Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

Seite: 70
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Werk über Goldbach, München 1902,
Verlag Bruckmaun. Das Innere des
Chors war vollständig übertnncht; die
Apostel, ans solidenl Mörtelgrund in Tein-
peranianier geschickt gemalt, sind mehrmals
übermalt worden. Zwei Mäander begrenzen
(ähnlich ivie in Oberzell die Wnnder-
s z e ii e) die Apostel in Goldbach. Sie sitzen
ans einer gelben Bank — ähnlich ivie im
Egbertkodex zn Trier und im Gerichtsbild
von Oberzell — frei neben einander, nicht
unter Arkaden (wie in Niederzell und im
Egbertkodex). Eine Rückwand aus drei
Brettern, mit Holzknöpfeu versetzt, stützt
die Apostel, je zwei nehmen eine Bank
ein. Rechts vom jetzt zerstörten Christus
ist Petrus (Kopf bei Kraus abgebildet).
Er hat kurze römische Haartracht, die
Rechte auf der Brust, die Linke ist fast
zerstört und scheint ein Doppelkreuz zu
halten. Rechts sitzt, mit S. Andreas als
Ueberschrift bezeichnet, der zweite Apostel,
mit spitzem Kinnbart und Schnurrbart
und langem, gescheiteltem Haar, weißer
Tunika und rotem Mantel. Petrus hat
ein leichtblaues Untergewand und gelbes
Oberkleid. Links vom verschivnndenen
Christus sitzt ein Apostel, dessen Antlitz
und Brust fast erloschen sind. Die Kleidung
ist ivie bei Petrus, in der Linken ein
großes Buch, ans dem sein rechter Arm
ruht. Auch er hat einen langen Spitz-
bart. Dann folgt eine besterhaltene Figur,
von einer später» Inschrift als S. Johannes
bezeichnet, in weißer Tunika, rotem Mantel,
spitzem, herabfallendem Bart, in der Linken
eine Schristrolle, mit der Rechten segnend.
An der Nordwand des Chors folgen vier
weitere Apostel ohne Namensinschristen.
Alle tragen weißes Unterkleid, blau tingiert,
und roten Mantel. Nur einer trägt weißen
Mantel und kurzen Bollbart, alle vier
geschoren, mit Petrushaarkrauz. Drei
haben eine Schristrolle, einer ein Buch.

An der Südwand sind vier ziemlich be-
schädigte Apostel. Nahe der Ostwand sitzt ein
Apostel mit blanweißem Untergewand und
rotem Obergewand, ein Buch in beiden
Händen, Haartracht wie bei den drei letztern,
Füße mit Sandalenschnnr; der zweite
Apostel hat blanweißes Untergewand und
gelblichen Ueberwnrf, lange Haare, eine
Schristrolle. Viktor Mezger, Knnstmaler
in Ueberlingen, hat die zwölf Apostel im

Chor ans Kartons in vortrefflichen Re-
produktionen neu gemalt. (Forts, folgt.)

Die letzten L^elfensteiner und das alte
Ave-DIariakirchlein im „Tale".

Beiträge zur Kunst- und Kirchen-
geschichte des oberen F i l s t a l s ans
dem v a t i k a n i s ch e u A r ch i v.

Von Idr. Anton Nägele, Niedlingen.

(Fortsetzung.)

In Kerlers Geschichte der Grafen von
Helfenstein ist nach Gabelkofer die Stis-
1 nngsurkunde nur kurz angeführt. Nach
der Natur der Sache ivie nach dem Wort-
laut derselben ist anznnehmen, daß der
Kirchenban nicht sehr weit hinter der Zeit
der Kaplaneigründnng zurückliegt, also
vielleicht Mitte des 15. Jahrhunderts an-
zusetzen sein dürste. Gras Friedrich von
Helfenstein (gestorben 1483), der sich für
die Genehmigung der Stiftnng durch die
bischöfliche Behörde in Konstanz veriven-
det, schreibt nämlich an Bischof Otto von
Konstanz Z: es habe sich in Deggingen eine
neue Kapelle zn unserer lieben Frau,
genannt Ave Maria, erhoben, Worte, die
doch wohl auf erst nenlichen Kirchenban
zu beziehen sind. Als Stifter der Pfründe
werden bald die Grafen von Helfenstein,
bald Degginger Bürger, geistlich und welt-
lich, genannt. Nach dem Wortlaiit der
Stiftungsurkunde, der Verwendung des
Grafen Friedrichs) mit Bestätigung der
Stiftung, dem dort beanspruchten und stets
bis znm Aussterben geübten Patronats-
rechte war jedenfalls die Wiesensteiger
Herrschaft neben „dem Kirchherrn Hans
Brenzing und dem Bürger Hans Zopper
von Deggingen sowie etlicher ander erbar
Leut, geistlich und weltlich" bei der Do- * 2

0 Die Oberamtsbeschreibung S. 172 gibt
1480 au. Jedenfalls falsch ist die Zeit der
Erbauung der alten Kapelle, 1481, im „neuen
Königreich Württemberg" IV S. 154 angesetzt.

2) Friedrich IV. von Helfenstein (1408—1483)
war in den Jahren 1438 — 1453 Hauptmann der
österreichischen Herrschaft Hohenberg; 1461 er-
hielt er zum Lohn für seine Dienste im Kampf
gegeir Ludwig von Bayern die Burg Neußenstein
von Graf Ulrich voir Württemberg. Vgl. Kerler
S. 118 f. Zein 1494 gestorbener Sohn Ludwig
von Helfenstein ist in der gräflichen Gruft zu
Wiesensteig begraben. Früher war die Grab-
lege des Geschlechts, mit Erlaubnis Friedrichs IV.
1480 verlegt, im Kloster zu Blaubeuren.
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