Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

Seite: 23
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einfachere und dementsprechend billigere
Stücke, wie die Abbildungen zeigen.

Bei dieser Gelegenheit müsseil wir doch
unsere Leser ans ein Prachtstück eines
solchen Weihwasserkesselchens Hinweisen, das
Meister Hngger in
Nottweil - auf der Aus-
stellung in Stuttgart hatte
— ein überaus vorneh-
mes Stück mit reichem
Email — selbstverständ-
lich auch im Preise be-
deutend höher.

Erziehung und
religiöse Kunst.

Von Pfarrverw. I. F i s ch e r,

Frommeuhausen.

(Fortsetzung und Schluß.)

Ganz ähiiliche „Er-
weckungen" erzählt uns
Joseph Scheicberin seinen
„Erlebnissen lind Erin-
iiernngeil" (Ans der
Jugendzeit S. 187 ff., S. 282 ff). Auch
diesmal entspringen sie nicht beut schick-
planmäßigen Religionsunterricht, sondern
beut spontaneren Lesen. Und wieder ge-
lvahren wir den nrehr
ins Praktische spielen-
deir Drang, die eigene
Jnnenivelt nach außen
zu projizieren: der Hir-
tenbnb Scheicher wird —
ähnlich dem jungen Schil-
ler — ein Prediger. „Bin
oft niit verweinteil Augen
heimgekehrt. — Es hätte
mich in jener Zeit gar
nicht gewilndert, wenn
eines Tages der Heiland
in seinem langen blauen
Rocke bei mir draußeil
ans dem Felde erschienen
wäre, um mich tut Buß-
predigen noch besser §u
unterrichten und zu nnter-
stützen. Habe ihil oft erivartet, er ist
aber nicht gekonrmen."

Wenn es also wahr ist, daß die Kunst
ilns einen Ersatz bietet für den wahren
Anblick des Herrn, der Engel imb der
Heiligen usw., so kommt sie einer Sehn-

Hostiendose von I. Seitz.

Hostiendose von I. Seitz.

sucht des religiös angeregten Kindergeistes
entgegell. Jeder anregende Religions-
unterricht ist dann aiicf) Erziehung zur
religiösen Kunst. Man kann diese Wir-
kllng noch verstärken, inbeut mau beim
Unterricht über Himmel,
Hölle, Tod, Gericht usw.
die Sprache der Malerei
mitklingen läßt. Ich denke
dabei keineswegs an Ex-
kurse, wie liian sie manch-
mal in Predigtwerken fin-
det. Wenn diese auch
nicht völlig zu vermeiden
sind, so dürfen sie doch
liicht stehende rhetorische
Formen werden, die das
Kind langweilen, anstatt
es nnznregeu. Brau be-
schränke sie daher ans
Werke, die beut Kinde
voraussichtlich einmal int
Original vor Augen tre-
ten. So gäbe die Re-
petition der eben be-
endigten Gnadeulehre einen erwünschten
Anlaß, beit Kindern die Wandgemälde
von St. Bonifaz in München vorznsühren.
Ob die 1902 in Atlgsbnrg erschienene
Reproduktion hiezu ge-
eignet ist, weiß ich nicht,
weil ich sie nicht kenne
(vgl. Otto Willmann im
Bericht des Münchener
Katechetischen Kurses
1907 S. 239). — Oder
man hat im Katechisnuls
die Pflicht behandelt, bei
der Wahl des Ehegatten
vor allem aus Tugend
und Rechtschaffenheit zu
sehen. Da könnte man
sortfahren: „Ihr habt

schon das „Jüngste Ge-
richt" in der Münchener
Lndwigskirche gesehen
(das Kirchenjahr in Bil-
dern Rr. 1). Unter den
vielen Anserstandenen seht ihr auch ein
Brautpaar; voll seligen Staunens blicken
sich die beiden an. Denn so gut sie sich
schon bisher kennen, jetzt sehen sie
doch etwas ganz Neues. Die Blicke
dringen ins Innerste der Seele und
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