucht ver-
rnöge ihrer Größe (Gesaiutlänge 58,62
Nieter, Breite 19,74 Nieter, Höhe des
Ehores 13,8 Meter, Breite desselben 8,72
Nieter, Höhe des Hauptschiffes 12,0 Meter)
und ihrer schönen Architektur ihresgleichen
uilter deil Stadtpsarrkirchen des Algäns
und hat daher nicht nur für die hiesige
Geiiieinde, sondern auch für einen größe-
ren Kreis Interesse.

) ht. Thomas von Aguino, Negensburg

Bei beu soeben volleudeteil Grabarbeiteu
zum Zwecke der Heizbarmachung fanden
sich Fnndanlente, die darauf schließen
lassen, daß schon früher auf derselben
Stelle ein kleinerer Bau stand. Sein
Alter läßt sich daraus vernluteu, daß
Jsni) schon 1174 einen Marktplatz und
wohl auch außer der Klosterkirche eine
Leutekirche halte. Nach Dr. Naumann
(Geschichte des Algäus I. B. S. 397) ist
sie neben der Stadtpfarrkirche in Diem-
nlingen, die 1258 urkundlich geuauut wird,
die älteste. Am 19. September 1283
brannte die Nikolaikirche mit bem nahe-
gelegeueu, 1042 von Wolfrad von Be-
ringen lind feiner Frau Hiltrud für Hir-
sauer Mouche gestiftete Kloster ab. Als
Baumeister der nach dem Brande ueu-
erftellteu Nikolaikirche nennt die Kloster-
chronik Heinrich von Brunow (au), einen
Angehörigen des Klosters, der auch das
Kloster selbst wieder erbaute. Aus wel-
cher Bauhütte er hervorging, wird nicht
angegeben. Unterstützt wurde er durch
deil Bischof von Konstanz und besonders
durch Heiurich Gürtelknopf, einen Bürgers-
fohu von Jsnp, der 1285 voin Bischofs-
sitz in Basel aus zum Erzbischof non
Mainz erwählt wurde nnb eine kräftige
Hand zum Baue bieten konnte. 1288
fand die Einweihung statt.

Die Nikolaikirche ist von ihrem Er-
bauer in fpätroiuanischem Stile als drei-
schiffige Pfeilerbasilika aufgeführt worden.
Das Mittelschiff ragt mit seinem steileil
Giebeldache und hellen Lichtgadeu hoch
über die flacheren Seitenschiffe empor.
Es zeigte sich bei den Grabarbeiteu
auf der Schmalseite gegen Osten dllrch
eine einfache, 1,3 Meter starke Mauer
ohne Apsis geschlossen. Ein Chor war
ursprünglich nicht vorhanden, sondern
seine Stelle Gottesacker, der die ganze
Kirche umgab. Im Gruilde des Schiffes
stieß rnan auf einige brüchige Sandsteiu-
platteu nlit Hausmarken oder Wappen
Jsnper Patrizier, z. B. Rudolf, aber auf
keine Truchfeffeugruft, wie mau vermutete.
Das Erbbegräbnis war jedenfalls in der
Klosterkirche. Dort findet sich ein Gedenk-
stein^ au die Stifter und Vögte aus den
Häusern Veriugeu mtb Waldburg, er-
achtet unter dem Grafen Eberhard von
Sonnenberg und seiner Gemahlin Anna
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