Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

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Werk „Ulmer Kunst" >). Dasselbe ist
eine sehr instruktive Einführung in die
Kunst des alten Ulm und reich illustriert.
Außer den 96 Jllustrationsseiteu bietet
auch der Text noch acht gute Bilder. In
diesem Werk wild Seite 60 — 63 der im
katholischen Volk als Patron gegen Fall-
sucht bekannte hl. Valentin beständig
Valentinian genannt. — Auf Tafel 71
wird ein Heiliger namens Evetius auf-
geführt, obwohl in der alten Unterschrift
des Bildes selbst der Name mit einem
Querstrich über dem e bezeichnet ist, also
ist Evelttius zu lesen, was auch ein
Blick ins Römische Brevier lehrt, nach
welchem sein Fest am 3. Mai gefeiert
wird, zugleich mit Alexander und Theo-
dulns anl Tage von Kreuzerfindung. —
Das Interessanteste bietet Tafel 51, wo
ein Gentälde Zeitblonls wiedergegeben ist
mit der Bezeichnung „heiliges Meß-
opfer", das ehenials auf dem Hochaltar
der Wengenkirche gestanden hat. Dieses
Gemälde stellt dar einen vor dem Altar
stehenden, denl Volke zngewandten, mit
Stola und Rauchmantel bekleidetet! Prie-
ster, der eine Monstranz in Händen hält.
Vor ihm knien zwei Ministranten mit
Kerzen in der Litiken, mit der Rechten
ein Glockenzeichen gebend. Das ist nun
eben nicht eine Darstellung des heiligen
Meßopfers, sondern eine S e g enssp en -
düng nt i t dem A l l e r h e i l i g st e n,
und die erstere Bezeichnung ist total
falsch. Ob die Bezeichnung auf Rechnung
des Katalogs der Karlsruher Knnsthalle,
wo sich jetzt das Bild befindet, oder auf
Rechnung des Herausgebers des vor-
liegenden Werkes kommt, entzieht sich
meiner Beurteilung. Ein bißchen Kennt-
nis der katholischen Liturgie hätte vor
diesem Fehler bewahrt.

Sollte es in diesen im vorstehenden
behandelten Fällen nicht tnöglich sein, sich
bei Katholiken — die ja nicht alle in
Afrika wohnen — ein wenig Rats zu
erholen oder Erkundigungen einzuziehen?
Mit katholischenl Leben nicht vertraute

*) Witter Kunst. Im Auftrag des Witter
Lehrervereins herausgegeben von Julius Baum.
Stuttgart und Leipzig. Deutsche Verlagsanstatt
1911, XXX11 S. Text u 96 S. Illustrationen,
gebd. 2 Mk. 50 Pfg.

Autoren riskieren eben auf solchem für
sie ungewohntem Boden nur gar zu leicht
und gar gewöhnlich einen Fehltritt.

Altdeutsche Bilder aus Sichstält und
Weikenhausen nach Aloster Slchingen.

Im März 1787 wurde (nach P. B. Baaders
„Merkwürdigkeiten von Elchingen") von den
Klosterfrauen bei St. Walburga in Eichstätt in
Bayern eine Reihe sogenannter „altdeutscher
Bilder", von welchen einige gar von H o I b e t tt
gewesen sein sollen, verkauft, bezw. hiezu von
Kapitular Johannes Anwänder aus Wettenhausen,
O. August., beim Oberamtmann im Wengen-
kloster zu Ulm hinterlegt. Prälat Robert 1. Kolb
vom Benediktinerkloster Elchingen griff gleich zu,
da daselbst etwas Mangel an guten alten Bildern
war, und kaufte um 22 Karolin bar zusammen
43 Stück, von welchen einige sehr sein, einige
ordentlich und einige gering ivaren. Mehrere
trugen die beglaubigte Jahreszahl 1489; sie wurden
alle sofort nach Elchingen verbracht, wo sie aber
keinen langen Verbleib mehr hatten. Wohin die-
selben bei der Klosteraufhebung 1802/03 ge-
kommen sein mögen? Im Juli 1788 kaufte
der Prälat von Elchingen nochmals 7 alte Bilder
vom Kloster W e t t e n h a u s e n, in welches einst
vor Zeiten Mart. S ch a f f n e r gemalt hatte, um
7 Louisdors und ließ sie im Refektorium aufhängen.
Die bis dahin im Refektorium befindlichen Bilder
kamen ins Rekreationszimmer und dann aus letz-
terem ins Dormitorium. Wohin alle diese „alt-
deutschen Bilder" im Kloster Elchingen bei der
Klosteraufhebung i. I. 1803 gekommen sind, hat
sich nicht erheben lassen. Beck.

Sin verschollenes Werk von Bellini.

Bei der Verlegung des Generalvikariats von
Ellwangen nach Rottenburg a. N. im Jahre 1817,
bezw. bei der Errichtung des Bistums Rotten-
burg 1827/28 hatte der nachmalige Domdekan
Ja um an n die nächsten Maßnahmen und Ein-
richtungen anzubahnen und einzuleiten. Ins-
besondere erhielt er von der Regierung die Be-
fugnis, aus den Gemäldeschätzen der ehemaligen
Klöster, bezw. der Ludwigsburger Galerie pas-
sende Stücke für die Domkirche, das Priester-
seminar und die bischöfliche Kapelle auszuwählen.
Sein mehr fachkundiger Freund, Bildhauer Anton
Da nn eck er, unterstützte ihn hiebei und machte
ihn tt. a. auf ein großartiges Altarblatt von
Bellini aus der ehemaligen Deutschordens-
kirche zu Mergentheim, welches in einem Ge-
wölbe des alten Schlosses von Stuttgart, wenig
beachtet, aufbewahrt lag, aufmerksam. Dasselbe:
die Geburt Mariä, war ein wahrhaftig groß-
artiges kolossales Gemälde (18^2' hoch und 11'
breit auf Leinwand) von Giovanni Bellini
(1426—1516), vom Deutschorden für die Ordens-
kirche zu Mergentheim — wie man sagt,
um 30 000 fl. — erworben, „Das Bild ist weniger
ideal, aber in Farbentönen, in schönen Engels-
gestalten, in einigen Personen, wie Gott Vater
auf Wolken schwebend, von einem Engelkreise
umgeben, Joachim und einigen Dienerinnen,
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