Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

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glänzend und in einigen Geschirren reich und
technisch unübertrefflich. Eilte Doublette findet
sich in Venedig (wo?); auch ist es von
mehreren Meistern mit einigen Abänderungen
in Kupfer gestochen"(Jaumann, Geschichte einer
Gemäldesammlung, München, 1855, S. 26).
Jaumann entnahm dann dieses bedeutende Werk
für die Domkirche in Nottenburg a. N., aus
welcher es aber längst verschwunden ist, ohne
daß sein dermaliger Verbleib bekannt wäre; es
befindet sich weder in dem sogenannten „Diözesan-
kunstmuseum" der Bischofsstadt noch in der
Staatsgalerie von Stuttgart. Es wäre aber
ein Aufschluß darüber sehr zu wünschen, was
aus dem Bilde geworden und wohin es ge-
kommen ist. Beck.

Literatur.

Das alte u nb neue M ü n st er tu Z w ie-
falten. Eilt geschichtlicher unb ktmst-
geschichtlicher Führer durch Zwiefalten,
seine Kirchen unb Kapellen, bearbeitet von
BernardnsS ch u r r, Pfarrer in Zwie-
falten. Rottenbnrg (Bader) 1910.

Unter Benützung einer sehr ausgedehnten
geschichtlicheit und kuustgeschichtlichen Literatur
bietet der Verfasser dieses Schriftchens eine Be-
schreibung und Erkläruitg einer unserer inter-
essantesten Barockkirchen. Das Verständnis
namentlich der Jnnenausstattling bietet für den
Beschauer große Schwierigkeiten, denn was uns
da eiltgegcntritt, ist eilte uns oft seltsam an-
inutende unb in vieleil Dingen uils nicht mehr
geläusige Mischung von geschichtlichen, legendären,
allegorischen, symbolistischen Gedankenbeziehllngeu,
die selbst dem Kenner Schwierigkeiten bereiten.
Darum inuß es als eine verdienstliche Arbeit
bezeichiret werden, die der Verfasser auf sich nahm,
umsomeh-r, als bisher ein Führer durch das
vielbesuchte Kloster Zwiefalteir fehlte.

Das Büchlein bietet zuerst eine kurze. Ge-
schichte des Orts und der beiden Pfarrkirchen
soivie der Nebeuorte mit ihren Kapellen. Als
Hauptgewährsmann dient hier hauptsächlich
Sulger. Es müßte jedenfalls dieser Teil noch
sehr viel mehr historisch-kritisch bearbeitet werden;
er wird zweifellos dlirch die in Aussicht stehende
Publikation von Or. Zeller noch weiter und
präziser erhellt werden, wovon vielleicht eine
zweite Auflage wird Nutzen zieheil fönneu. Ilm
nur eines anzuführen, so dürfte es kaum ben
geschichtlichen Tatsachen entsprechen, die Reklufen
mit den Benediktinerinnen in Verbindung zu
bringen (3. 31). Die S. 31 f. erwähnten
Briefe der hl. Hildegard sind doch wohl unter
ihren Schriften bei Migile gedruckt.

Eni zweiter Teil behandelt das alte Münster
(S. 41 ff.). Hier drängt die Eigentümlichkeit
des Grundrisses eine andere als die vom Ver-
fasser (nach Paulus) vertreteue Auffassung auf:
Die beiden Teile, in welche der Bau zerfällt,
gehören ohile alleil Zweifel verschiedeneil Bau-
perioden an, und zwar bildeten die beideil Türme
ursprünglich die Fassade unb die Eingangsseite
der älteren östlichen Hirsauer Pfeilerbasilika.

Diese schloß jedenfalls westlich mit einem Ehor-
quadrat, das sich an das Transsept anschloß.
Die breitere Säulenbasilika wurde später in
gotischer Zeit (15. Jahrhundert) dazugebaut,
womit eine Verlegung des Chors nach Osten
; (bisher Eingang) zwischen die Türme verbundeil
wurde. Sie ist zweifellos die in gotischer Zeit
(15. Jahrhundert) durch Abt Gregor II. Piscator
gebaute Erweiterung der ursprünglichen (Hirsauer)
Kirche. Ich bin also der, wie ich glaube, wohl-
begründeten Meinung, daß der Verfasser den er-
haltenen Ballplan falsch verstanden und erklärt hat.

Der dritte Teil handelt vom Neuen Münster,
das 1738—1753 unter den Siebten Augustinus
und Benediktus errichtet wurde, und behandelt
die Einzelheiteil in sehr eingehender Weise. Es
wäre hier wünschenswert gewesen, daß bei ben
einzelnen Bildern auch angegeben worden wäre,
warum die Wahl des Sujet beliebt wurde; so
z. B. sollen die drei Deckengemälve der Vorhalle
iil ihrer anscheinend so zusaiiliilenhanglosen Aus-
wahl den Gedanken der Heiligkeit des Gottes-
hauses illustrieren uild die Pflicht der Heilighaltuilg
einschärfen.

Sehr dankenswert fiub die in Anmerkungen
beigefügten kurzen biographischen Notizen über
die einzelnen Künstler, die sonst ilicht so bekannt
sind. — Sehr ausführlich geht der Verfasser auf
den Inhalt der eiilzelnen Bilder ein, den er in
dailkenswerter Weise klarstellt.

In einem Schlußkapitel behandelt er die
Säkularisation des Klosters unb was damit
zusammenhängt, unb fügt in einem Slnhang noch
eine Chronik des Klosters bei, die von dem
Laienbruder Ottmar Baumann verfaßt ist.

So stellt sich das Büchleiil dar als ein recht
erwünschter lind brauchbarer.Führer durch die
noch immer imponierenden Reste einer gewalt-
tätig zerstörten glänzenden Kunst.

Tüb i il g e il. L. Ba ur.

Mehr Freude, von vr. P. Wilhelm
v. Keppler, Bischof von Rottenbnrg.
Neue, vermehrte Ausl. 54.-65'. Tausend.
Freibnrg (Herder) 1911.

Eilt Buch, das wie das vorliegende in io
kurzer Zeit einen ganz staunenswerten Erfolg
hatte, das bereits, in eine Reihe fremder Sprachen
übersetzt wurde, bedarf keiires weiteren Wortes
der Empfehlung. Es gereicht uns aber zur Genug-
tuung, konstatieren zu können, daß ivir bereits
zu einer Zeit, wo das Buch in der bescheidenen
Form eines Essays dem Werke des hochwürdigsten
Herrn Verfassers.„Slus Kunst und Leben" an-
gegliedert war. auf den hohen Wert dieser Ge-
dunkelt hinwiesen (vgl.)Z,Archiv" 1908, Nr. 1).
Die Ausführungen über Kunst und Freude,
Freude und Kunst entsprechen ganz dem, was
unser „Slrchio" als hohes ästhetisch-religiöses
Kulturgut zu verteidigen und zu pstegeit hat.
Darum dürfen ivir nochmals unsere Leser auf
das Buch Hinweisen, das der hochwürdigste Herr
Verfasser, um drei neue Kapitel bereichert (Fata
libelli, Arbeitsfreude, Seelenfreude), neu hinaus-
geben kann.

Tübingen. Prof. Dr. L. B a u r.

Stuttgart, Vuchdruckeret der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblntt".
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