Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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facsimile
von Fürstenberg (1481—1483). Abbil-
dung in Do. L. Baumauus Ge sch. d. Alg?
I. Bd. S. 380).

In der Mitte deZ schön und hochge-
wölbteit j gotischen Chores innen befindet
sich eine Inschrift, die besagt, daß der
Chor 1455 restauriert wurde, und an der
Südseite^desselben außen, oben, eine solche,
die 1508 als Volleuduugsjahr angibt.

Bei den nötigen Verbessernugsarbeiteu
am Verputz stieß man an verschiedenen
Stelleil auf gut gezeichnete, einfach kolo-
rierte alte Wandmalereien, die auf die
romanische Mauer anfgetragen sind: so
auf eine Kreuziguugsgruppe in der Sa-
kristei, von gotischen Gemölberippen um-
faßt, dann auf der Südseite außen auf
einen Chriftophorns und eine Oelberg-
gruppe, ferner ans der Nordseite bei dem
Portal rechts neben dem Turm wieder
auf eine Kreuzigung. Diese Bilder zeigen
AehulichkeiPmit den im Biartscheu Hause
aufgedeckteu alten Wandmalereien (Christo-
phorus und St. Georg) aus dem Anfang
des 14. Jahrhunderts.

Der ursprünglich romanische Turm mit
seinen überaus dicken Mauern (2,3 Meter),
in dem eine schmale Steintreppe zum go-
tischen , ebenfalls bemalten Bibliothek-
gewölbe hinaufführt, fügte sich in die
damals noch etwas engere Befestigungs-
linie der,früher Beringen-, später Wald-
bnrgscheu Vogteiburg gegenüber ein.

Bei dem großen Brande 1631 brannte
auch die.Nikolaikirche mit Turm bis auf
die^ Mauern ab. Erhalten blieben nur
das Gewölbe des Chores, die Bibliothek
mit ihrem bedeutenden Bücherschatz, und
die Sakristei. Nach biefem Brand wurden
die Mauern des Schiffes und der Seiten-
schiffe mit guter Kassettendecke eingedeckt.
Der früher in eine gotische Spitze airs-
laufende Turm ^ erhielt, wie die Kloster-
kirche und der Blnserturm, eine Kuppel.
Ter Bau nrußte damals in den schwererr
Zeiterr des Dreißigjährigen Krieges
und des großen Braudunglückes, das
dre Stadt getroffen hatte, nröglichst
billig wieder hergestellt werden. Es
fanden sich daher bei näherer Unter-
suchung auch viele und schwierige Bau-
defekte, die nun durch die gründliche
Arbeit des Herrn Stadtbaumeisters Hau-
eisen überwuudert sind. Er führte die

Nestanratiou der schadhaften Bedachung,
die stellenweise rrötige Unterfangung des
Chorfundamentes, sowie namentlich die
Kanalisierung des ganzen Bartes arrfs
sorgfältigste aus, so daß die Erhaltung
desselben ans langhin gesichert erscheint.
Jetzt gerade bei Eutfernnng des unschönen
reparaturbedürftigen Gestühls arrs dem
Schiffe tritt die Schönheit der Architektur
und das gute Verhältnis der Arkaden
rrnd Pfeiler besonders hervor. Zrrr Wieder-
belebung des teeren Chores wurde die
Einfügung eines stilgerechten gotischen
Chorgestühls beschlossen. Vorr Herrrr
Pfeilsticker rvurde eine Gedächtnistafel
der Geistlichen, vont Jahre 1525 an be-
ginnend, für die Chorwand am Turme
gestiftet. Der neue, gegen die Sandstein-
platten viel trockenere und ebenere Kuust-
steinplättchenbodeubelag sowie die Nieder-
druckdampfheizung werden jedenfalls als
Wohltat gegenüber beut früheren Zustand
empfunden. Mit Konservierung der aus-
gedeckteit Wandmalereien und Bemalung
der Kirche ist Herr Kirchenmaler Wennagel
von Stuttgart betraut.

Mauchen Besucher dürfte noch nach-
folgende knnstgeschichtliche Noliz interes-
sieren, die wir ans Keppler, „Kirchliche
Knnstaltertümer" entnehmen:

Isny, evangelische St. Niko lauskirch e,
dreischiffig, Pseilerbasilika ȟt hohem gotischen
Chor und Ostturin, in ihrer jetzigen Gestalt aus
zwei bezw. drei Bauperioden. Bon der 1288
(an Stelle der 1284 abgebrannten Nikolaus-
fapeUe) im Uebergaugsstil erbauten Basilika noch
erhalten: die Umfassungsmauern, die zivei Reihen
von neun achteckigen Säulen (mit Ausnahme
der späteren Kapitelle) mit ihren runden Arkaden-
bögen, die kleinen runcbogigen Fenster des oberen
Lichtgadens und einzelne Fenster des nördlichen
Seitenschiffes, ferner die am südlichen Seiten-
schiff allsgebaute sog. Eberzsche Kapelle (kräf-
tiges Kreuzgewölbe mit Fratzen), die Sakristei
nördlich am Chor mit starkem Kreuzgewölbe und
über ihr die ebenfalls krenzgewölble sog. Biblio-
thek (ehemals Oratorium, mit eigenem Wand-
tabernakel; im Geivölbe Ringe) Ans spätgoti-
scher Zeit der imposante Chor mit Streben uild
Sterngewölbe aus Konsolen, lallt Inschrift an
der Schluszwand 1455 begonnen. Endlich nach
dem Brand 1631 wurden die Maßwerke der
Chorfenster entfernt, die Fenster der Seitenschiffe
und Eberzschen Kapelle unschön erweitert ulid
der Turm oben neli geballt. Das Oratorium
über der Sakristei ist grün in grün bemalt, in
den Gewölbetappen Kirchenlehrer und Symbole
der Evangelisten verblinden, 15. Jahrhundert,
Kleinkunst: zivei gotische Kelche, der eine 1502
sehr klein und einfach, der andere mit Figürchen
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