Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 29.1911

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Ehetüre (Seitenportal auf der Südseite, nächst
dem Chor) — Brauttüre, aber auch die Türe,
an welcher typologische Figuren des Alten und
Dienen Bundes, den der Herr mit seinem Volke
geschlossen, angebracht waren. Vgl. „Archiv" vom
Jahre 1904, Ar. ö und 6. Reiter.

Literatur.

<ch e s ch i ch t e der V e r e h r u u g M a r i a §
im 16. und 17. Jahrhundert. Ein
Beitrag zur Religionswissenschaft und
Kunstgeschichte von Step hau Bei ssel S. J.
Mit 228 Abbildungen. Frei bürg i. B.,
Herdersche Verlagshaudlung 1910. X und
517 S.

Tie 1896 als Ergänzungshest der Laacher
Stimmen erschienene Schrift des gelehrten und
kunstsinnigen Verfassers: „Tie Verehrung U. L.
Frau in Deutschland während des Mittelalters",
wurde von demselben ganz nmgearveitet und er-
weitert neu herausgegeben 1909 als ein stattlicher
Band von XII und 678 Seiten mit 292 Abbil-
dungen. Dieses Werk hat in der Kritik sehr-
gute Aufnahme gefunden und ist das Beste, was
ivir in dieser Hinsicht haben. Nun erscheint nach
der kurzen Frist von zwei Jahren die Fortsetzung
des Werkes, welche die Geschichte der Marien-
verehrung in den zivei folgenden Jahrhunderten
behandelt. In 19 Kapiteln wird das Thema in
erschöpfender Weise mit gewissenhaften literarischen
und kunstgeschichtlichen Nachweisen ausgeführt.
Das 1. Kapitel beginnt mit der Geschichte der
Erweiterung des Ave Maria, das 2. Kapitel be-
handelt den „Engel des Herrn", das 3., 4.,
5. Kapitel die verschiedenen Formen von Rosen-
kränzen und Nosenkranzbruderschasten. Nachdem
int 6. Kapitel die Bekämpfung der Marienver-
ehrung durch die Protestanten geschildert wurde,
werden in Kapitel 7, 8, 9 die Darstellungen
Mariens in Malerei und Plastik besprochen. Dar-
auf folgt die Abhandlung über das Fest der
Unbesleckten Empfängnis und die bildliche Dar-
stellung derselben. Im 12. —>5. Kapitel ziehen die
Darstellungen deS Lebens Mariä, ihrer Schmer-
zen und Freuden an uns vorüber und das
16. Kapitel bietet symbolische Marienbilder. Dem
heiligen Haus zu Loreto, den Litaneien und
Salveandachten sind die drei letzten Kapitel ge-
widmet. Dem Bande ist vorgebunden ein Ver-
zeichnis der Abbildungen, die durchweg gut und
scharf sind, und ein Titelbild von F. du Quesnoy,
Tonfigur der Madonna mit Jesus und Johannes.
Der Werl des Werkes ist durch diese Illu-
strationen, unter denen sich auch nicht wenige
Kupferstichreproduktionen finden, und durch ein
ausführliches Namen- und Sachregister wesentlich
erhöht. Es fällt uns schwer, aus den trefflichen
einzelnen Abhandlungen die preiswürdigste aus-
znwählen. Die Theologie, die Mystik, die Kunst,
die Poesie und die Volksandacht vereinigen sich,
um ein großartiges Zeugnis der Liebe und Ver-
ehrung des christlichen katholischen Volkes gegen-
über der Mutter des Herrn abzulegen. Die

Ikonographie ist durch die reiche bildnerische
Ausstattung und durch das liebevolle Eingehen
des Verfassers in die Einzeldarstellungen in diesem
Werke mächtig gefördert worden. Nur einen
Wunsch vermögen wir nicht zu unterdrücken. Es
sind einige 30 deutsche Künstler in den Bildern
vertreten; das scheint uns bei der Gesamtzahl
der Bilder etivas zu wenig: tie Madonna mit
der Erbsenblüte und der Wickenblüte und (.noch
einige fromme mid liebliche Darstellungen deut-
scher Meister Hütten wir noch gerne in dem
Buche gesehen. Wir hoffen, das; recht viele
Freunde der Mariologie und der christlichen Kunst
sich in dieses herrliche Werk vertiefen uns ans
demselben geistige Anregung und Freude schöpfen.
Auch die lokale mariologische Forschung dürfte
manche Anregung durch das Werk gewinnen.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf ein Buch
aufmerksam machen, das sehr selten ist und einen
Beitrag zur Geschichte der Marienverehrung in
Schwab. Gmünd im 17. Jahrhundert gibt:
Fr. Sebastian Schletstälter O. P. zu Gmünd,
„Triumph des Heyligen Nosenkrantz, das ist:
Gründlicher Bericht der gnadenreichen Ertz-
Bruderschafft des Heyligen Rosenkrantzes. 1667."
Das Titelblatt bildet ein Kupferstich: In einer
Prozession fährt in einem von zwei Einhörnern
gezogenen, von zwei Engeln geleiteten Triumph-
wagen die Mutter Gottes mit dem Kinde; zu-
nächst hinter dem Wagen geht St. Dominikus
mit der Lilie in der Linken, zu seinen Füßen
der Hund mit bem Feuerbrand; ihm folgt die
Schar der Dominikaner mit einer Fahne, aus
der Maria in einem Rosenkranz abgebildet ist.
Die Prozession bewegt sich außerhalb der Stadt
Gmünd, deren herzförmiger, vieltürmiger Mauer-
ring getreulich abgeschildert ist. lieber diesem
Vorder- und Mittelgrund erhebt sich in den
Wolken die Gestalt Gott Vaters, unter ihm die
Taribe des Heiligen Geistes, Strahlen ausgießend
über Stadt und Prozession, und ein Engel mit
Rosenkranz und Lilie in den Händen. Schlet-
stätter dediziert fein Werk „der . . gekrönten
Kaiserin des himmlischen Reichs . . . meiner
nach Gott ailergnädigsten Kaiserin und Frauen"
und den fünf Geheimen Räten der Stadt Gmünd,
nämlich Karl Seybold, Johann Christian Bommaß,
Johann Burkhard Mößnang, Andreas Debler ruid
Jakob Storr und dem ganzen Rat. Er sagt auch,
warum er dem Rat sein Werk widme: 1. wegen
der Glaubenstreue desselben, 2. „habe ich vil-
malen mit meinen Augen gesehen, daß so oft ein
ehrsamer Rat versamnielt ist, daß sie öffentliche
und äußerliche Kennzeichen Gott und Mariä zu
Ehren, nemlich den heiligen Rosenkranz öffentlich
in den Händen tragen und nit von sich legen".
Eine handschriftliche Chronik des P. Berard
Müller 1703 führt diese Sitte, mit dem Rosen-
kranz in der Hand in die Ratssitzung zu gehen,
zurück auf die eifrige, erfolgreiche Tätigkeit zu-
gunsten des katholischen Glaubens seitens des
Franziskaner-Guardians Jakob Laib von Thann
im Elsaß, Mitglied des Gmünder Franziskaner-
konvents, ca. 1610—1640. („Diözesan-Archiv" von
Schwaben 1889 VI, Nr. 10 und 11.)

G m ü n d. R. Weser, Kaplan.

Slüügart, Buchdruckers bcr Akt. Ges. „Deutsches Tu'[fSMatt",
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