Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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und zwar als König dargestellt ist wie
Go!t Vater und Gott Sohn. Letztere
Darstellung ist verhältnismäßig selten
tChristliche Ikonographie von Detzel I
59/60).

Ich habe noch in keiner Ikonographie
Maria mit der Taube ans der Brust ab-
gebildet gesehen, dagegen im letzten Som-
mer in drei Gotteshäusern des Dekanats
Horb solche Bilder wahrgenommen. Marin
und die Taube — Maria und die Taube
des hl. Geistes — herrliche Ideen! Aber
was hat wohl in jüngerer Zeit (die
Bilder sind nicht alt) den Anstoß zur ge-
nannten Darstellung gegeben? Welcher
Mystik entstammen die Bilder?

Wer für Jkonographisches Interesse
hat, mag wohl einmal der hübsch reno-
vierten Gottesackerkapelle in Mariatal
bei Weissenan einen Besuch abstatlen, er
lutrb einiges finden, was ihn überrascht.
Unter anderem sieht er Maria als die
Gnadenvolle in der Weise dargestellt, daß
ans ihrer Brust mehrere Wasserstrahleil
Hervorbrechen.

Das Buch „Kunst unb Altertum im
Ober-Elsaß" von Dr. Kraus zeigt ans
S. 367 eine Abbildung der mystischen
Jagd des Einhorns au-S der sogenannten
Schonganerschen Passion (Rückseite des
Abendmahls). In dem laortus conclu-
sus sitzt Maria, umgeben von allerlei
Synlbolen (fons signatus, vellus Ge-
deonis, urna aurea, turris Davidica,
tabernaculum, porta clausa), über der
Jungfrau die Erscheinung Gott Vaters
in den Wolken; das Einhorn springt
eben in ihren Schoß, gejagt von den vier
Hunden, welche von dem Jäger, denl
Erzerigel Gabriel, getrieben werden. Voir
den die Madonna umgebenden symbo-
lischen Gegenständen ist aber von Kraus
einer nicht erwähnt: es ist der Altar mit
13 Kerzen (nicht Orgel mit Pseisen). Was
derselbe zu bedeuten, erfahren wir ans
den „Stimmen von Maria Laach", Jahr-
gang 1909, 5. Heft. Dort wird be-
richtet, daß die Benediktiner des Klosters
der Heiligen Ulrich und Afra zu Augsburg
zur Feier des siebenhrrndertjährigeir Be-
standes ihres 1012 gegründeten Klosters
im Jahre 1729 ein Buch veröffentlichten
nliter dem Titel: „Conceptus Chrono-
graphicus De Concepta Sacra Dei-

para." Dieses Buch weist nebelt vielen
änderen Symbvleil auch einen Marien-
altar ans, vor lind auf dem Kerzell stehen.
Die Beischristen melden:

Una seiuper accensa Virgo Deipara.
Candela, extinctis reliquis, haec una
refulget:

Altior accensa ex omnibus ista manet
Sic quamvis fuerit reliquos extincta
per omnes

Gratia prima, tarnen luoida Virgo
manet.

Es handelt sich also um die Imma-
culata, welche allein in llngetrübtein
Glanze leuchtet und die Schönheit Gattes
widerspiegelt, während die andern Kerzen
als durch die Erbsünde ausgelöscht er-
scheinen. Oder sollte es sich bei nuferem
Bilde, ähnlich wie bei bem Graf Urknll-
schen Antependillin, nm 12 Stäbe han-
deln und nm dell Stab Aarons, der
unter den übrigen Stäben allein blühte
und, insofern als er ohne Verbindung
mit der Erde Früchte tlllg, ein Vorbild
der Geburt Christi ans der seligsten
Jnngfrall Maria ivar? Lassen wir diese
Frage — umsomehr, als wir ans bem
Gemälde weder Frucht lioch Blüte rvahr-
liehmen; auch die Zwölszahl und die
Größe der Einen Kerze bleibe unerörtert,
dagegen möge der porta clausa lioch
eilt Wort geividmet sein.

Ter Dreikönig-Allar von Hans Wydyz
im Freiburger Al ün st er lvird im ersten
He st der „Freiburger Münsterblätter"
(Jahrgang 1910) von Dr. G. Münzet
einer eingeheildell nnb sehr interessanten
Besprechung unterzogen. Seite 15 schil-
dert der Verfasser die Figuren des Mittel-
schreins nnb bemerkt dazu, daß die viel-
fachen Zrrtatcrr der historisch genrehaften
Darstellnngsweise ans bem Altäre nicht
vorhanden seien. Auch die Anffassnng der
hl. Alaria als Königin mit der Krone
schließt sich der älteren Form des Drei-
königbildes an, wie auch Joseph in
seiner rein betrachtenden, zrrrückhaltenden
Stellung dein älteren Typus entspricht.
Noch in einem anderen Punkte knüpft
Wydyz an die Gedankenrvelt des Mittel-
alters an. „An der Hüttenwand ist eine
Tür angedentet, die mit Schloß nnb Riegel
verschlossen ist. Da bisher diese Tür mit
dem Schloß keine Beachtung gefrrnden.
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