Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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hergeuommenen bizarren Spitznamen er-
teilten. Hierauf spielt Salvator Rosa
in seiner Satire auf die Malerei an, wo
er sagt: Andar con quei Fiaminghi
alla Taverna che profonando in un
la Terre e l’Etera Hantrovato un
ne Battesmo alla moderna. Noch nach
bent Jahre 1570 bestand diese originelle
Gesellschaft eine geraume Zeit. Doch
erfuhr sie in diesem Jahre eine große
Störung, die beinahe ihren gänzlichen
Sturz veranlaßt hätte. Der Maler van
Ingen (geb. 1650 und schon um das
Jahr 1575 in Nom) entschloß sich, nach-
dem er lange dem Zureden seiner Freunde,
die in der Bend waren, widerstanden hatte,
auch Mitglied zu werden. Einige neidische
Niederländer aber, die von der Gesellschaft
abgewiesen worden waren, zeigten der In-
quisition an, daß diese Gesellschaft eine
Pflanzschnle ketzerischer, anti-katholischer
Grundsätze sei, was schon die gottlose
Sitte des Wiedertaufens bezeuge. Der
Kardinal-Großinquisitor schöpfte wirklich
Verdacht; er schickte einige Diener der In-
quisition verkleidet in das Versammlungs-
Hans und hieß sie die Verdächtigen fest-
nehmen. Die Häscher gerieten zuerst an
einen gewissen Maler David de Koning,
welcher 1668 nach Nom gekommen war
und 1681 noch daselbst lebte. Diesen
examinietten sie erst lange Zeit, bis er
endlich, in der Meinung, er habe ein parr
verkleidete Mitglieder der Gesellschaft vor
sich, die ihn erschrecken, bezw. für Narren
haben wollten, ausrief: „Ich bin ja bekannt
genug; ich bin ja der König David!"
(Koning heißt im Holländischen König.)
Die Diener der Inquisition, die diesen
Ausruf für ein Geständnis ansahen, daß
er das Haupt der Gesellschaft sei, banden
ihn alsbald und brachten ihn vor das
Tribunal. Nun sah Koning seinen schweren
Irrtum ein, wehrte sich und lamentierte
gewaltig. Indes untersuchte man die Sache,
fand die Künstler unschuldig und setzte
Koning und alle übrigen, die man ein-
gezogen hatte, in Freiheit. Will), van
Ingen wurde nun feierlich ausgenommen
und erhielt, weil er der erste war, der
nach dieser Episode in die Gesellschaft trat,
den Benduaam de Erste (Campo Weyer-
mann in seinen „Lebensbeschryvingen der
nederlandsche Konstschilders", Gravenhag

1729. 4°, III, S. 174). So wie aber nicht
selten die besten Einrichtungen ansarten,
so mar es auch mit diesem Künstlervereine
der Fall, der zuletzt nichts weiter war,
als Vereinigung zu einem 24 Stunden
dauernden bacchantischen Gelage, bei
welchem der Wein in Fässern ans den Tisch
gesetzt und welches nicht eher geendigt
wurde, als bis alle Gäste im tiefsten
Schweigen ans dem Boden lagen! Papst
Klemens XI. soll, nachdem schon früher
die Geistlichkeit öfters wider den Miß-
branch von religiösen Zeremonien geeifert,
im Jahre 1720 diesem Trinkgelage ein
Ende gemacht haben. Wann die Gesell-
schaft aber eigentlich anfhörte, ist nicht
gut zu bestimmen. Des camps a. a. O.
sagt zuletzt: „cette societe n’existe
plus,“ und da dieses Buch im Jahre 1754
gedruckt wurde, so existierte sie also in der
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht
mehr. D'Argensville in seinem
Abrege des vies les plus fameux
peintres, Paris 1752. 4°, III, S. 157
hingegen spricht noch von einer damals
bestehenden Einrichtung. Wie sich dieser
Widerspruch reimen soll, läßt sich nicht
sagen. Selbst den Geschichtschreibern der
holländischen Malerkunst ist das Ende der
Gesellschaft unbekannt, denn van Gool
in seiner nieuwe Schobnrg der neder-
landsche Konstschilders, Gravenhag 1750,
2 Bände, erklärt, S. 454, nichts davon
zu wissen.

Diese Nachrichten über die Schild er-
bend sind in einer Menge Schriften zer-
streut, welche die Lebensbeschreibungen
von Malern, Bildhauern und Baumeistern
enthalten. Die genauesten Nachrichten
darüber hat man ohne Zweifel Honb-
raken zu verdanken; aber auch außer
den schon genannten Schriftstellern Sand-
rart, Samuel van Hoogstraaten und
v. Murr; letzterer gibt in seiner Biblio-
theque de Peinture etc. eine „Liste
des peintres Flamands, Allemands
et Hollandais, qui ont obtenus des
Noms particuliers aans la Bande
academique ä Rome connues sous
le nom de Schilder — Bent.“ F i o-
rillo gibt in seiner „Geschichte der
zeichnenden Künste" IV, S. 178 — 189,
Hannover 1820 bei den Gebrüdern Hahn,
ebenfalls ein alphabetisches, aber nicht
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