Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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Es ist fast wie ein Eingeständnis der
Gefahr, wenn Trübner gelegentlich feine
Kürassiere „abgesessen" malt oder den
Kürassier vom Rücken malt mib zwischen
den Pferden fast verschwinden läßt. —
Und es ist ein Eingeständnis eines gewissen
nimium, wenn seine Frennde beschwich-
tigend versichern: in: Lanf der Jahre
wachsen seine Farben zusammen. Eine
wenigstens zeitweilige und begrenzte Dis-
harmonie ist damit schonend zugegeben.
Doch tritt sie nur sporadisch auf itiiD
hat wenigstens ein Gutes: sie sichert ihn
gegen den Vorwurf des ,,Nichtmalen-
könnens".

So niöge denn der Mann, der ein
Menschenalter des Erfolges harren mußte
und trotzdem sich treu blieb, sich unter
den nunmehr günstigen Umständen noch
lange der Schaffenskraft und der Schaffens-
lust erfreuen, die ihm auch in trüben
Jahren uiib Jahrzehnten standhielten.

Wanderungen durch neue und
erneuerte Airchen.

Von Stadtpsr. Schöning er, Söflingen-Ulm.

Die neue Kirche in Bnbsheim ist
von Schiller nlid Ostermeier im Sommer
1910 aus gemalt worden. Die Malerei
ist ganz der Architekmr angepaßt und
hebt dieselbe in geziemender Weise hervor.
Dabei ist die Farbengebung eine lichte
nlid freundliche, die Ornamentik origi-
liell namentlich mit Chorbogen, wäh-
rend die Ornainentfüllllngen der Ar-
kadenbögen mehr geometrischen Charak-
ter tragen und mnsivischen Einlagen
gleichen, was auf den ersten Anblick
etwas befremdet. Ganz ausgezeichnet
in den schönen Chorranm hineinkompo-
niert erscheint jetzt der neue Hochaltar
von Theodor Schnell in Ravensburg.
Die beiden Seitenaltäre, im nenroma-
nischen Stil gehalten, wurden von einer
reichen Nachbargeineinde abgegeben und
passen jetzt ganz gut znm Ganzen. Die
Bubsheimer sind froh daran, und einige
Stücke, wenn auch nicht mustergültige, so
doch einmal in bester Absicht gefertigte
Proben des Ringens der neueren Zeit
sind gerettet.

Besondere Erwähnung verdienen die

figürlichen Wandmalereien von Schiller
und Ostermeier im Chor der Bubsheimer
Kirche. Es sind eigenartige Versuche der
Flachmalerei, die vom sachverständigen
und nichtsachverständigen Pnblikuin ver-
schiedene Beurteilung erfahren. Die beiden
Szenen: hl. Familie und die Jünger
von Emaus find kräftig in der Farbe,
fast zu gesucht in Licht und Schatten,
die Komposition etwas gewagt. Es muß
dabei beachtet werden, daß diese Wand-
bilder nicht als Meister- und Konknrrenz-
werke zu den Schöpfungen eines Fngel
und anderer Meister betrachtet werden
dürfen; sie sind aber in ihrer Art respek-
table Leistungen. Doch sind wir hierin
der Ansicht, daß nicht überall, zumal in
Dorfkirchen, Werke großen Stils geschaffen
werden müßten, so wenig, als es nötig
ist, Dorfkirchen als Kathedralen en mi-
niature zu bauen, wie man früher be-
ltelne.

Zn einein derartigen Van, der von
Koryphäen ihrer Zeit entworfen und ge-
baut wurde, fahren mir vom Henberg
bis zur Geislinger Alb, nämlich nach
Tresfelhausen. Durch Vergleichung
eines solchen Bans mit den Cadesschen
Bauten springt die klare Zweckmäßigkeit
und harmonische Anlage der letzteren
deutlich in die Angen. Die Kirche in
Treffelhansen, nach Plänen von Schmidt
in Wien erbaut, hat manche Vorzüge, aber
man würde nach den gemachten Erfah-
rungen heutzutage keine solche Kirche
mehr bauen. Bei aller gewollten Ein-
fachheit ist hier eine unnötige Verschwen-
dung mit Ziergliedern, nämlich Wand-
diensten mit Konsolen und Kapitälen,
Maßwerken, Giebeldächern, daß man sagen
möchte, ul quid perditio haec, zumal
dabei die Gewölbe tut Innern von Latten-
werk mit Holzrippen erstellt sind.

Das Innere bietet lange nicht die
wohltuende Raumwirkung, wie in Bnbs-
heim, ist aber immerhin fast stadtmäßig,
eine Hallenkirche mit überhöhtem Mittel-
schiff und halb eingezogenen Strebe-
pfeilern.

Nachdem der Chor von Maler Edel-
mann in Donzdorf schon vor etlichen
Jahren bemalt worden, erhielt im letzten
Jahre auch das Langhaus ein malerisches
Gewand. Die Dekoration bewegt sich
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