Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

Seite: 22
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0.5
1 cm
facsimile
Kelch von I. S e i tz.

machen, die uns wieder mehr auf eine
grundsätzliche Frage zurückführt: wenn
wir diese Kelche vergleichen mit den von
P. Paulus Krebs O. S. B. entworfenen,
die wir unseren Leseiu das letztemal vor-
führen konnten, so sehen mir, daß bei den
letzteren die Form der Ornamentiernng
itnb des Dekors aus einer der ganzen
Auffassung des Kelches innewohnenden
Grundidee abgeleitet ist. Zweifellos ist
diese in der Idee der Blume oder Knospe
gu sehen. Hier ist die Auswahl des
Dekors eine zufällige oder "willklirliche
bzm. nur von formalästhetischeu Gestehts-
pnnkten bestimmt.

2. Recht ansprechende Arbeitet lieferte
Herr Seitz mit seinen Hostien dosen,
deren wir gleichfalls zwei zur Abbildung
bringen. Sie sind ebenfalls liach eigenen
Entwürfen gefertigt. Die eine ist in
Messing getrieben liub hellbraun patiniert.
Davon hebt sich wirksam ab das Krenz,
das aus schwarzem Ebenholz gefertigt ist.
Der Krenzesbalken ist mit Korallenkugelu
besetzt und iil der Mitte trägt er einen
Türkis. Jnuell befindet sich ein Glas-
einsatz mit einem sehr willkommenen

Hostienheber. Die Höhe der Dose beträgt
ohne das Kreuz 10 cm.

Die andere Hostiendose ist aus indischem
Rot holz und mit Messingdekor versehen.
Darauf die passende Inschrift: „Satiat nos
Dominus" eingraviert. Der Deckelknopf
ist durch ein Aehrenmotiv gebildet. Höhe
ohne Kliopf 9 cm.

Im Znsanlinenhang damit sei ailch
wenigstens kurz hingewiesen ans die von
demselben Meister hergeftellten A b l u-
t i o n s g e f ä ß e. Dieses ist anch ein Objekt,
das bisher von den Künstlern als Aschen-
brödel behandelt wurde und eine wenig-
stens einigermaßen freundlichere künstle-
rische Vehandlnng wohl verdient. Seitz
stellt solche in Zinn getrieben mit Elfen-
beinknopf recht geschmackvoll her.

Die Deutsche Gesellschaft für christliche
Kunst hat schoir vor einigen Jahren ailch
für die künstlerische Vehaildlnng religiöser
Gebrauchsgegenstände für das christliche
Halls fruchtbare Anregungen gegeben. In
denselben Bahnen bemegeit sich die Ent-
würfe, die Seitz seinen Weihwasser-
te sselcheu zugrunde gelegt hat.

Es handelt sich dabei um durchweg

Kelch von I. Seitz.
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