Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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asiatische, die griechische, etruskische, römische
Baukunst, die altchristliche Baukunst im west-
uud oströmischeu Reiche, die frühgeschichtliche und
altchristliche Baukunst der germanischen Völker,
die byzantinische Baukunst, die Baukunst des
Islam.

In den einzelnen Abschnitten ist ein Haupt-
wert auf den Nachweis verlegt, daß die religiösen
Vorstellungen bezw. die kultisch ausgeprägten
Religionen auf die Architektur bestimmend ein-
gewirkt haben, ihr würdige Aufgaben stellten
und ihre Grundformen bestimmten. Das ist
freilich bei der kurzen Fassung nur in mehr an-
deutender Weise und unter Beschränkung auf
die äußerlich hervortretenden religiösen Lehren
möglich. Die Kürze bringt die Gefahr mit sich,
allzuleicht platte Selbstverständlichkeiten zu sagen.
Der Verfasser hat diese Gefahr im allgemeinen
glücklich vermiedeit. In manchen Fällen wäre eine
Vertiefung möglich gewesen in dem Sinne, daß
auch der Stimmungswert einzelner Religionen
als wirksam aufgezeigt worden wäre etwa in
der Art, luie es Kautzsch hinsichtlich des ägyp-
tischen Tempelbaus in einer trefflichen und fein-
sinnigen Studie getan hat. — Zu den besten
Partien gehört die Darstellung der griechischen
Architektur. — Die durch die neueste archäolo-
gische Forschung klargestellte Bedeutung Syriens
für die Entwicklung der christlichen Architektur
ist dem Verfasser nicht unbekannt geblieben. Er
glaubte sie aber — unseres Erachtens nach beit
Forschungen de VoguOs, Strzygowskis, Baum-
starks u. a. nicht mit Recht — doch nicht so stark
bewerten zu müssen, daß er sie zum Ausgangs-
punkt der Darstellung nahm oder wenigstens als
gleichwertig neben die römische Bautradition stellte.

Die reichlich beigegebenen Abbildungen sind
ansprechend, gut in der Reproduktion und mit
sorgfältiger Auswahl des Wichtigsten zusammen-
gestellt. Dadurch wird das Werk zu einem sehr
nützlichen und empfehlenswerten Studienhand-
buch. — Einige kleinere Ausstellungen, die wir
zu machen hätten, sind wohl mehr aus Mißgriffe
im Ausdruck zurückzuführeu. In den Pres-
byterien der altchristlichen Kirche befanden sich —
vom Thronus des Bischofs abgesehen — nicht
„S tü h l e", sondern steinerne Bä n k e (Subsellien).
Das Buch sei den Studierenden nachdrücklichst
empfohlen!

Tübingen. Ludwig Baur.

Der deutsche S p i e l m a n n Bd. 28
Tod. Bildschmuck von Matth. Schiestl.
Preis 1 M. München 1907.

In einem Referat über die neuere Alban-
Stolz-Literatur fordert Professor Dr. Sauer zum
Schluß „eine Illustrierung der wichtigsten Werke
durch einen guten modernen Künstler, der im
tiefreligiösen Geiste des Autors lebt und aus
ihm heraus kongenial zu gestalten weiß. Was
jetzt an Abbildungen in einzelnen Bänden ent-
halten ist, genügte wohl seinerzeit für die Kalender-
ausgaben, aber entspricht unfern Anforderungen
längst nicht'mehr. Ein Künstler, der Stolz zu
illustrieren hat, müßte die Siunigkeit und schlichte
Innigkeit eines Ludwig Richter und die boden-

ständige Gemütstiefe eines Hans Thoma in sich
vereinen." 0

Ich mußte sofort nach unserem Spielmann-
Bändchen greifen, als ich diese Sätze las. Jetzt
war mir mit cinemmal klar, warum mich diese
Illustrationen, diese einfachen Zeichnungen wie
die farbigen Lithographien so bekannt augemutet
hatten: der „Kalender für Zeit und Ewigkeit"
hat mehr 211;tei[ an ihnen als die durch sie illu-
strierten Gedichte und Prosastücke.

Wie der Stolzsche Stil hat auch der Schiestls
nichts schülmäßig Gesiebtes und ästhetisch Fil-
triertes. Stolz liest die „Helden" für seine Bei-
spiele und Gleichnisse auf der Landstraße, auf
dem Wocheumarkt, in der Werkstatt und in der
Krankenstube auf, wie er sie findet. Seine
Naturschilderungen zaubern uns nicht künstlich
eine Jdeallandschaft vor, sondern belassen ihrem
Gegenstand den Staub der Natur und des Werk-
tags. Aber ein sicheres Gefühl für den Farb-
wert der Worte, der Situationen und Ereignisse
verbürgt jedesmal die frappante Wirkung. Ja,
auch allegorischen und geistigen Wesen wird ein
modern bürgerliches Signalement ausgestellt.
Genau so hat Schiestl Natur und Menschenleben
ungeschminkt und unfrisiert herübergenommeu:
die kleinen Buben und Mädchen, die Handwerks-
burschen, die Totengräber, den kinderreichen Vater,
die Liselore usw. Der Tod erscheint bald in der
Mönchskutte, bald mit Frack, Stehkragen und
Angstrohr, bald als Schnitter mit Blauhemd
und mit wehender Reiherseder auf dem Hut.
Der Teufel geht wie ein eingelebter Landstreicher
an seinem Stecken. Bekanntlich steht im Kate-
chismus eine Frage: „Was wissen wir vom

Tode?" Die Antwort darauf pflegen sich die
Kinder in recht schülerhafter Weise anzueignen;
sie wissen alles am Schnürchen herzusagen, aber
die praktische Anwendung unterbleibt. Schiestls
Illustrationen sind vielleicht ein Mittel, die Kate-
chismuswahrheit mit der Vorstellungs- und Ge-
dankenwelt des Schülers bleibend zu verketten,
wobei allerdings die psychische Veranlagung mancher
Kinder Vorsicht erheischt.

F r o m m euhause n. Psv. Fische r.

H Beil, zur „Augsb.Postztg." 1910 Nr. 37, S. 239.

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Buch in das Verständnis der wichtigsten
Baustile ein.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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