Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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die Stillung des Seesturms und die
Heilung des Blindgeborenen. Wir geben
eine kurze Beschreibung dieser acht Bilder
nach Kraus (Georgskirche).

1. Lazarus, in Leichentücher eingehüllt
wie ein Wickelkind, steht aufrecht über
dem geöffneten Grab, rechts die Inden,
einige die Nase zuhaltend, int Hinter-
grund Bethanien angedeutet. Links naht
Christus bartlos, mit herabwallendem
Haupthaar und griechischem Nimbus, die
Rechte segnend erhoben gegen die vor
ihm stehende Martha mit) die Leiche,
Maria liegt zu seinen Füßen und wendet
den Kopf zurück nach dem Grabe. Hinter
Jesus fünf bärtige Jünger, der vorderste
mit der Schriftrolle. Die Auferweckung
des Lazarus erscheint, wie Kraus nach-
weist, sehr häufig auf den allchristlichen
Bildwerken in den Katakomben, auf Gold-
gläsern, Mosaiken, Sarkophagen, Elfen-
bein und in der Buchmalerei.

2. Das zweite Bild zeigt uns links die
b lutflüss i ge Fr an. Sie kommt zu
einer Türe heraus und fleht Jesus an
mit aufgehobenen Händen, der auf dem
Wege zum Hanse des Jairus begriffen
ist. Jesus segnet sie, zwei Jünger de-
gleiten ihn. Unmittelbar daneben ohne
Scheidewand stehen drei Jünger, der
vorderste mit der Schriftrolle, vor ihm steht
Jesus mit aufgehobener Rechten vor dem
Bett, auf dem halbanfgerichtet das Mäd-
chen des Jairus sitzt; im Hintergrund
zivei Personen, wohl ihre Eltern, mit
Gebärden des Erstaunens, hinter ihnen
das Hans. Mauern und Häuser im
römischen Stil umrahmen im Hinter-
grund diese doppelte Wunderszene, welche
ebenfalls in der christlichen Kunst mehr-
mals vorkommt.

3. D e r I ü n g l i n g von N a i m wird
ans der Stadt von vier Trägern heraus-
getragen, er richtet sich auf, Jesus erhebt
die Rechte gegen ihn, zu seinen Füßen
kniet die Witwe, hinter Jesus folgen
die Jünger, der vorderste wiederum mit
der Schriftrolle. In der altchristlichen Kunst
erscheint diese Szene nicht häufig, in
Goldbach dagegen in merkwürdiger Aehn-
lichkeit mit diesem Oberzeller Bild.

4. Beim Chor folgt die Heilung
des Aussätzigen. Links fleht er den
Herrn an, das Horn trägt der Aussätzige

auf dem Rücken, mit dem er die ihm
Begegnenden warnen muß. Der Herr
streckt seine Hand gegen ihn aus, bei ihm
sieben Apostel. Diese Bilder Christi und
der Jünger sind fast ganz zerstört. Rechts
von dieser Szene folgt als Fortsetzung:
der Aussätzige, mit Tunika und Mantel
bekleidet, mit einer Taube in den Händen
vor einem Priester, welcher auf einer
Bank sitzt vor dem Tempel, mit Buch
auf dem linken Arm, die Rechte gegen
den Geheilten ausgestreckt, der sich ihm
als ein Geheilter vorstellt und das Opfer
barbringt nach dem Gesetz Moses (Levit.
14, 2). Das Bild des Aussätzigen fehlt
in den altchristlichen Bildwerken, erscheint
aber im l 0. bis 41. Jahrhundert auf Elfen-
beinschnitzereien und in der sogenannten
Echternacher Handschrift.

5. An der Nord feite des Mittel-
schiffs von Westen her zeigt uns das erste
Bild die Austreibung des Teufels
ans dem Besessenen bei Gerasa.
Im Hintergrund die Stadt mit ihren
Mauern, links der Herr mit acht Jüngern
ans einer Vorhalle heraustretend, die mit
Vorhängen behängen ist, die Rechte seg-
nend ausgestreckt gegen den Besessenen,
welcher mit einer Chlamps bekleidet ist
und in großer Aufregung auf ihn zueilt,
die Arme nach hinten ansgestreckt. Ein
kleiner, nackter, geflügelter Dämon schlüpft
aus seinem Munde. Rechts fahren Dä-
monen in die Schweine, die geüngstigten
Wächter mit ihren Sperren fliehen. Diese
Szene erscheint selten in der alten Kunst,
zweimal auf Mosaiken, dann auf Elfen-
beinen, auch im Kodex von Echternach
und im Malerbnch vom Berg Athos.

6. Es folgt die Heilung des
Wassersüchtigen. Im Hintergrund
eine befestigte Stadt mit Zinnen, Tünnen,
Toren, rechts eine Mauer mit Bnckel-
werk. Links der Herr, wieder ans einem
mit Vorhängen behängten Tor hervor-
tretend wie im vorigen Bild, mit sieben
Jüngern, wiederum die Hand segnend
ans streckend gegen den Kranken, der nur
mit einem Schurz bekleidet ist, der Bauch
von Wasser angeschwollen, ganz entkräftet,
zwei Männer führen ihn, hinten ein dritter
Mann, wahrscheinlich drei Pharisäer,
welche den Herrn am Sabbat versuchen
wollen. Aehnliche Darstellung hat die
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