Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

Seite: 35
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auf gekrümmten Hörnern, zwei tragen je
ein Bnch. Der fünfte Engel, in der
Komposition das Gegengewicht zu Maria
bildend, hält das Golgathakreuz, links
neben dem Weltenrichter stehend. Den
zweiten Hanptstreifen mit drei Farben-
zonen (blau, grün, weiß) nehmen die
zwölf Apostel ein, sechs rechts, sechs links,
alle mit Büchern in ihren Händen, nur
Petrus trägt einen Schlüssel. Sie sitzen
ans einer durchgehenden gelben Bank, in
antiker Tracht, feierlicher Haltung mit
Gebärden des Staunens und Schreckens.
Ihre Füße reichen zn einem gürtelartig
ornamentierten Bandstreifen herunter,
welcher Himmel und Erde voneinander
trennt. Jnr untersten Streifen, mit blau-
grüner und weißer Farbenzone, erheben
sich die Anferstehenden ans den Gräbern
in lebhafter Bewegung. Zwei halten einen
Kelch empor, wahrscheinlich Priester.

b) Unter dem Weltenrichter ist eine
Vogennische, ans vorgekragten Konsol-
steinen ruhend, mit dem Bilde der Kreuzi-
gung. Der Körper des Heilands hager,
weiß mit roten Umrissen, rötlichen Haaren,
weißem Lendenschurz, die Füße mit zwei
Nägeln befestigt, der Nimbus blutrot,
das Kreuz goldgelb, daneben die Spuren
ansgebrochener Metallscheiben. Rechts
steht Johannes trauernd, mit dem
Evangelienbuch, links Maria klagend, die
Hände erhoben. Der Hintergrund neben
dem Krenz ist blau, der entferntere ist
grün. Die Fleischteile sind, mit Ausnahme
des Gekreuzigten, jetzt schwarz geworden,
durch Zersetzung des Pigments. Oben
unter der Decke sehen wir einen plastisch
gemalten Mäander und Sonne und Mond.
Oberhalb des Portals links ist die nörd-
liche Doppelarkade jetzt noch sichtbar, die
südliche ist bei Anlegung des Zugangs
zur Orgelbühne herausgebrochen worden.
Diese schlanke Doppelarkade rnht ans
einem zierlichen Mittelsänlchen mit korin-
thisierendem Kapitell, der Kämpferstein hat
rnächtige Ausbildung (Adler S. 312). Adler
setzt die Entstehung dieses Wandgemäldes
an der äußern Westapsis in das Jahr 1060,
Kraus Ende des 10. Jahrhunderts, Nen-
wirth, Wingenroth und Rahn anfangs des
11. Jahrhunderts, Künstle aber Ende des
9. Jahrhunderts, 100 Jahre früher als
Adler und der ihm folgende Kraus.

c) Tie W a ndge m älde i m In ne nt
der St. Georgs kirche. Psarrver-
weser Feederle hat dieselben 1880 etitdeckt
und zuerst die Auferweckung des Lazarus
durch Abklopfen aufgedeckt. An den
Hochschiffswänden laufen aus beiden Seitetl
drei Mäanderstreifen, welche die Wand in
zwei große horizontale Felder abteilen.
Ans bem dicht über dem Scheitel der
Arkadenbögen laufenden Mäanderfries von
braunrotem Grnndton stehen die großen
Gemälde von acht Wundern Christi, je
vier ans einer Seite; unter ihnen die
Titnli oder Inschriften zn diesen Wundern
anfgemalt ans ein horizontales Band.
Ein zweiter Mäander schließt oben die
Bilderreihe ab, ein dritter läuft über den
Fenstern unter der alten Decke hin. Ver-
tikale, reich ornamentierte Friese, ver-
schieden behandelt, trennen die einzelnen
Bilder voneinander. Der Chor war
ursprünglich ebenfalls bemalt, eine betende
Frau und ein Christnsbild sind bloß-
gelegt worden. Die Säulen des Schiffs
und die Kapitelle waren ebenfalls bemalt.
In den Zwickeln zwischen den Arkaden-
bögen sind Rundbilder von Aebten oder
Bischöfen — tonsuriert, mit Büchern,
ohne Nimben — je vier ans beiden Seiten
sind erhalten, ursprünglich waren es wohl
je sechs. Zwischen den Fenstern waren
je sechs Apostelbilder, nur vier an der
Nordwand sind erhalten. Sie sind in
ganzer Gestalt gemalt mit Heiligenschein,
Attributen und Spruchbändern. In go-
tischer Zeit, etwa 1376, sowie in der
Zopfzeit, etwa 1708, haben sie staike
Uebermalnng erfahren. Die Bilder in
der Chorapsis sind wahrscheinlich in den
1640er Jahren durch ungeschickten An-
strich zugrunde gegangen (nach Kraus,
Georgskirche).

D i e g r o ß e n W n n d e r s z e n e n an den
innern Wänden sind künstlerisch am
rv e r t v o l l st e n. Es sind folgende: An der
Südwand, vom Eingang znm Altar
schreitend, erblicken wir: die Anserwecknng
des Lazarus, das blntflüssige Weib und
die Erweckung der Tochter des Jairns,
die Auferweckung des Jünglings zn Naim
und die Heilung des Aussätzigen. An
der Nordwand, gleichfalls von Westen
nach Osten: die Tenfelaustreibnng von
Gerasa, die Heilung des Wassersüchtigen,
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