Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

Seite: 72
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einem der nächstbeteiligken Augenzeugen
stammen.

Ein oder zwei Jahrhunderte I mag das
Wallfahrtskirchleiu im stillen Tale in un-
gestörter Ruhe Segen für Leib und Seele
verbreitet haben. Da warf um die
Milte des 16. Jahrhunderts die neue
Glanbensbewegnng ihre Wellen selbst in
dieses weltverborgene Tal, wie überhaupt
es nach einer kompetentesten Autorität
auffallend ist, daß die Reformation selbst
in die entlegensten Gegenden des deut-
schen Landes gedrungen und auch da,
wo der katholische Glaube herrschend blieb,
protestantische Ansätze allenthalben sich be-
merkbar machten 2). Daß trotzdem das Ge-
biet der Wiesensteiger Herrschaft eine ka-
tholische Insel mitten in protestantischem
Lande bildet, nach des Reichsarchivdirektors
Baumann Ausdruck^), mirb in unserem
römischen Dokument von berufenster Seile
aufgeklärt im Zusammenhang mit der
Leidens- und Auferstehnngsgeschichte von
„Ave Maria."

Wie die Reformation verhältnismäßig
spät, wenn auch nur vorübergehend, in
das helfensteinsche Ländchen Eingang fin-
den konnte, erklärt uns ein Satz der
Vatikanischen Urkunde vom Jahre 1595.
Graf Rudolf von Helfenstein teilt dem
Papst darin mit, im ganzen Lande rings-
um hätten alle seine Nachbarn mit Aus-
nahme eines einzigen Adeligen die Lu-
therische Häresie angenommen. Diese
vicini ultro citroque, die das Gebiet
der Wiesensteiger Herrschaft einschlossen,
sind das Herzogtum Württemberg und
die Ulmischen Lande, zu denen ja die
von den Helfensteinern an die Reichs-
stadt verpfändeten Gebiete von Geislingerr
und Umgebung gehörten. (Forts, folgt.)

q Weiter ohne sicheren Anhaltspunkt zurück
zu datieren wird nicht angehen, wenn auch im
lüber decimationis cleri Constantiensis pro
papa (im Freiburger Diözesanarchiv 1 (1865)
i —304 herausgegeben) Deggingen als Göggingen
zweimal, 1, 99 u. 101, genaimt ist, womit
jedenfalls nur die Pfarrkirche bezeugt ist.

2) L. Baumann, „Zur fchwäbischen Refor-
mationsgeschichte". Urkunden und Regesten aus
f. f. Hauptarchiv in Donaueschingen, im Frei-
burger Diözesanarchiv 10 (1876) S. 99.

s) Ebenda S. 115 A. 1 im Anschluß an eine
Helfensteiner Urkunde von 1567.

Stuttgart, Buchdruckerei der 2

Literatur.

D e r R o m pilger, Wegiveiser zu den wich-
tigsten Heiligtümern und Sehenswürdig-
keiten der ewigen Stadt sowie der Haupt-
städte Italiens von A n t o n d e W a a l,
Rektor des deutschen Kamposanto in Rom.
Rennte verbesserte nnd erweiterte Auflage
mit 123 Bildern, 6 Plänen, einer Eisenbahn-
karte voit Italien nnd einem großen Plan
von Rom. Freiburg i. Br. (Herder) 1911.
XVI nnd 432 S. Preis: geb. in Ganz-
leinwand 5 M.

Der „Nompilger" von Prälat de Waal ist
in deutschen katholischen Kreisen, die schon die
Reise in die ewige Stadt unternommen habeir,
längst eingebürgert. Die neunte Auflage spricht
für seine Brauchbarkeit deutlich genug, so daß es
fast unnötig erscheiiren könnte, noch ein Wort
der Empfehlung zu sagen. — Den gewöhnlichen
Reiseführern (Bädeker, Gsell-Fells) fehlt trotz ihrer
Weitläufigkeit, Zuverlässigkeit und allgemeinen
Verbreitung gerade das, was der Katholik, der
zur Roma aeterna pilgert, braucht: das spezi-
fisch Katholische, Kirchliche. Selbst wenn die ge-
nannten Reiseiverke nicht absichtlich daran vorüber-
gehen, oder entstellte Bilder davon geben — man
sprach schon von einem „Kulturkampf in Reise-
handbüchern" — so sind sie doch auf ganz andere
Interessen abgestimmt.

Der Katholik, der vor allem die H e i l i g t ü m e r
Italiens und Roms besuchen will, findet in
de Waal einen Führer, dessen auf gediegenstem
archäologisch-wissenschaftlichen Forschen beruhende
Detailkenntnis, dessen weitreichende Erfahrung,
dessen genaue Kenntuis von Land und Leuten
ihm auf jeder Seite dieses Nompilgers in die
Augen fällt. Ohne in gelehrtes Kleinwerk zn
verfallen, enthält er in glücklicher Auswahl das
Wichtigste und Wissenswerteste aus Geschichte und
Archäologie, und religiösen Beziehungen der ein-
zelnen Gebäude. — Der Verlag hat den „Rom-
pilger" mit reichem Jllustrationsmaterial und
Karten versehen. Sehr zu begrüßen ist, daß einer-
seits noch einzelne größere Städte Italiens Berück-
sichtigung fanden, die man auf der Hin- oder
Herreise zn besuchen pflegt, und daß — wenn
auch in spärlicher Auswahl — Pensionen und Hotels
namhaft gemacht sind, die als empsehlensivcrt
bezeichnet werden können.

Entsprechend den mannigfachen Aenderungen,
welche die Neuzeit in Rom gebracht, und ent-
sprechend dein Stand der archäologischeir Aus-
grabungen ans dem Forum sind die einschlägigen
Partiell umgearbeitet ivorden.

Es iväre höchst wünschenswert, daß wir einen
Führer gleicher Art ilicht nur für Rom, sondern
für gailz Italien bekämen: denn ein unendlicher
Reichtum an Schönem uub Erhebendem geht er-
fahrungsgemäß dem Jialienreisenden verloren,
iveil in den gewöhnlichen Reisehandbüchern nichts
davon steht. — Den vorliegenden „Rompilger"
wird jeder Romreisende mit größtem Nutzen
gebrauchen.

Tübingen. Ludwig Baur.

:.'©ef. „Deutsches Volksblatt".
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