Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

Seite: 88
DOI Heft: 10.11588/diglit.16251.43
DOI Artikel: 10.11588/diglit.16251.44
DOI Artikel: 10.11588/diglit.16251.45
DOI Seite: 10.11588/diglit.16251#0097
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1911/0097
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
- 88 -

gezeigt zu haben, daß
die helleuistischeu Metro-
polen eigenartige Kunst-
lraditionen schufen und
bewahrten, daß auch die
Kunst von Byzanz von
dorther Anregung emp-
fing, daß die Beziehungen
zwischen Orient mtb
Abendland auch auf dem
Gebiete der Kirchenknnst
sehr viel intimere uub
fruchtbarere waren, als
man bisher angenommen
hat. Aber das gewaltige
Problenr „Orient oder
Roin", das von ihm anf-
gerollt und unbestreitbar
mit großer Genialität und
zähester Arbeitskraft bear-
beitet wurde, ist noch nicht
gelöst. Wir stehen erst am
Anfang. Gerade das, wo-
raris Strzygowski so sehr
den Akzent legt, die abend-
ländische , karolingische
rrnd romanische Kirnst sei
unter Umgehung vorr A y-
zarrz und Rom direkt von
den zentralasiatischen Ge-
bieten aus über Marseille
bis Trier zunächst zrr
einer gallofränkischen
Kunst, dann unter Ver-
wertung nationaler Fak-
toren zur karolingischen
und romanischen Kunst ge-
worden, ist der weitaus
schwächste und — wie
wir nach bem dermaligen
Stand der Dinge glauben
sagen zu dürfen — nicht
sehr wahrscheinliche Teil
der „These" Stroygows-
kis. — Inzwischen aber
ist seine Anregung srncht-
bar geworden, rrnd Strzy-
goivski sowohl als andere
Forscher haben auf denr
Gebiete der Buchmalerei,
der Ikonographie, der
Plastik eine ganze Reihe
vorr Einzelbeobachtungen
gemacht, rvelche den be-

Nauchfaß von I. Ballmann.
(Zu L. 82 ff.)

deutenden aktiven Anteil
belerrchten, den der Orient
an der Arrsbildrrng der
christlichen Kunst als der
geberide Teil für sich in
Anspruch nehmen kann.
Das ist Strzpgowskis un-
bestreitbares Verdienst.
In dein Versuch, Rom
als so gut wie bedeu-
tungslos für die Ent-
wicklung der christlichen
Kirnst hinzustellen, geht
er sicherlich viel zrr weit,
lieber diese Einzelsragen
später einriral.

Die Wandgemälde der
Meichenauer ^Naler-
schule in Mberzell,
Niederzell, Nurgfeb
den und Goldbach.

Von Stadtpf. Brinzinzer
in Oberndorf a. N.

(Schluß.)

8. Arr d er No r d e ck e
desChorbogens fand
sich eine ähnliche Szene:
eine gemalte Sürrle nrrd
ein Heiliger mit Trrnika
und daneben die Majirs-
kelschrift S. Martinrrs.
Es ist also der fränkische
Rationalheilige; seine
Rechte hat er schützend
gelegt nnr eine Frarr mit
blauem Kopfschleier; sie
trägt ein Weihgeschenk,
wahrscheinlich eine Krone.

Reben ibr steht:
IHLTEPVRG, d. h.
Hittepnrg, wohl die Ge-
mahlin oder Tochter
Winidheres. In den rö-
mischen Basiliken des 8.
rrnd 9. Jahrhunderts sehen
wir öfters die Donatoren,
von Heiligen zrr Christus
geführt. So in den Ap-
sisbildern der Kirche Kos-
rnas und Damian, in S.
Lorenzo, Agnese, Cecilia,
Teodore und S. Rlarco.
loading ...